© Bistum Basel
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  • Christine Staehelin
  • Aktualisiert am

Interview mit dem Bischof von Basel: «Ich bin einmal pro Woche in der Stadt»

Basel ist zwar seit der Reformation ein reformierter Kanton, dennoch noch immer ein Bistum. Der Bischof von Basel mit Sitz in Solothurn, Felix Gmür, sprach mit barfi.ch über die Digitalisierung der katholischen Kirche, was einen guten Christen in der heutigen Zeit ausmacht und ob er den Bischofssitz gerne wieder in Basel hätte. 

barfi.ch: Bischof Gmür, haben Sie auch einen Facebook-Account?

Bischof Felix Gmür: Die Kommunikationsabteilung betreibt einen Account für das Bistum. Ich selbst bin ich nicht auf Facebook. Der Papst hat davor gewarnt, mit sozialen Medien die Zeit zu verschwenden. Er hat vor allem die Ordensfrauen angesprochen. Ich bin aber der Meinung, das gelte für alle Menschen. Denn News und Unterhaltung bergen viel Suchtpotential.

Inwiefern verändert die Digitalisierung die katholische Kirche?

Die Digitalisierung ist auch für die Kirche eine Chance, Menschen rascher und einfacher zu erreichen. Die Kirche hat Nachholbedarf, ihr vielfältiges Angebot digital erreichbar zu machen.

Sie sind Bischof von Basel, haben den Sitz jedoch in Solothurn. Was sind Ihre Aufgaben? 

Ich bin Bischof für die Gläubigen in zehn Kantonen. In erster Linie bin ich für die pastorale und personale Führung des Bistums verantwortlich. Oft sind wir in kirchen- und gesellschaftspolitische Fragen involviert. Es gibt jährlich zwischen 2000-3000 Medienberichte über das Bistum Basel.

Wie oft sind Sie in Basel? Und wenn Sie hier sind, was machen Sie hier?

Durchschnittlich bin ich etwa einmal pro Woche in Basel. Ich komme zu Treffen mit verschiedenen Gruppen, bin auf Konferenzen, feiere Gottesdienste.

Sie haben sich öffentlich zum begleiteten Suizid von David Goodall geäussert, und insbesondere die Berichterstattung kritisiert. Wie waren die Reaktionen darauf?

Mit einer Ausnahme habe ich nur zustimmende Antworten erhalten.

Die Pfarreien der Römisch Katholischen Kirche RKK Basel-Stadt werden neu unter einem gemeinsamen Dach geführt. Weshalb braucht es diese Änderung?

Die Zeit, in der in jeder Pfarrei dasselbe Programm angeboten wurde, ist vorbei. Es braucht Angebotsdifferenzierungen. Diese sind jedoch nur möglich, wenn pfarreiübergreifend gearbeitet wird. Deshalb braucht es die Pastoralräume. Sie setzen sich aus mehreren Pfarreien zusammen, die gemeinsam unter dem Dach «Pastoralraum» wirken. Per Ende Jahre werden rund 80 Prozent der geplanten hundert Pastoralräume errichtet sein.

Die sprachenübergreifenden sprachkulturellen Angebote sollen so gefördert werden. Weshalb ist dies besonders in Basel wichtig und wie wird dies konkret aussehen?

Sprachkultur-übergreifende Angebot sind auch in anderen Pastoralräumen wichtig, aber mit 50 verschiedenen Nationen ist die Kirche in Basel besonders gefordert. Bisher haben die verschiedenen Gruppen oft nebeneinander oder gar als separate Pfarreien/Missionen operiert. Neu teilen sie sich die Aufgaben innerhalb eines Pastoralraumes.

Gibt es eine Zusammenarbeit mit der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt? 

Die Ökumene hat in Basel einen hohen Stellenwert. Es gibt viele gemeinsame Projekte. Zum Beispiel werden die Offene Kirche Elisabethen oder das Industriepfarramt gemeinsam betrieben.

Welchen Stellenwert hat die Religion Ihrer Meinung nach in Basel-Stadt? Gab es in den vergangenen Jahren einen Wandel? 

Basel-Stadt ist in der Schweiz der Kanton mit der grössten Quote an konfessionslosen Bürgerinnen und Bürgern. Basel ist ein Schmelztiegel vieler Kulturen, die sich vermutlich gegenseitig säkularisieren.

Ist das Christentum noch ein sicherer Wert für die Menschen oder wird die frühere Aufgabe der Religion durch anderes ersetzt?

Unterhaltungsangebote, soziale Medien und die damit verbundene Informationsflut verdrängen das Religiöse im Menschen. Das ist bedenklich – nicht nur aus kirchlicher Sicht. Viele Menschen verlieren in ihrem Leben den Halt und realisieren dies erst, wenn es beinahe zu spät ist.

Schon Jacob Burckhardt nannte die Religion als einer der drei Hauptpfeiler der Gesellschaft. Wann wenden sich Ihrer Erfahrung nach die Menschen der Kirche zu? 

Menschen wenden sich oft der Kirche zu, wenn es Ihnen nicht mehr gut geht. Das Leben ist mehr als nur «Konsum und Börse». Im Glauben an Christus ist ein Leben in Fülle möglich.

In Ihrem Pfingstbrief kritisierten Sie, dass zu wenig für die Integration gemacht würde. Ist Integration für Sie ein christlicher Wert? 

Integration eine christliche Tugend. Es geht uns allen besser, wenn wir möglichst viele einbinden und niemanden ausschliessen. Man denke auch an zunehmende soziale Spannungen.

Was macht heutzutage einen guten Christen aus?

Er/Sie unterscheidet sich nicht von Christen aus früheren Zeiten. Es sind Menschen, die den Mut und die Kraft haben, egoistischen Kräften Gegensteuer zu geben. Christen glauben, dass es mehr gibt als nur ich selbst und in den anderen Menschen auch das Gesicht von Gott erkennen. Und danach leben, was täglich eine neue Herausforderung ist.

Sie gehen mit gutem Beispiel voran und haben Flüchtlinge am Bischofssitz aufgenommen. Wie war diese Erfahrung für Sie?

Wir haben der Stadt Solothurn geholfen und stellten Räume zur Verfügung. Es war für alle Beteiligten eine gute Erfahrung.

Eine letzte Frage: Hätten Sie den Bischofssitz gerne wieder in Basel?

Diese Frage regelt ein komplizierter Staatsvertrag. Da er nicht zur Diskussion steht, beschäftige ich mich nicht damit.

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