©J.Egli
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  • Jonas Egli
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Der Mittwochs-Cortège: Sie drehten noch einmal richtig auf

Die Wolken hingen zwar tief, sie hielten aber weitgehend dicht. Offensichtlich hat die montägliche Schelte an Petrus Wirkung gezeigt und hat den zweiten und letzten Cortège heute verschont. Der zweite Cortège-Tag musste sich in keiner Weise vor der Premiere verstecken. In vieler Hinsicht bot dieser Mittwoch die Chance, die Fasnacht noch einmal neu zu entdecken.

«Hey Waggis!», hörte man es heute oft über die Strasse rufen. Und dann gab es doch nur Karotten statt Süssigkeiten oder Mimösli. Alles, was in den Wagen noch zu finden war, pfefferten die Maskierten in hohem Bogen in die Menge, gar manche fanden sich unverhofft in einem Orangenregen wieder. Fasnacht, das Fest der heillosen Verschwendung von Lebensmitteln, der modischen Extravaganz; das Fest der sorgenfreien Ausgelassenheit. Nicht zuletzt war dies auch dem Wetter geschuldet, das Milde walten liess. Das eine oder andere Tröpfli fiel zwar auf die Wuschelköpfe der Waggis, aber nichts, was der Rede wert gewesen wäre.

Von Barfi über Bankverein bis über die Brücke ins Kleinbasel und zurück waren die Zuschauer zahlreich da, um sich gehörig mit Räppli eindecken zu lassen. Kein «Gestungg» aber auch keine Einsamkeit. Die Waggis von vorgestern mischten sich mit den Binggis von gestern und sorgten dafür, dass die Sache schön bunt blieb. Einfach nur perfekt. 

So wie hier am Bankverein war es eigentlich überall. Viel los, wenig Stress. Bild: barfi.ch

Die Wagen und Cliquen fuhren ihr Programm, die Orangen gingen ihnen auch bis zum Schluss nicht aus. Wie erstaunlich ist es doch, wenn es selbst nach zwei Tagen durchgehend unterwegs noch immer Neues zu entdecken gibt. Es war zwar der zweite Cortège, er fühlte sich aber an, als wärs der erste gewesen. Die schiere Grösse des Umzugs macht es unmöglich, alles an einem Tag zu entdecken und ohne den zweiten Tag fehlt schlicht etwas. Vielleicht verändert sich auch die Sicht auf den Trubel nach dem ersten, überwältigenden Eindruck und man gewinnt den Spürsinn für das Kleine und Feine. Ein Zug, den man vorher nicht entdeckt hatte, ein Lied, welches plötzlich neu klingt, dafür steht der Mittwoch. Nicht nur die Waggis haben nochmal ausgeholt, auch die Trommler, Pfeifer und sonstige kreative Einlagen fanden zu neuen Höhepunkten.

An bunten Vögeln mangelte es jedenfalls nicht. Bild: barfi.ch

Ein Wermutstropfen gibt es natürlich: Der zweite Cortège-Tag ist auch der letzte. Zu Ende ist die Fasnacht selbstverständlich aber nicht: Es gibt ja noch eine Nacht zum Gässle, zum Schwelgen und zum Feiern.

Nun gehts also zum Endspurt auf den «Ändstraich». Natürlich begleiten wir euch auch weiterhin auf dem Weg zum grossen Schlussknall. Bericht und Video vom Endstreich selbst gibt’s dann in aller Früh zum immer und immer wieder ansehen. Bis zum nächsten Jahr am Cortège!

Gemeinsam geht's besser. Das Gemeinschaftsgefühl war heute gross. Bild: barfi.ch

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