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Flirtlaune am Gurtenfestival: 2500 Personen auf Dating-App

Die Festivalgänger auf dem Gurten sind in Tanz-, Sing- und Feierstimmung und nicht zuletzt in Flirtlaune. Auf der neuen Dating-App "Güsche Date" haben sich bis Donnerstagabend schon mehr als 2500 Personen angemeldet.

"Ich habe beobachtet, dass es schon bei mehreren Pärchen bei ihrem Treffen gefunkt hat", sagte Cornelia Berger von Energie Wasser Bern (ewb) der Nachrichtenagentur sda. Sie hat die App, die exklusiv für das viertägige Gurtenfestival aufgeschaltet wurde, ins Leben gerufen.

Die App funktioniert gemäss dem Prinzip der Dating-App Tinder. Nachdem Nutzer ihr Profil erstellt haben, sehen sie potenzielle Flirt-Kandidaten und entschieden, ob sie sich für die Person interessieren oder nicht. Bei gegenseitigem Gefallen, dem sogenannten "Match", können die beiden ein Treffen vereinbaren.

Über eine Chat-Funktion verfügt die App nicht. Berger begründet dies folgendermassen: "Das Festival dauert nur vier Tage. Die Leute sollen nicht lange hin und her schreiben, sondern sich im Hier und Jetzt treffen."

76 Dates in vier Tagen verabredet

Gibt es einen "Match", kann einer der Personen eine Uhrzeit zum Treffen vorschlagen. Treffpunkt ist die ewb-Lounge oberhalb der Waldbühne. Es kann aber natürlich auch einmal sein, dass jemand nicht auftaucht.

Berger verriet, dass sich eine Person für ganze 76 Dates verabredet hat - eine Anzahl, die wohl kaum allein in vier Tagen zu bewältigen ist. Nach dem viertägigen Festival geht die App bis zum nächsten Jahr in den Schlafmodus.

Nebst dem Flirten wurde auch heftig getanzt und gesungen. Der Mittwoch startete Hip-Hop-lastig. Das Hip-Hop-Duo Macklemore & Ryan Lewis verstand, das Publikum zu animieren. Auf der Bühne lieferten sich ein Mann und eine Frau aus dem Publikum "das beste Tanzduell in der Geschichte meiner Tour", wie es Macklemore nannte. House of Pain sorgte mit gutem altem Old-School-Hip-Hop für gute Laune.

Am Donnerstagnachmittag hatte der Singer-Songwriter Faber schon ein ganzes Zelt gefüllt. Seine kontroversen Lieder berührten und regten zum Tanzen an. Halb Bewunderung und halb Fremdschämen erntete Faber für seine intensive Performance mit den verzerrten Grimassen.

Danach brachten die Berner Lo&Leduc mithilfe des Publikums den gesamten Berg zum Beben. Vor allem der eigens für den "Güsche" kreierte Freestyle-Rap von Lo mit den Wörtern Gurtenbähnli, Jeans for Jesus und Mauersegler begeisterte. Später ging es mit Imagine Dragons und The Bloody Beetroots rockig zu und her.

Unfreiwilliges Gruppenkuscheln

Zum ersten Mal war das Gurtenfestival dieses Jahr ausverkauft. Der Anblick von der Anhöhe des Gurtens runter auf die Hauptbühne und auf die gigantische Festivalmenge mit einem wunderschönen Wolkenpanorama im Hintergrund ist atemberaubend.

Ein ausverkauftes Festival mit 20'000 Besuchern am Tag hat aber auch seine Nachteile: Lange Schlangen vor der Gurtenbahn, Gerangel bei den Essensständen, unfreiwilliges Gruppenkuscheln während den Konzerten und zum Bersten gefüllte Partyzelte danach.

Am Schlimmsten ist, wenn einem aus Versehen eine Bier-Dusche verpasst wird. Denn bei so vielen Menschen ist es schwierig, den Sicherheitsabstand zu Betrunkenen zu wahren.

Ein Geheimtipp für solche, die nicht allzu lange fürs Essen anstehen wollen, ist das Lagerfeuer von der Branchenorganisation der Fleischverarbeiter Proviande. Dort kann dieses Jahr zum ersten Mal jede und jeder selber seine Wurst braten. Und wer weiss, vielleicht entsteht ums Feuer auch spontan ein nettes Gespräch - sogar ganz ohne Dating-App.

Freuen dürfen sich die Festivalgänger noch auf Züri West, Rapper Casper, Musikproduzent Fritz Kalkbrenner und die Hip-Hop-Musikgruppe Beginner. Das Gurtenfestival dauert dieses Jahr zum ersten Mal von Mittwoch bis Samstag statt wie bisher von Donnerstag bis Sonntag.