zVg Hermes Beurret und Cyrill Lang, «Rhyschänzli»-Geschäftsführer vor dem gleichnamigen Restaurant
zVg Hermes Beurret und Cyrill Lang, «Rhyschänzli»-Geschäftsführer vor dem gleichnamigen Restaurant
  • Binci Heeb / Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Interview der Woche: Das Erfolgsgeheimnis der «Rhyschänzli»-Chefs

Die «Rhyschänzli»-Gruppe hat ein sehenswertes Portfolio, neben der Rhyschänzli-Buvette und dem eleganten gleichnamigen Restaurant, gehört auch der Union Diner und das Des Arts zur Gruppe. Bald auch das Klingeli und das Sud. barfi.ch hat mit den beiden Geschäftsleitern Cyrill Lang und Hermes Beurret über ihr Erfolgsrezept, die Basler Gastroszene und den Druck gesprochen. 

In der Basler Gastroszene läuft momentan sehr viel. In vielen Projekten ist die «Rhyschänzli»-Gruppe involviert. Wie geht es Ihnen?

Hermes Beuret: Uns geht es gut. Merci! 

Die «Rhyschänzli-Gruppe» ist in Basel sehr präsent. Was sind Ihre aktuellen Projekte?

Cyrill Lang: Die beiden aktuellsten Projekte sind das Strada 4058 an der Grenzacherstrasse 97 und das Klingeli im Klingeltal. Wie schon bei den vorhergehenden Projekten der R-Gruppe zu sehen war, ist es uns ein Anliegen, die Projekte vielseitig zu halten. Sprich: die Lokale sollen sich in Konzept, Design und Angebot unterscheiden. Das Strada 4058 ist für uns insofern speziell, weil es sich nicht um Gastronomie im klassischen Sinn handelt, sondern zumindest anfänglich um ein mittägliches Konzept mit einem hohen Anteil an Take-Away Produkten. 

Ihr Portfolio ist vielfältig: Vom eleganten Rhyschänzli, über die Buvette und Burger bis zum Des Arts. Nun folgt auch das Klingeli und das Sud. Das sind in Basel altbekannte Namen. Wie hoch ist der Druck?

Cyrill Lang:  Wir sind uns der Vergangenheit dieser Traditionsbetriebe bewusst und wissen dies zu schätzen. Dass wir sie ins Portfolio aufnehmen durften, freut uns. Trotzdem kommt der Druck für uns nicht aus alten Vorstellungen und Erwartungen. Wir möchten bei jedem Betrieb, ob altehrwürdig oder neu, eine tolle Dienstleistung präsentieren können. Der Druck kommt von interner Seite: Wir möchten stolz auf unser Ergebnis sein können.  

Derzeit ist das grosse Rätsel in Basel, was in das alte Kino Plaza kommt. Wäre das nicht auch ein Projekt für die «Rhyschänzli»-Gruppe?

Beide: Nein.   

Immer wieder ist in der Region von Restaurantsschliessungen zu lesen. Ausser bei der «Rhyschänzli»-Gruppe. Was machen Sie anders?

Cyrill Lang: Wir teilen diese Sicht nicht komplett. Am Standort Basel gibt es einige positive Beispiele für Wachstum in der Gastronomiebrache. Wir denken neben der R-Gruppe an Betriebe des Teufelhofes oder der Krafft-Gruppe. Grundsätzlich ist es so, dass die Führung eines Restaurationsbetriebes sicherlich nicht einfach ist und einen Betreiber vor wirtschaftliche Probleme stellen kann. Die Gewinnmargen in unserer Branche sind generell ziemlich klein, weshalb man die Geschäftszahlen immer im Auge behalten muss. Als junge Generation der Geschäftsleitung profitieren wir natürlich von der Erfahrung der Gründerväter Jérôme Beurret und Stefan Grieder.

Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Hermes Beurret: Wenn es ein Erfolgsrezept gäbe, dann würden wir es nicht preisgeben (schmunzelt). Als Fundament für den Erfolg müssen die einzelnen Betriebe "gesund" sein. Ohne dies hat man keine stabile Basis für weiter Projekte. Für uns steht die Firma im Vordergrund. Dies führt dazu, dass in 10 Jahren Rhyschänzli noch keine Dividende ausbezahlt wurde und sämtliches erwirtschaftetes Geld unmittelbar für die Betriebe genutzt wurde.

Was ist die Geschichte hinter dem Namen? 

Cyrill Lang: Der erste Betrieb der Gruppe hiess «Rhyschänzli», noch vor der Übernahme durch Jérôme und Stefan. «Rhyschänzli» ist Baseldeutsch für Rheinschanze und diese befindet sich in unmittelbarer Nähe zum alten Restaurant an der Elsässerstrasse 17. Als Reverenz zu den Anfängen der Gruppe, haben wir uns dafür entschieden, den Namen «Rhyschänzli» zu verwenden, um unsere Lokale zusammenzufassen.

Was ist die Geschichte hinter der «Rhyschänzli»-Gruppe?

Cyrill Lang: Im Jahr 2008 starteten Jérôme und Stefan mit dem kleinen "Rhyschänzli" an der Elsässerstrasse. Nach den ersten Erfahrungen war schnell klar, dass die Partnerschaft nur durch Wachstum bestehen kann. Im Zuge dessen entschied man sich, am Wettbewerb um die Buvette bei der Kaserne teilzunehmen. Diesen Wettbewerb konnte das Duo für sich entscheiden. Dies war der Startschuss für weitere Strategie für die Gruppe. 

