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Erste Cochlea-Implantation mit OP-Roboter geglückt

Forschende des Inselspitals und der Universität Bern haben einen extrem präzisen Assistenzroboter für Operationen am Innenohr entwickelt. Damit gelang erstmals weltweit eine roboterassistierte Cochlea-Implantation.

Ein Cochlea-Implantat einzusetzen ist eine knifflige Sache. Der Kanal, den Chirurgen für die Hörprothese durch den Schädelknochen bis zur Hörschnecke schaffen müssen, führt zwischen Gesichts- und Geschmacksnerv hindurch. Unterstützung bei dieser Hochpräzisions-OP bietet nun ein neues Robotersystem, das Mediziner und Ingenieurinnen des Inselspitals und der Uni Bern entwickelt haben.

Eine solche Hörprothese kann gehörlosen Patienten wieder Hörempfinden zurückgeben - dank eines Systems mit in die Hörschnecke (Cochlea) implantierten Elektroden. Dafür braucht es einen Tunnel, der von hinter der Ohrmuschel bis zum Innenohr reicht.

Das Team um Stefan Weber von der Uni Bern und Marco Caversaccio vom Inselspital stellt dafür nun einen spezialisierten Operationsroboter im Fachblatt "Science Robotics" vor. Zudem berichten sie von der ersten erfolgreichen roboterassistierten Cochlea-Implantation überhaupt.

Roboter bohrt vorgezeichneten Kanal

Zunächst plant die Chirurgin den Verlauf des Kanals anhand von Computertomografiebildern, wie Inselspital und Hochschule in einer gemeinsamen Mitteilung vom Mittwoch schreiben. Am Eingang hinter der Ohrmuschel beträgt der Durchmesser 2,5 Millimeter, in der Cochlea nur noch 1,8. Der Roboter bohrt anschliessend den so vorgezeichneten Kanal.

Das System muss dabei bis auf wenige Zehntelmillimeter genau arbeiten. Weil der Arzt dabei keine direkte visuelle Kontrolle hat, hat das System mehrere Sicherheitsmechanismen eingebaut: Ein Kamerasystem überwacht hochpräzise die Position des Patienten und des Bohrers. Ausserdem werden die Bohrkräfte erfasst und mit der erwarteten Knochenstärke verglichen, sowie schwache elektrische Rückkopplungen im Knochen gemessen.

"Nur aus allen Informationen zusammen können wir ableiten, ob der Roboter auf dem vorgeplanten Weg ist", liess sich Stefan Weber in der Mitteilung zitieren.

Erfolgreicher Schritt in den OP-Saal

Der Roboter und die damit erfolgreich durchgeführte Operation seien ein erfolgreiches Beispiel der Translation von Forschungsarbeit, betonte Caversaccio. Es sei das Ergebnis einer Dekade der interdisziplinären Forschung und Zusammenarbeit.

Ein Cochlea-Implantat besteht aus externen und im Innenohr angebrachten Elementen: Ein hinter der Ohrmuschel angebrachtes Mikrofon und digitaler Sprachprozessor erzeugen Signale, die an einen Stimulator im Innenohr übertragen werden: In die Hörschnecke implantierte Elektroden stimulieren diese und erzeugen so das Hörempfinden. Voraussetzung dabei ist, dass der Hörnerv intakt ist.