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Zweites Leben für das Handy

Jahrelang war es die grosse Liebe. Doch sobald man das neue Handy hat, vergammelt das alte Modell in einer Schublade. Für ausgediente Smartphones gibt es aber viele Verwendungszwecke.

Smartphones sind technische Wunderwerke. Auch wenn sie bereits die Kratzer mehrere Jahre auf dem Display haben, gibt es für sie viele bessere Verwendungszwecke, als einfach im Elektroschrott zu landen.

Erinnerungen löschen

Als Lebensbegleiter haben Smartphones viele Details über uns gespeichert. Bevor man sie also aus den Händen gibt, sollte man ihren Datenspeicher vollständig löschen. Dabei muss man allerdings sicher sein, dass sich wirklich alle später noch benötigten Bilder, Videos und Daten auf dem neuen Smartphone oder in einem Backup auf dem PC oder in der Cloud befinden.

Dann kann man das alte Handy einer gründlichen Gehirnwäsche unterziehen. Die nötigen Befehle findet man bei Android unter "Einstellungen, Sichern und Zurücksetzen, Zurücksetzen auf Werkseinstellungen" oder bei iOS unter "Einstellungen, Allgemein, Zurücksetzen, Alle Inhalte & Einstellungen löschen". Weil bei diesen Vorgängen die Daten nur als gelöscht markiert werden, füllen Vorsichtige danach nochmals den ganzen Datenspeicher mit einer langen Videoaufnahme, die man letztlich wieder löscht.

Hat das Handy eine zusätzliche MicroSD-Speicherkarte, muss man diese entfernen oder neu formatieren.

Geschenk mit Haken

Das Naheliegendste wäre nun, das alte Handy einfach zu verschenken. Je nach Modell und Alter von Handy und Empfänger erntet man damit aber beispielsweise bei Patenkindern nur säuerliche Dankbarkeit. Deren Traumhandy stammt meist aus der aktuellsten Modellreihe. Am meisten Freude macht das alte Handy noch bei den kleinsten Familienmitgliedern, welche das Teil als Mini-Spielkonsole nutzten aber meist innert kurzer Frist schrotten.

Auch als Mitbringsel in Schwellenländer sind Smartphones nur beschränkt geeignet. Zwar machen sie dort auf den ersten Blick mehr Freude, als das althergebrachte Schweizer Taschenmesser. Andererseits können Smartphones für Finanzschwache auch eine "Einstiegsdroge" sein. Das Handy ist zwar gratis, die Abokosten fressen dann aber in Zukunft einen Teil des kleinen Lohnes auf.

Bequemer und teils sogar lukrativer ist es, das alte Gerät im Smartphone-Shop seiner Wahl zurückzugeben. Provider und Shopbetreiber versprechen, dieses einem gewissenhaften Recycling zuzuführen. Wer kein Uralt-Modell bringt, erhält bestenfalls sogar noch eine kleine Gutschrift für den nächsten Handykauf.

Neu beleben

Am meisten Spass machte es, das alte Handy selber einem neuen Verwendungszweck zuzuführen. Nimmt man es in die Ferien mit und bestückt es mit einer lokalen SIM-Karte, kann die ganze Familie über diesen WLAN-Hotspot günstig und vom Hotel unabhängig das Internet nutzen. Mit dem Althandy-Hotspot lassen sich aber auch zu Hause von Garage bis Gartensitzplatz entlegene Räume oder gar Auto und Ferienwohnung internetfähig machen.

Selbst ohne SIM-Karte können Althandys noch viele clever Aufgaben übernehmen. Bespielt man es mit der kostenlosen App "Here WeGo" mit Kartenmaterial, wird es zum kostenlose Navi. Apps wie Teamviewer verwandeln das alte Handy in einen zweiten PC-Bildschirm in der Küche, der nicht nur Videos abspielt, sondern sogar den PC fernbedienen kann. Mit kostenlosen TV-Apps wird aus dem Elektroschrott ein Mini-Fernseher. Die App Digital Photo Frame Slideshow verwandelt stattdessen das Handy in einen Foto-Bilderrahmen.

Ganz nebenbei taugt jedes Handy auch als simpler MP3-Player. Installiert man auf dem alten Handy Apps wie Spotify, Plex oder BubbleUPnP und verbindet es über Kopfhörerbuchse oder Bluetooth mit der Stereoanlage, erhält man kostenlos eine komfortable Multi-Room-Lösung für den Musikgenuss.

Will man sein altes Telefon der Wissenschaft für kostenlose Forschung zur Verfügung stellen, installiert man die Boinc-App und wird Teil eines riesigen Rechnerverbundes. Wissensdurstige installieren FBReader und erhalten so einen eBook-Reader.

Sicherheitsbedürftige versehen das Alttelefon mit Apps wie IP Cam oder FRITZ!App Cam und erhalten so eine Überwachungskamera. Auf diese kann man sogar aus der Ferne zugreifen. Droid NAS verwandelt das Smartphone in einen Netzwerkserver, auf dem die ganze Familie Daten speichern und nutzen kann.

Wer wirklich experimentierfreudig ist, verpasst seinem bejahrten Smartphone ein komplett neues Betriebssystem. Investiert man ein Wochenende in die Installation von CyanogenMod oder LineageOS, lernt man viel über das Handy-Innenleben und kann es danach für Dutzende weitere Jobs wie WiFi-Repeater oder Netzwerkwächter (VPN) verwenden.