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Frauen zahlen bis zu 80 Prozent höhere Prämien für die Versicherung «Spital allgemein ganze Schweiz»

Bei der am weitesten verbreiteten Spitalzusatzversicherung «Spital allgemein ganze Schweiz» herrscht grosse Intransparenz. Nebst enormen Preisunterschieden variieren auch die Leistungen zwischen den Anbietern stark. Frauen zahlen zudem beim selben Versicherer bis zu 80 Prozent höhere Prämien als Männer. Das zeigt eine Analyse von comparis.ch.

 

Mit rund 2,7 Millionen Versicherten ist «Spital allgemein ganze Schweiz» hierzulande die beliebteste Spitalzusatzversicherung. Sie deckt die Kosten für eine ausserkantonale stationäre Behandlung in einem Listenspital bei Wahleingriffen und bei nicht notfallmässigen Behandlungen. «Spital allgemein ganze Schweiz» ist zwar die günstigste aller Spital-Zusatzversicherungen. Dennoch zahlen viele Versicherte zu viel. Der Grund: Es herrscht grosse Intransparenz. Preise und Leistungsumfang variieren stark. Nur mehr die wenigsten Versicherer bieten das klassische Produkt. Viel häufiger wird die Spitaldeckung mit weiteren Angeboten als Paketlösung oder sogar als Mini-Flex-Versicherung verkauft. Bei den einzelnen Versicherern variieren die Preise zwischen gleichaltrigen Männern und Frauen zudem um bis zu 80 Prozent. Das zeigt eine Analyse des Online-Vergleichsportals comparis.ch bei den Online-Prämienrechnern der 13 grössten Krankenkassen der Schweiz mit Prämien in den Städten Zürich, Bern, Basel, Genf und Bellinzona.

Für junge Frauen viel teurer als für junge Männer

Frauen sollten besonders aufmerksam sein: Verschiedene Versicherer verrechnen bei der Krankenzusatzversicherung «Spital allgemein ganze Schweiz» für Frauen und Männer unterschiedliche Tarife. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Mutterschaft je nach Versicherer nicht ausgeschlossen werden kann. Am grössten sind die Preisunterschiede zwischen den beiden Geschlechtern bei den Dreissigjährigen. Im Durchschnitt zahlen junge Frauen rund 25 Prozent mehr als Männer. Bei der EGK mit einer Monatsprämie von 51.30 Franken zahlen dreissigjährige Frauen sogar 80 Prozent mehr als gleichaltrige Männer. Bei der Groupe Mutuel kostet die Police für Frauen mit Jahrgang 1988 mit 3.40 Franken pro Monat 62 Prozent mehr als für dreissigjährige Männer. Bei Visana (38 Prozent mehr), CSS (26 Prozent mehr), Sanagate (25 Prozent mehr) gibt es ebenfalls eklatante Preisunterschiede für junge Frauen z.B. in Zürich. Bei diesen Versicherungen lohnt es sich speziell, das Leistungsspektrum insbesondere im Hinblick auf Mutterschafts-Services / Kinderbetreuung hin zu prüfen.

Mit zunehmendem Alter verringern sich die Preisunterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei den fünfzigjährigen Frauen sind die Prämien im Durchschnitt in allen betrachteten Prämienregionen nur noch 12 Prozent teurer. Im Alter von 60 Jahren machen alle untersuchten Versicherer keine Prämienunterschiede mehr zwischen den Geschlechtern. Verschiedene Versicherer wie Helsana, Atupri, Concordia, ÖKK, KPT, Sanitas oder Swica behandeln beide Geschlechter über alle Altersstufen hinweg gleich.

Nur noch zwei klassische Angebote

Doch auch ungeachtet des Geschlechts sollten Versicherte die Angebote genau miteinander vergleichen. Zwar haben alle untersuchten Versicherer auf ihrer Website ein Angebot für einen ausserkantonalen Spitalaufenthalt in der allgemeinen Abteilung ohne Zusatzkosten. Doch was sich dahinter verbirgt, ist höchst unterschiedlich. Nur Atupri (Produkt «Spital Allgemein») und Groupe Mutuel (Produkt: «Stufe 1») bieten noch das reine Produkt «Spital allgemein ganze Schweiz» mit einer Deckung der Zusatzkosten für ausserkantonale Spitalaufenthalte und einer teilweisen Kostenübernahme von Behandlungen im Ausland. Beide kosten für eine dreissigjährige Frau aus Zürich 40.80 Franken pro Jahr bzw. 3.40 Franken monatlich.

