Barbara Busers Lieblingsort in Basel: die Münsterfähri auf dem Rhein
Barbara Busers Lieblingsort in Basel: die Münsterfähri auf dem Rhein
  • Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Bebbi-Bryys-Gewinnerin Barbara Buser: «Ich habe Mühe mit dem Perfektionismus der Schweizer»

Sie gilt als die Umnutzungs-Königin von Basel: Ob Unternehmen Mitte, Gundeldinger Feld, Walzwerk Münchenstein, Markthalle, Klara und zuletzt der Predigerhof, es gibt nur wenige Orte in der Stadt, welche die ETH-Architektin Barbara Buser nicht erfolgreich umgenutzt hat. Im Interview mit barfi.ch erzählt sie von ihrer Zeit in Afrika und welches Basler Areal sie gerne verändern würde. 

Barfi.ch: Sie erhalten am 30. Mai den Bebbi-Bryys der Bürgergemeinde. Herzliche Gratulation! Was bedeutet dieser Preis für Sie?

Barbara Buser: Ich freue mich sehr, dass meine Arbeit in meiner Heimatstadt anerkannt wird. Das war ja zu Beginn nicht so: auf dem Gundeldinger Feld hätte die Regierung lieber Wohnungen gesehen, und in Münchenstein meinte der damalige Gemeindepräsident, sie hätten halt schon lieber gute Steuerzahler im Walzwerk als all die Künstler und Alternativen.

Mit Anfang Dreissig zog es Sie in den Sudan und nach Tansania, um in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein. Was waren die prägendsten Ereignisse aus dieser Zeit? 

Die Bereitschaft der Menschen, mit dem Unfertigen, Unvollkommenen, dem Nicht-Perfekten, zu leben, und dabei glücklich zu sein. Die Fähigkeit der Menschen, von einem Tag zum anderen zu leben, und nicht immer angstvoll auf die unbekannte Zukunft zu warten, «carpe diem» nannten das schon die Römer!

Inwiefern beeinflussen diese zehn Jahre fernab von Europa Ihre Arbeit als Architektin?

Ich habe gelernt, dass man fast alles wiederverwenden kann, sei es menschliche Arbeitskraft, Materialien, Ideen, Prozesse und dass es vor allem vom Willen, aber auch der finanziellen Möglichkeiten abhängig ist, das auch zu tun. Ich habe Mühe mit dem Perfektionismus der Schweizer, der vielfach eine grosse Material- und Energieverschwendung zur Folge hat.

Sie waren in der Umnutzung des Unternehmen Mitte involviert, aber auch das Gundeldinger Feld, Walzwerk, Markthalle und Klara, Hanro und Ziegelhof Liestal und Lagerplatz Winterthur. Sie sind in beinahe jedem Projekt der Umnutzung in Basel involviert. Hätten Sie sich dies als Studentin je erträumt?

Nein, als Studentin habe ich den Freiraum, die Inspiration und die Diskussionen von Ideen genossen, die die ETH den Studenten geboten hat. Ich wusste nur eines: dass ich nie ein Architekturbüro haben und ein Projekt nach dem anderen machen wollte. Und genau da bin ich heute mit meinen Unternehmen mit mehr als 60 Leuten und den vielen realisierten Projekten angekommen.  

Der Arbeitsort von Barbara Buser im Gundeldinger Feld.

Besuchen Sie diese von Ihnen umgenutzten Orte ab und an?

Ja, mit stillem Vergnügen, nicht (mehr) erkannt zu werden, gerne auch bei kulturellen Anlässen oder Festen. 

Wie hat sich das Verhältnis in Basel zum Thema Umnutzung in den letzten Jahren verändert?

Zwischennutzungen sind salonfähig geworden. Während dem wir mit dem Verein unterdessen auf einer Not-for-profit Basis arbeiten, drängen nun auch kommerzielle Dienstleister wie die Firma «ad interim» aus Zürich auf den Markt. Zwischennutzungen sind zum anerkannten Instrument der Arealentwicklung und Adressbildung geworden. In Zwischennutzungen werden viele kulturelle Projekte möglich, die keine regulären Mieten bezahlen können. Die beschränkte Nutzungsdauer beflügelt die Kreativität. 

Welches Areal, welchen Bau würden Sie in Basel gerne umbauen?

Das Felix Platter Spital – aber da haben wir den Wettbewerb leider nicht gewonnen. Das Bruderholzspital - auch wenn dieses als Bau nicht so schön ist wie das Felix Platter. Den Birsfelder Hafen, nicht mehr benutzte Landi-Silos, Kirchen – es gibt noch viel zu tun!  

Am Samstag wird der Predigerhof eröffnet. Was bedeutet die Wiedereröffnung des traditionsträchtigen Hofs für Sie?

Es ist eine grosse Freude, dass sich an dem Projekt so viele verschiedenste Menschen in einer tatkräftigen Mithilfe zusammengefunden haben. Das Projekt ist, frei nach Joseph Beuys, eine «soziale Plastik». 

Der idyllische Predigerhof auf dem Bruderholz © barfi.ch

Wie gehen Sie bei einer Umnutzung vor? Wie erhält das Gebäude den neuen Zweck?

Meist kristallisiert sich aus der Geschichte des Ortes, den Bedürfnissen der Beteiligten und den baulichen Gegebenheiten ein Thema heraus, das die Umnutzung «zieht».

Beim Gundeldinger Feld war das Thema «Quartierzentrum», beim Walzwerk war es «Gewerbe und Startups», bei der HANRO «Textilien», etc. 

Gibt es eine Stadt, die für Basel als Vorbild dienen könnte/sollte (aus architektonischer Sicht und der Umnutzer-Perspektive)?

Ich glaube es ist umgekehrt: Basel dient vielen Städten als Vorbild! Aber wenn, dann Berlin. 

Haben Sie eine Gesamtvision für die Entwicklung von Basel?

Basel ist gebaut, deshalb sollte die Entwicklung langsam, schrittweise und partizipativ weitergeplant werden. Die Grenzen zu BL, Frankreich und Deutschland sollten durchlässiger werden, die grenzüberschreitenden Drämmli sind ein guter Anfang.  

Haben Sie in Basel einen Lieblingsbau oder einen Lieblingsort?

Aber sicher: Die Münsterfähri auf dem Rhein. 

Aussicht aus der Münsterfähre © barfi.ch

Wie verändert die Digitalisierung Ihre Arbeit?

Ich kann dank der Digitalisierung, bzw der schnellen, mobilen Kommunikationsmittel mehr Projekte gleichzeitig bewältigen als es früher möglich war. Aber ob das auch gescheiter ist, frage ich mich. 

Das Lädelisterben verwandelt die Innenstadt. Haben Sie eine Idee, eine Vision für die leerstehenden Gewerbeflächen in der Stadt?

Warten bis die Mietpreise sinken, dann können neue kreative Ideen entstehen.

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