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"Gotthard-Raser" soll in Deutschland büssen

Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein im Tessin in Abwesenheit verurteilter deutscher Raser nicht ungeschoren davonkommt. Nach dem Willen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft soll der Mann ein Jahr Haft in Deutschland absitzen.

"Wir haben beim Landgericht beantragt, den unbedingten Teil der Freiheitsstrafe in Deutschland für vollstreckbar zu erklären", sagte der Erste Staatsanwalt Jan Holzner am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Er bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Der Autobahnraser aus Baden-Württemberg war im Februar in Lugano zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt worden, wobei der unbedingt vollziehbare Teil der Strafe auf 12 Monate festgelegt wurde. Das Bundesamt für Justiz in Bern übermittelte darauf ein Ersuchen um Vollstreckung der Freiheitsstrafe nach Baden-Württemberg.

Riskante Überholmanöver im Gotthard

Der 43-jährige Deutsche war im Sommer 2014 mit bis zu Tempo 200 über die Autobahn A2 gebrettert. Im Gotthard-Tunnel überholte er zehn Mal und setzte damit laut Anklage das Leben anderer Verkehrsteilnehmer aufs Spiel. Erst vor dem Ceneri-Tunnel konnte der Raser von der Polizei gestoppt werden. Sein Sportwagen wurde konfisziert.

Da der Fahrer seinem Prozess fernblieb, kam die Frage auf, ob und in welcher Form er überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden könnte. Eine Auslieferung erschien von Anfang an unwahrscheinlich. Wie andere Staaten behält sich Deutschland das Recht vor, die Auslieferung eigener Staatsangehöriger abzulehnen.

Ob der Mann nun tatsächlich ins Gefängnis muss, entscheidet das Landgericht nach Auskunft Holzners voraussichtlich erst im nächsten Jahr.