• Christian Platz
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Andy Ibach: «Rockmusik muss einfach laut sein»

Der Basler Andy Ibach ist begeisterter Sammler von Originalkunst, Gegenständen, Dokumenten, Memorabilia, die mit der Geschichte des Rock’n’Roll zu tun haben. Dies seit Jahrzehnten. Seine Sammlung gehört inzwischen zu den grössten ihrer Art in Europa. Zudem ist er Gründer und Besitzer der Beiz L’Unique am Gerbergässlein. Dies alles ist eine Herzensangelegenheit. Beruflich macht er etwas ganz Anderes. Er ist Chef einer Sanitärfirma – und arbeitet Tag für Tag persönlich in der Welt des Wassers, der Rohre und Abflüsse.

Andy Ibach, Sie sind ja über das, was man heute «Classic Rock» nennen könnte, in die Welt der Musik eingestiegen. Mitte der 1970er Jahren. Was waren da ihre ersten, ihre prägenden Erlebnisse?

Andy Ibach: «Das war ganz klar Uriah Heep, mein erstes Konzert mit 12 Jahren. Da habe ich das erste Mal diese Lautstärke, diese Power erlebt. Meine Tante arbeitete damals bei der SRG. Sie organisierte für mich auch gleich ein Treffen mit der Band, über die Plattenfirma Ariola. So konnte ich die Musiker treffen, im Basler Hilton. Ich weiss noch, wie mir Ken Hensley, Organist, Gitarrist, Songschreiber der Band auf dem Gang entgegenkam. Mit seiner mächtigen Haarmähne, unter der eine Sonnenbrille glänzte, wir haben damals auch Fotos mit der Band gemacht, die dann leider verloren gegangen sind. Bei der nächsten Tournee war ich wieder dabei – und die Fotos, die dann gemacht wurden, habe ich noch. Bei beiden Terminen habe ich auch Autogramme erhalten...»

Haben Sie die noch?

 «Jawohl, die besitze ich noch heute».

 Was hatten Sie damals sonst noch an Musik auf dem Schirm?

«Den ganzen britischen Hardrock jener Zeit halt. Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath, das war die Anfangsphase. Ein wenig später wurde ich dann grosser USA-Fan, so begann ich die Bands zu hören, die damals den amerikanischen Mainstream prägten: Boston, Journey, Kansas. Diese Bands kamen allerdings kaum einmal nach Europa. Mein Musikgeschmack hat sich mit den Jahren allerdings verändert. Doch das erste Uriah Heep-Konzert hat mich ganz entschieden geprägt, der Sound, die Lichter, die Lautstärke. Ich bedaure heute immer wieder, dass die Lautstärke der Konzerte in der Schweiz so massiv heruntergefahren wurde. Rockmusik muss doch einfach laut sein. Mit 15 war ich dann in London, habe dort Pink Floyd auf ihrer The Wall-Tournee erlebt, in Originalbesetzung, bei der sie diese Riesenmauer auf der Bühne aufgebaut hatten, das war unglaublich. Das Original-Ticket habe ich natürlich noch».

Wie hat das mit dem Sammeln ernsthaft angefangen? Was waren die ersten Stücke?

«Nun, das war immer noch im Teenie-Alter. Boston haben in der Schweiz gespielt, ich wollte unbedingt hingehen. Da hat man Vater gesagt. Gut, wenn Du es von Deinem Taschengeld bezahlst, habe ich kein Problem damit. Aber, wenn die hier spielen sind Herbstferien und wir fahren in die Ostschweiz, Du kannst nachkommen. Den Zug musste ich allerdings auch aus meinem Sackgeld berappen. Dann war ich also am Konzert, danach habe ich mir am Memorabilia-Stand das Poster und das T-Shirt der Tournee gekauft. Danach hatte ich kein Geld mehr für den Zug. Also bin ich mit dem Velo von Basel in die Ostschweiz gefahren». Meine Eltern sagten, ich würde wohl spinnen. Ich sagte einfach, es ist mir nichts Anderes übriggeblieben. Ich hatte einfach kein Geld mehr für den Zug...»

Wie sind Sie denn zu den ersten wertvollen Stücken gekommen?

«Mit 22 war ich erstmals in den USA. Lustigerweise mit der Clique, ich war Tambour bei den Alte Stainlemer. Zunächst gingen wir gemeinsam nach New York. Ich bin dann allerdings noch vier Monate drübengeblieben. Das hat mich stark geprägt. Auf dieser Reise habe ich in Hawaii in einer Galerie ein Originalbild des Stones-Gitarristen Ronnie Wood gesehen, der ja auch ein sehr guter Maler und Zeichner ist. Das stellte natürlich einen anderen Wert dar, als Posters und T-Shirt. Ich habe es mir gekauft – und bin danach in Kontakt mit der Galerie geblieben. Habe dort immer wieder Sachen bestellt, alles per Post, das Internet gab es ja noch nicht. Darunter habe ich beispielsweise eine Gitarre von den Rolling Stones gekauft. Damals habe ich einige Dinge zu teuer bezahlt, aber das passiert jedem Sammler, der am Anfang steht».

