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Ein flexibler Herzrhythmus zeigt gute Selbstkontrolle

Schokoriegel oder Apfel? Wer Versuchungen gut widerstehen kann, lebt meist gesünder. Forschende der Uni Zürich haben einen neuen Weg gefunden, diese Fähigkeit zur Selbstkontrolle vorherzusagen: über den Herzrhythmus.

Unser Herz schlägt nicht wie ein Metronom perfekt im Takt: Im Ruhezustand schwanken die Abstände zwischen zwei Schlägen um einige Millisekunden. Silvia Maier und Todd Hare von der Universität Zürich zeigen nun mit einer Studie, dass diese Schwankungen sich eignen könnten, um die Selbstkontrolle einer Person bei Entscheidungen übers Essen vorherzusagen.

Maier und Hare liessen 49 männliche Probanden einen Test absolvieren, bei dem sie wiederholt zwischen je zwei Lebensmitteln wählen sollten: einem ungesunden, schmackhaften und einem gesunden, weniger schmackhaften. Zuvor hatten die Testpersonen alle Lebensmittel bezüglich Geschmack und Gesundheit bewertet - ihnen wurden also individuell abgestimmte Lebensmittelpaare gezeigt.

Je unregelmässiger, desto standhafter

Ausserdem massen die Forschenden, wie stark der Herzschlag der Probanden über mehrere Minuten hinweg schwankte. Beim Vergleich dieser Testergebnisse stellte sich heraus: Je variabler die Herzfrequenz, desto besser konnten die Probanden der Versuchung ungesunder Leckerbissen widerstehen, schrieben die Forschenden im Fachblatt "The Journal of Neuroscience".

"Die Personen mit variablerem Herzrhythmus lassen sich vom guten Geschmack der ungesünderen Option weniger beeindrucken", erklärte Maier im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Das habe sich auch in der Hirnaktivität dieser Probanden widergespiegelt: "Das Gehirn dieser Probanden repräsentierte den Geschmacksvorteil des ungesunden Nahrungsmittels weniger stark als als bei den Personen, die einen weniger flexiblen Herzschlag hatten."

Ein "Biomarker" für Selbstkontrolle?

Diese Schwankungen in der Herzfrequenz könnten somit als "Biomarker" für die Fähigkeit zur Selbstkontrolle dienen - zumindest bezüglich Entscheidungen übers Essen. "Für uns als Forscher wäre so ein Biomarker natürlich sehr interessant, zum Beispiel um zu messen, ob eine Massnahme zur Steigerung der Selbstkontrolle funktioniert", so Maier. Als Beispiel nennt sie Interventionen im Gesundheitsbereich.

Aber: "Es ist eine erste Beobachtung, die noch nicht bereit ist für den Einsatz im Alltag", gibt die Forscherin zu bedenken. Die Analyse der Herzfrequenzvariabilität sei zudem nicht trivial: "Es geht nicht um den Puls an sich, sondern wie stark der Herzschlag im Ruhezustand über die Zeit schwankt." Der Selbstversuch mit der Pulsuhr daheim ist somit kaum möglich.

In der Medizin werden solche Messungen aber bereits eingesetzt: Ein zu gleichförmiger Herzrhythmus gilt als Zeichen, dass ein Problem vorliegt. Bei Anstrengung wird die Herzfrequenz nämlich gleichförmiger. Bleibt sie auch bei Ruhe regelmässig, zeigt das, dass das Herz eben doch nicht vollständig zur Ruhe kommt. Ein variabler Herzrhythmus ist somit ein Zeichen für Fitness und gute Gesundheit.