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Drug Checking: Gesundheit vor Legalität

Wenn Du schon Drogen nimmst, dann sei Dir wenigstens bewusst, was Du konsumierst: Nach diesem Prinzip funktioniert das anonyme Drug Checking, das in mehreren Schweizer Städten angeboten wird, so auch an der Streetparade vom kommenden Wochenende.

In Zürich wird das Drug Checking von der Jugendberatung "Streetwork" betrieben, die dem städtischen Sozialdepartement angegliedert ist. Die Beratungsstelle wurde zu Zeiten der offenen Zürcher Drogenszene rund um den Platzspitz gegründet. Ziel war, den Absturz junger Menschen in die Sucht zu verhindern.

Nachdem die Stadt Zürich die Drogenszene weitgehend wieder unter Kontrolle gebracht hatte, erwuchs für "Streetwork" Mitte der 1990er-Jahre eine neue Herausforderung: Die Technoszene. Diese war für Aussenstehende eine Blackbox, und schnell wurde klar, dass dort auch exzessiv Drogen konsumiert wurden.

Um die Jahrtausendwende wurde deshalb das mobile Drug Checking an Partys und Anlässen wie der Streetparade ins Leben gerufen. Der Konsum von illegalen Drogen musste nicht mehr versteckt werden, sondern wurde als gegeben akzeptiert. Wer eine Party-Pille schlucken wollte, konnte deren Zusammensetzung vor Ort von den Chemikern und Chemikerinnen und ihrem mobilen Labor testen lassen. In Zürich wurde das Angebot 2001 eingeführt. Es existiert auch in Basel, Bern und Genf.

2006 wurde in Zürich zudem ein stationäres Drogeninformationszentrum (DIZ) gegründet. Zweimal wöchentlich können dort nach einem obligatorischen Beratungsgespräch Proben von illegalen Drogen abgegeben werden. Die Proben werden anschliessend in einem externen Labor untersucht, die Konsumenten erfahren das Ergebnis ein paar Tage später.

Das Angebot wird intensiv in Anspruch genommen. Im Jahr 2016 wurden bei den mobilen Drug Checkings und am DIZ insgesamt 2078 Substanzen getestet. Parallel dazu betreibt "Streetwork" die Internetseite saferparty.ch, die umfassend über Wirkung und Risiken von illegalen Substanzen informiert und vor Verunreinigungen und hohen Dosierungen warnt.