Joe Nyfeler und Yves Branchi
Joe Nyfeler und Yves Branchi
  • Romeo Brodmann
  • Aktualisiert am

Eine Basler Erfindung: das Erste Festival für handwerklich hergestellte Spirituosen

Der Boom der Micro- und Badewannen-Brauereien gibt langsam ab. Aber nicht etwa im negativen Sinn, sondern aus dem einfachen Grund, dass viele dieser in Hinterhöfen, Garagen und Badezimmern handwerklich entstandenen Gebräue wortwörtlich über den Badewannenrand hinausschäumen und marktreif werden. Wir stehen mitten auf der Schwelle, auf der handwerkliches Bierbrauen vom Modetrend zum kommerziell Lukrativen übergeht.

Zeitlich verzögert passiert dasselbe mit den Spirituosen. Im Grunde genommen ging die Revision des Alkoholgesetzes von 1997 voraus. Bis dahin war es verboten, aus Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Mais und Getreide Spirituosen herzustellen. 1999 strich dann die Schweiz auch noch das Absinth-Verbot aus dem Jahr 1910 aus dem Gesetz.

Es gibt einige grosse Vorläufer, die den Trend längst erkannt haben oder die auch einfach euphorisch eingestiegen sind. Sie brannten und lagerten zum Beispiel Whisky. Das waren auch Bierbrauereien. Aus Bier Whisky herzustellen ist einfach – es muss nur noch das Bier gebrannt werden. Die Brauerei Locher beispielsweise stieg mit der Marke Appenzeller Single Malt - Säntis Malz – Swiss Alpine Whisky sehr schnell in das Geschäft ein und macht heute hervorragende Brände. Aber auch Käsers-Schloss mitten im aargauischen Fricktal war von Anfang an dabei.

Jetzt griffen zwei junge Wilde in Basel - Yves Branchi  und Joe Nyfeler - das Thema von handwerklich hergestellten Spirituosen auf und organisierten unter dem Label «Craft Distillers» das erste «Swiss Craft Spirits Festival». Dabei geht es weniger ums Trinken an und für sich, sondern um die Feinheiten der Sinne in Nase und Gaumen.

Der in Basel wohnhafte Joe Nyfeler, Betriebsökonom bei einer Privatbank, und der in Basel lebende Tessiner Ives Branchi, ebenfalls Betriebsökonom, haben den Trend kommen sehen: Handwerklich gefertigte Produkte liegen im Trend und sie wollten den kleinen Herstellern eine Bühne bieten, sich fernab der Verkaufsregale im Detailhandel dem Publikum zu präsentieren.

Neben den klassischen Obstbränden sind am Swiss Craft Spirits Festival viele Gin- und Whisky-Sorten, aber auch Vodka und Absinth zu entdecken. Zwei scheinen auf den ersten Blick – zumindest aus Sicht des Autors – besonders interessant zu sein. Erstens: Der einzige Bourbon ausserhalb der USA von Macardo aus Mais, Roggen und gemälzter (mälzen macht aus Getreide das Malz) Gerste. Zweitens: Der Schweizer Berggeist etwas abseits des Gin-Hypes – ein Aprikosendestillat in welchem Lärchenspitzen und Apenkräuter mazeriert (eingeweicht), nachgebrannt und in Glasballons gelagert werden.

Na dann. Prost!