Bild: Tobias Stahel
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Fernsehfrau Annina Frey: «Ich bin im Herzen eine Nomadin»

Elf Jahre lang moderierte die Baslerin Annina Frey das People-Magazin «Glanz und Gloria». Nun verlässt sie das Magazin auf eigenen Wunsch. 

Weshalb die Baslerin heute in Zürich wohnt und weshalb ihr «Baseldytsch» fast nicht mehr zu hören ist, erfahren Sie im grossen Interview der Woche.

barfi.ch: 11 Jahre bei «Glanz und Gloria» sind eine lange Zeit. Sie sind als People-Journalistin bekannt geworden. Zeit für einen Wechsel in eine andere Sparte?

Es ist definitiv Zeit für einen Wechsel! Ob ich allerdings beim Journalismus bleibe weiss ich noch nicht. Ich lasse mir zur Zeit alles offen. Seit einigen Jahren lege ich ja auch als DJ auf, dieser Leidenschaft werde ich mich sicher vermehrt widmen.

Ist ein Wechsel in den sogenannten seriösen Journalismus überhaupt möglich?

Aber natürlich! So verschieden sind die Genres - abgesehen vom Inhalt - eigentlich gar nicht. Es wäre ja furchtbar, wenn People-Journalismus NICHT seriös wäre! Im People-Bereich hat man als Journalist den gleichen Auftrag zu erfüllen wie bei den «hard news». Recherchearbeit, fundiertes Wissen und ein gutes, journalistisches Handwerk gehört zwingend zum Job.

Welches war Ihr prägendstes Interview, der interessanteste Gast?

Das prägendste oder besser gesagt das «beste» Interview das ich je geführt habe, war mit Daniel Radcliffe. Der «Harry Potter»-Star ist nicht nur charmant, eloquent und aufgeweckt, sondern trotz Dutzender kreischender Teenies, Chaos beim Interviewtermin und einer Armada von Bodyguards völlig auf dem Boden geblieben. Da ziehe ich den Hut!

Sie sind in Basel und den USA aufgewachsen, haben hier die Schulen besucht. Trotzdem leben Sie in Zürich. Gefällt es Ihnen in Zürich besser als in Basel?

Ich bin im Herzen eine Nomadin und könnte auch wieder in den USA leben. Gut, vielleicht erst nach Donald Trumps Amtszeit. Aber grundsätzlich fühle ich mich überall zu Hause, auch wenn die Schweiz tief in meinem Herzen sitzt. Und ja, Zürich ist meine Heimat geworden, ich lebe sehr gerne hier.

Werden Sie in Zürich noch immer als die «Baslerin» angesehen?

In Basel sagt man mir ich «zürchere», in Zürich höre ich, dass ich «baslere». Mein Dialekt ist wohl irgendwo in Frick stehen geblieben... Ich sehe das mit den Kantonsgrenzen nicht so eng.

Ihr Baseldeutsch scheint, wenn man Sie bei «Glanz und Gloria» sieht, etwas eingerostet. Können Sie noch reines Baseldytsch?

Nein. Sehr zum Leid einiger Zuschauer die sich über all die Jahre hinweg immer wieder beschwerten, ich solle mich doch bitte für EINEN Dialekt entscheiden. Ich finde aber jeder soll am Bildschirm so reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Alles andere wirkt aufgesetzt, und das will garantiert niemand hören.

Planen Sie eine Rückkehr nach Basel?

Ich bin fast alle 2 Wochen in Basel, oder besser gesagt in Riehen. Zu Besuch bei meinen Eltern. Das ist immer wieder eine kleine Rückkehr, und passt zur Zeit sehr gut so!

Sie wurden in einem vom Schweizer Fernsehen gezeigten Casting ausgewählt. Wie war das damals?

Das war und ist das einzige, öffentliche Casting für eine Moderationsstelle, das beim SRF je durchgeführt wurde. Es war eine extrem spannende Zeit. Wir wurden ins kalte Wasser geworfen, mussten in kürzester Zeit schwierige Aufgaben meistern und uns dabei vor der ganzen Schweiz und einer strengen Jury beweisen. Wir hatten Lampenfieber, Adrenalinschübe, Schweissausbrüche und schlaflose Nächte. Und niemand dachte, dass ausgerechnet ICH am Ende gewinnen würde. Als mein neuer Chef damals meinen Namen ausgerufen hat waren alle ganz baff. Es herrschte zuerst eine halbe Minute Schweigen, bevor dann die Hölle losbrach. Ein prägender Moment.

Sie sind ausgebildete Schauspielerin. Weshalb hat es mit der Schauspielerei nicht geklappt?

Ich hätte alles auf eine Karte setzen müssen, nach Berlin auswandern um dort mein Glück zu versuchen. Aber ich ging ja quasi direkt von der Schauspielschule an dieses Casting – und bekam dann promt auch noch den Job. Da war der Fall klar.

Als langjähriges Model für die Marke Akris haben Sie ein gutes Gespür für Mode, trugen immer eigene Kleider für die Moderation von «Glanz und Gloria». Waren ihre Kolleginnen nicht neidisch?

Ich glaube nicht. Ich bekam ja für meinen etwas anderen Mode-Sinn auch oft verbal auf den Deckel – ich denke vor allem darauf war garantiert niemand neidisch! (lacht)

Gerade Ihr Kleidungsstil wurde auch immer wieder von Zuschauerinnen und Zuschauern kritisiert. Kam auch Kritik vom SF?

Ich muss meine Outfits vom Styling-Team schon absegnen lassen, und kann nicht einfach völlig frei von der Leber irgendetwas anziehen. Es muss ja auch ins Studio passen, darf nicht flimmern etc. Aber ich geniesse schon extrem viele Freiheiten, welche ich natürlich auch gerne ausnutze.

Sie polarisierten von Anfang an. Worauf führen Sie das zurück?

Das habe ich mich auch gefragt. Waren es die kurzen Haare? Meine burschikose Figur? Der frühere Model-Job? Oder dass ich manchmal zuerst rede und dann denke? Ich weiss es nicht, und mittlerweile ist es mir ehrlich gesagt auch egal.

Gehen Sie lieber auf glamouröse Partys oder bevorzugen Sie ein Essen mit Freunden?

Ganz klar das Essen mit Freunden.

No Billag: Spielt die Abstimmung auch Rolle bei Ihrem Entscheid?

Überhaupt nicht. Und ich wünsche meinem Team und der Sendung jeden erdenklichen Erfolg für die Zukunft.

Zum Schluss: Nach Ihrem Weggang von «Glanz und Gloria», was werden Sie vor allem vermissen?

Vor allem mein grossartiges Team, das mich all diese Jahre unterstützt hat. Dann sicher das Reisen, sei es zu den Filmfestspielen Cannes oder nach Los Angeles an die Oscars. Ich nehme Tonnen von Erinnerungen mit, die ich nie vergessen werde.

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