Haben Sie alles mit eigenem Geld geschaffen, oder gibt es «Sponsoren»?

Cyrill Lang: Zu firmeninternen Sujets möchten wir uns nicht äussern.

Wie kamen Sie, Herr Beurret und Herr Lang, dazu?

Cyrill Lang: Wie so viele, habe ich während dem Studium in der Gastronomie gearbeitet. Durch Zufall, konnte ich die operative Leitung des City-Beach Basel übernehmen und das Conto 4056 als Geschäftsführer eröffnen. Der nächste Schritt war eine Anstellung bei der R-Guppe, bei der ich heute Partner bin.

Hermes Beurret: Nach drei Jahren Studium und zwei verschieden Studiengängen, suchte ich nach einem Job um mich neu zu orientieren. Glücklicherweise haben mir Jérôme, Stefan und Cyrill eine Chance in der R-Gruppe als «Mädchen für alles» gegeben. Nach einem Jahr wurde ich in der Geschäftsleitung willkommen geheissen und studiere nun berufsbegleitend an der FHNW. 

Sie haben sehr viel um die Ohren. Haben Sie überhaupt noch Freizeit?

Hermes Beurret: Sicher weniger als andere, aber das macht uns nichts aus. Weil wir auch ausserhalb des regulären Betriebes Zeit miteinander verbringen und über das Geschäft diskutieren, nimmt der Begriff Freizeit eine untergeordnete Rolle an. So lange wir mögen, ziehen wir das so durch - mit Freude.

Zurück zur Basler Gastroszene. Gibt es nicht zu viele Restaurants in Basel?

Cyrill Lang: Ja, das gibt es bestimmt. Nichts destotrotz sind wir der Meinung, dass das Potential für stringente, gut durchdachte Lokale noch nicht ausgeschöpft ist.

Was fehlt in der Basler Gastroszene und grundsätzlich in Basel? 

Hermes Beurret: Im Vergleich zu den Grossstädten fehlt vielleicht die Diversität von spezialisierten Produkten. Als Beispiel könnte man ein japanisches Restaurant im High-End-Bereich nennen.

Cyrill Lang: Die Erwartungshaltung der Städter an die Gastronomie und die Stadt als solches ist generell sehr hoch. Um alle Bedürfnisse befriedigen zu können, bräuchte es in Basel 500‘000 Einwohner. Mit dieser Einwohnerzahl gäbe es einen Markt für tolle spezialisierte Projekte. Ein nahegelegenes Beispiel wäre Zürich. 

Reisen Sie auch in Städte, um das dortige Gastro-Angebot zu erkunden?

Hermes Beurret: Klar. Wie bereits erwähnt, ist es wichtig, dass wir neue Inspirationen holen, um uns selber verbessern zu können. Wir haben zwei, drei Grossstädte, welche wir gerne besuchen um neue Ansätze zu entdecken. Beachten müssen wir hierbei, dass sich kein Konzept kopieren lässt. Jede Stadt kennt ihre eigenen Gesetze und Dynamiken. Wir atmen den Duft von Grossstädten ein und lassen uns dadurch inspirieren.

Bald ist wieder Buvetten-Zeit. Für die Rhyschänzli-Buvette suchen Sie einen Koch. Wird das Angebot ausgebaut?

Hermes Beurret: Sehr aufmerksam von Ihnen. Wir möchten diese Saison ein wenig frischen Wind in das Angebot bringen. Die Klassiker der Buvette werden durch Tages- und Wochenspezialitäten ergänzt, die auch mal frech und modern sein dürfen. 

Welche «gastronomischen Träume» haben Sie?

Hermes Beurret: Es mag etwas kitschig tönen, aber der Weg wurde ein bisschen zum Ziel. Die grösste Freude haben wir, wenn ein neuer Betrieb funktioniert und eine tolle Atmosphäre hat. Wir träumen sozusagen von Betriebe zu Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt ist es zum Beispiel das Klingeli. Wir freuen uns sehr darauf. 

Was unterscheidet die Zürcher von der Basler Gastronomie?

Cyrill Lang: Wie bereits erwähnt, geniesst die Zürcher Gastronomie einen grösseren Markt. Dies erlaubt ein viel breiteres Spektrum an hochwertigen Angeboten; zumindest in absoluten Zahlen. Die Grundidee in Zürich ist dieselbe wie in Basel: Zufriedene Kunden.

Was halten sie von Systemgastronomie?

Hermes Beurret: Grundsätzlich haben wir nichts dagegen. Trotzdem Stellen auch wir einen Wandel im Angebot der Systemgastronomie fest. Immer mehr Ketten müssen sich neu erfinden, um weiter Bestand in einer immer bewussteren Gesellschaft zu haben. Die Kunden erwarten, dass man auf ihre spezifischen Bedürfnisse, wie zum Beispiel vegetarische oder glutenfreie Ernährung, eingeht.

Was ist geplant?

Hermes Beurret: Zu diesem Punkt möchten wir uns nicht im Detail äussern. Die R-Gruppe hat noch nicht ausgeträumt.  

Und zu guter Letzt: Was ist Ihr Lieblingsessen und Ihr Lieblingsdrink?

Cyrill Lang: Spaghetti aglio e olio pepperoncino mit einem Baselbieter Riesling-Sylvaner.

Hermes Beurret: Cheeseburger mit einer eisgekühlten Cola.

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