Aber Sie haben dazugelernt...

«Sicher, ich habe das Feld mit der Zeit immer besser kennengelernt. Konnte auch entscheidende Bekanntschaften schliessen. Etwa mit einem Memorabilia-Händler in Chicago oder mit Neil Glazer aus Philadelphia, dem Kunstproduzenten von Ringo Starr, Paul McCartney und vielen weiteren Stars. Ich habe diese Leute dann auch persönlich getroffen. Diese Kontake bestehen noch heute. Und haben mir das Sammeln natürlich um einiges einfacher gemacht».

Heute kann man einen Teil Ihrer Sammlung im L’Unique bewundern, allerdings längst nicht alles. Wann kam Ihnen die Idee, so eine Beiz aufzumachen?

«Die hatte ich bereits auf meiner ersten USA-Reise. Dort gibt es ja viele solche Rock’n’Roll-Bars und -Restaurants. Damals sagte ich mir, so etwas müsste es auch in Basel geben. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Zunächst habe ich jahrelang keinen geeigneten Ort gefunden. Dann hat mein einer Bruder, er ist Architekt, die Schatzung dieses Hauses am Gerbergässlein 20 gemacht. Es gab dann noch ein ziemliches Hin und Her, aber am Ende habe ich es gekauft. Dann habe ich es eigenhändig umgebaut, ein Haus aus dem 13. Jahrhundert. Da hatte es Staub von Jahrhunderten in den Wänden. Ich habe in meinem Leben ja auf vielen Baustellen gearbeitet, aber so etwas habe ich sonst nirgendwo erlebt. Danach ging es darum, eine Bewilligung für den Betrieb zu bekommen. Vielen Nachbarn hat das nicht in den Kram gepasst. Aber wir sind hartnäckig geblieben. Am Anfang hatte ich dann Pech mit meinen ersten beiden Geschäftsführern. Vor sieben Jahren ist dann die heutige Geschäftsführerin Evelyne Meier an Bord gekommen, seither funktioniert es prima. In dieser Zeit haben wir auch damit angefangen, das Lokal so richtig mit Rock-Kunst und mit Memorabilia zu dekorieren. Eher zum Missvergnügen meines Bruders, der als Architekt ganz andere Vorstellungen hatte...»

Heute machen sie auch Ausstellungen an anderen Orten, etwa in der Bar des Unique Hotels Zermatt(die Namensgleichheit ist Zufall) , bei der Galerie Jedlitschka in Zürich oder – aktuell – im Hästens Store Basel, die letzten beiden drehten sich um ihre imposante Beatles-Sammlung. Werden sie weiterhin solche Ausstellungen durchführen?

«Aber sicher, es gibt doch nichts Langweiligeres, als eine Sammlung, die in Archivschränken oder Schubladen verstaut ist. Ich will, dass die Leute, die Freude daran haben, diese Sachen sehen können. Ich will die Rock’n’Roll-Kultur verbreiten».

Sie stiften ja auch jedes Jahr den L’Unique Lifetime Achievment Award. Anfänglich zusammen mit dem RFV Basel – inzwischen auf eigene Faust, mit einem eigenen Experten-Team –, bei dem verdiente Bands und Musiker aus der Region geehrt werden. Das waren bis jetzt Roli Frei, Pink Pedrazzi und die Lovebugs. Machen Sie auf diesem Feld ebenfalls weiter?

 «Ganz sicher, diese Sache ist mir ein Anliegen. Es gibt in unserem Land so viele Preise für junge Bands, für Newcomer. Wir ehren Leute, die seit Jahrzehnten Musik machen.»

In wenigen Tagen fliegen Sie in die USA, dort werden Sie Ringo Starr treffen. Gibt es noch weitere Musiker, die sie gerne treffen möchten?

 «Ich werde Ringo in Fort Lauterdale treffen, zunächst hätte es Las Vegas sein sollen, doch das hat halt nicht geklappt. So begegne ich ihm nun in Florida. Am liebsten würde ich einmal Dave Grohl treffen, seine Foo Fighters sind meine absolute Lieblingsband auf der aktuellen Szene, die rocken einfach wie sonst niemand. Einmal hätte es fast geklappt, es war alles vorbereitet. Doch dann hat Dave sich das Bein gebrochen und das Treffen wurde abgesagt. Nun setze ich meine Hoffnungen auf die nächste Tournee».

Dabei wünschen wir Ihnen doch viel Glück, Herr Ibach. Herzlichen Dank für das Gespräch.