Paketlösungen als Antwort auf die Frage der Unnötigkeit

Eine solche reine Zusatzversicherung «Spital allgemein ganze Schweiz» ist mitunter je nach Wohnsitz gar nicht nötig. Denn seit der Einführung des Fallpauschalensystems 2012 gilt die freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz. Ist die ausserkantonale Behandlung teurer als die gleiche Behandlung im Wohnkanton, müssen Personen ohne Zusatzversicherung «Spital allgemein ganze Schweiz» die Zusatzkosten selber bezahlen. Zentral ist deshalb hauptsächlich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer freiwilligen ausserkantonalen Behandlung in einem teuren Universitätsspital. «Wer in einem Kanton mit einem hohen Referenzpreis wohnt bzw. ein Universitätsspital im eigenen Kanton hat, braucht kaum eine Zusatzversicherung, die eine allfällige Preisdifferenz deckt», sagt Comparis-Krankenkassenexperte, Felix Schneuwly.

11 der 13 von Comparis verglichenen Krankenkassen umgehen diese Frage: Sie kombinieren diese Spitaldeckung mit weiteren Angeboten und verkaufen sie als umfassendes Paket. Dabei reicht der Leistungsumfang von im Zusammenhang mit dem Spitalaufenthalt stehenden Dienstleistungen wie Haushaltshilfe, Pflege, Kinderbetreuung, Reha und Kur über Rettungs- / Transportkosten und Geburtshaus bis hin zu ambulanten Services wie Psychotherapie oder Alternativmedizin oder Zusatzservices wie etwa für Mutterschaft und bei Unfall. Die monatlichen Kosten variieren dabei für eine dreissigjährige Frau mit Wohnsitz Zürich von 2.50 Franken bei KPT (Spitalkosten Allgemein) bis zu 51.30 Franken beim umfassenden Paket inklusive alternativer Heilmethoden von EGK (EGK Sun 3). Das macht aufs Jahr gesehen einen Unterschied von 586 Franken.

Die Versicherer CSS, Sanagate und Sanitas haben als Angebot für eine ausserkantonale Spital-Allgemein-Deckung ausschliesslich Mini-Flex-Pakete. Bei diesen können die Versicherten auf Wunsch zudem in jeweils zwei Varianten mit einer prozentualen Kostenbeteiligung in die halbprivate oder private Abteilung des Spitals wechseln. Mit monatlich 12 Franken (Sanagate, Spitalversicherung Minima) bzw. 13.70 Franken (CSS, MyFlex Economy) und 8.70 Franken (Sanitas Hospital Standard Liberty) für eine dreissigjährige Frau aus Zürich befinden sich die Versicherer auf der teuren Seite. Angesichts dieser Vielfalt lohnt sich ein sorgfältiger Vergleich – nicht nur der Preise, sondern auch der Angebotsinhalte – vor Abschluss einer entsprechenden Police.

Alte zahlen die höchsten Prämien

Für beide Geschlechter ziehen bei allen grossen Versicherern die Prämien für Neukunden mit zunehmendem Alter an. Einzige Ausnahme bildet die EGK. Hier sind die Prämien für dreissigjährige Frauen am höchsten. Allerdings offeriert EGK – ebenso wie die ÖKK – für Personen ab 60 kein Onlineangebot mehr. Bei den Versicherern, die für Sechzigjährige und ältere Neukunden ein Angebot haben, sticht Atupri hervor. Der Versicherer macht keine Prämienunterschiede für die Geschlechter, vergibt dafür einen massiven Altersaufschlag. Hier zahlen Sechzigjährige bei einem Neuabschluss über das Dreifache der Prämie für Dreissigjährige (in Zürich: monatliche Prämien von 10.90 gegenüber 3.40 Franken, in Bern: 10.40 gegenüber 3.20 Franken). Ähnlich verhält es sich bei Swica (in Zürich und Bern: 13.50 gegenüber 4.50 Franken) und bei KPT (in Zürich: 6.30 gegenüber 2.50, in Bern 9.70 gegenüber 3.90 Franken).

Aufpassen müssen Männer bei der Groupe Mutuel. Dreissigjährige zahlen mit 2.10 Franken monatlich in allen untersuchten Regionen die im Angebotsvergleich tiefste Prämie. Doch bei einem Neuabschluss zahlen Sechzigjährige das Dreieinhalbfache (nämlich 7.30 Franken).

Genf ist die teuerste der grossen Schweizer Städte – Bern die günstigste

Über alle Altersklassen und Angebotslösungen hinweg betrachtet, zahlen Versicherte mit Wohnsitz Genf bei den von comparis.ch untersuchten Städten am meisten. Die billigste der grossen Schweizer Städte ist Bern.