In Schweizer Gewässern gefangene Egli - hier solche aus dem Bielersee - decken die Inlandnachfrage bei weitem nicht ab. Entsprechend attraktiv ist die Zucht, die aber bei dieser Fischart schwierig ist. (Archiv)
In Schweizer Gewässern gefangene Egli - hier solche aus dem Bielersee - decken die Inlandnachfrage bei weitem nicht ab. Entsprechend attraktiv ist die Zucht, die aber bei dieser Fischart schwierig ist. (Archiv)
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Migros plant grosse Egli-Mastanlage in Birsfelden BL

In Birsfelden BL bei Basel könnten bald mehr Egli "an Land" leben als im Rhein: Die Migros-Tochter Micarna plant eine Hallen-Mastanlage für Egli im Hafengebiet. Klappt alles, werden erste Filets 2019 ausgeliefert.

In einem Industriebau, einen Steinwurf vom Birsfelder Rheinufer entfernt, will die Migros-Tochter Micarna auf rund 1800 Quadratmetern Nutzfläche 1000 Kubikmeter Beckenvolumen einrichten. Dort will sie Egli innert fünf Monaten zum 200-Gramm-Schlachtmass mästen.

Das Knowhow dafür hatte die Migros in Irland eingekauft und damit Ende 2015 eine Versuchszuchtanlage unweit von Dresden eingerichtet. Jene funktioniert heute "recht gut", wie ein Micarna-Sprecher zur Nachrichtenagentur sda sagt. So sollen Elterntiere, Laich-Handling und Brut dort bleiben. Nach Birsfelden transportiert werden Egli künftig als gut 60 Gramm schwere Fingerlinge.

Laichen Fische in der Natur nur einmal im Jahr, so macht eine Staffelung übers ganze Jahr, damit durchgehend Ware lieferbar ist, Becken-Zucht lukrativer. Micarna plant vier versetzte Laichzyklen pro Jahr.

Gemischtes Futter

Einfach ist das Unterfangen nicht, da diese Barsche Stress schlecht ertragen. Stimmen müssen zudem Individuendichte und Futterangebot, damit sie sich nicht gegenseitig angreifen oder gar fressen. Die genaue Zusammensetzung des rein natürlichen Futters ist gemäss dem Sprecher Betriebsgeheimnis; Medikamente seien jedenfalls keine drin.

Ökologisch sei das komplett geschlossene Beckensystem top, und auch Zuchttiere könnten keine in die freie Wildbahn entweichen. Da Egli heikel zu züchten sind, betrachte Micarna die Birsfelder 6-Millionen-Franken-Anlage noch als "Pionierprojekt".

Nachfrage ist da: Egli ist in der Schweiz mit etwa 2500 Tonnen Gesamtkonsum im Jahr beliebt. Berufsfischer holen jedoch nur 225 Tonnen (2015) aus Schweizer Gewässern, Freizeitfischende gemäss Bundesstatistik gut 110 Tonnen. So werden derzeit die meisten Egli importiert aus dem Baltikum und Russland.

85 Tonnen Birsfelder Egli

Erfolg als kommerzielle Egli-Produzenten haben in der Schweiz primär erst zwei Firmen, die beide von konstant 18 Grad warmem Lötschbergtunnel-Wasser profitieren: eine in Raron VS (Valperca AG, beliefert auch Migros) und eine in Frutigen BE (Tropenhaus, gehört inzwischen Coop).

Die in Raron gemästeten Brütlinge stammen aus einer Zucht in Chavornay VD. Das Tropenhaus importiert derweil Fingerlinge aus Dänemark, Frankreich und Deutschland.

Valperca beziffert seine Jahresproduktion auf der Fimenhomepage auf rund 80 Tonnen Eglifilets im Jahr, und im Tropenhaus werden es laut einer Sprecherin heuer rund 36 Tonnen. Micarna will in Birsfelden künftig 85 Tonnen Eglifilets pro Jahr produzieren.

Die Micarna-Gruppe gehört der Migros und weist für 2016 mit 2902 Angestellten einen Umsatz von 1,53 Milliarden Franken aus.