Die SBB will in Zukunft alle Billette selber verkaufen. Dem Parlament geht die Schliessung der Drittverkaufsstellen jedoch zu schnell. (Symbolbild)
Die SBB will in Zukunft alle Billette selber verkaufen. Dem Parlament geht die Schliessung der Drittverkaufsstellen jedoch zu schnell. (Symbolbild)
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Parlament bremst Serviceabbau der SBB

Das Parlament bremst die SBB bei der Schliessung von Billett-Verkaufsstellen in Avec-Läden oder Migrolino-Shops. Nach dem Nationalrat hat am Mittwoch auch der Ständerat eine Motion angenommen, die ein Moratorium verlangt.

Der Entscheid fiel mit 28 zu 17 Stimmen. Kommissionssprecher Olivier Français (FDP/VD) hatte vergeblich darauf hingewiesen, dass es sich um eine operative Kompetenz der SBB handle.

Die Schliessung von Drittverkaufsstellen könnte zwar von einigen Kundinnen und Kunden als Serviceabbau empfunden werden. Doch die Kundenbedürfnisse wandelten sich mit der Digitalisierung, die klassischen Verkaufsstellen würden weniger genutzt. Dem müsse sich die SBB mit neuen Lösungen anpassen können.

Verkehrsministerin Doris Leuthard sprach von "Verhältnisblödsinn". Sie erinnerte daran, dass nur noch 0,8 Prozent aller Billette an Schaltern verkauft würden. Für die meisten Drittverkaufsstellen gebe es bereits eine Lösung.

Parlament schreitet ein

Doch Bundesrat und Kommission sahen sich mit einer Koalition konfrontiert, die sich über alle Fraktionen erstreckte: Wenn die SBB ihre Kunden zu vernachlässigen beginne, müsse das Parlament einschreiten, sagte Damian Müller (FDP/LU). "Als Vertreter des Volkes müssen wir der SBB sagen können, wie weit sie gehen kann" erklärte auch Hannes Germann (SVP/SH).

Nach Ansicht von Brigitte Häberli-Koller (CVP/TG) muss die SBB auch noch andere als rein betriebswirtschaftliche Ziele berücksichtigen. Drittverkaufsstellen leisteten einen wichtigen Service für Kunden, die ihr Billett nicht per App oder am Automaten kaufen könnten. "Die Nachfrage nach bedienten Stellen ist nach wie vor gross."

Niemand bestreite, dass sich die Verkaufskanäle wandelten, sagte Paul Rechsteiner (SP/SG). Die Frage sei aber, ob die traditionellen Verkaufskanäle mit der von der SBB-Spitze angestrebten Geschwindigkeit eliminiert werden sollten.

Tempo drosseln

Die vom Nationalrat angenommene Motion beauftragt den Bundesrat, die Entwicklung mit einem Moratorium zu bremsen: Die SBB soll bis 2020 keine Drittverkaufsstellen schliessen dürfen. Heute verkaufen Avec-Läden, Migrolino-Shops und private Stationshalter an Bahnhöfen auf Vertragsbasis mit der SBB Billette und Abonnemente.

Die SBB hatte vergangenen Herbst angekündigt, dass sie den bedienten Verkauf reduzieren und Billette nur noch selber verkaufen wolle. Bis Ende 2017 sollen 52 Drittverkaufsstellen geschlossen werden. Bei den betroffenen Gemeinden, Kantonen und der Bevölkerung löste das Kritik aus.

Einstimmig abgelehnt hat der Ständerat hingegen eine Motion von Nationalrat Marco Romano (CVP/TI). Dieser wollte den Bundesrat verpflichten, für mehr Parkplätze in der Nähe von Bahnhöfen ausserhalb der grossen Städte zu sorgen.