(Bild: Keystone/epa/Martin Gerten)
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Neues Einsatzgebiet von Aspirin bei schweren Blutvergiftungen

Eigentlich ist das Bakterium Staphylococcus aureus für den Menschen harmlos. Doch wenn sich diese Art Staphylokokken im Körper ausbreitet, kann es zu lebensbedrohlichen Erkrankungen kommen. Ist eine schwere Blutvergiftung die Folge, stirbt daran jeder fünfte Patient. Eine Studie am Universitätsspital Basel zeigt nun auf, dass der Einsatz des Medikaments Aspirin die Mortalitätsrate deutlich senken könnte. 

Das Bakterium Staphylococcus aureus (S. aureus) ist sehr widerstandsfähig und nicht selten gegen viele Antibiotika resistent. Solange diese Art Staphylokokken in begrenztem Ausmass auf der Haut oder im Nasenrachenraum auftreten, sind sie für den Menschen kein Problem. Wenn sie aber durch eine Schwachstelle in den Körper eindringen können, kann es zu einer gefährlichen Ausbreitung des Bakteriums kommen. Hautinfektionen oder Abszesse sowie in ungünstigen Fällen lebensgefährliche Erkrankungen wie Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen können die Folge sein. 

Schwere Blutvergiftungen, die durch S. aureus ausgelöst werden, sind trotz gezielter antibiotischer und chirurgischer Therapie immer lebensbedrohlich. Obwohl die Intensivmedizin beachtliche Fortschritte gemacht hat, verlaufen solche Blutvergiftungen bei rund 20 Prozent der Patientinnen und Patienten nach wie vor tödlich. Dutzende von Interventionsmassnahmen konnten bisher die Mortalität bei einer durch S. aureus ausgelösten Blutvergiftung nicht signifikant senken. Nun aber weist eine Studie, die am Universitätsspital Basel (USB) durchgeführt wurde, den Weg zu einer neuen Behandlungsmethode: Das Medikament Aspirin kann möglicherweise Leben retten. 

Signifikant tiefere Sterblichkeit 

Welchen Einfluss hat eine niedrig-dosierte Therapie mit Acetylsalicylsäure (Wirkstoff von Aspirin) auf die Sterblichkeit von Patientinnen und Patienten mit einer Staphylokokken-Blutvergiftung? Diese Frage hat die am USB entstandene Kohortenstudie zum ersten Mal untersucht – und das Studienergebnis ist eindeutig: Bei Patientinnen und Patienten mit Aspirin-Therapie wurde eine signifikant tiefere Sterblichkeit beobachtet. In Zahlen: Bei der Aspiringruppe lag die Sterblichkeit nach 30 Tagen bei 12,1 Prozent, bei der Vergleichsgruppe ohne Aspirin-Therapie bei 27,4 Prozent. Damit wies die Aspiringruppe eine 56 Prozent tiefere Sterblichkeitsrate auf. 

Studienleiter Dr. Michael Osthoff, Oberarzt Infektiologie und Spitalhygiene des USB, interpretiert das Resultat so: «Die Studie rückt einen bis anhin nicht ausreichend untersuchten therapeutischen Ansatz für S. aureus-Blutvergiftungen in den Fokus, welcher die Therapie dieser schweren Infektion verbessern könnte.» Ob Patientinnen und Patienten mit einer solchen Blutvergiftung effektiv von einer Aspirin-Therapie profitieren würden, muss nun in einer klinischen Interventionsstudie untersucht werden. Daher ist es sicher noch zu früh, diese Therapie routinemässig zu empfehlen. 

Die Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift «Critical Care Medicine» veröffentlicht und von der «New York Times» zitiert wurde, untersuchte 838 Fälle von S. aureus-Blutvergiftungen in der Zeitspanne von 2001 bis 2013. Davon wurden 157 Patientinnen und Patienten ausgewählt, die eine niedrig-dosierte Aspirin-Therapie erhalten hatten, und mit 157 Fällen verglichen, die bezüglich Alter, Infektionsschwere und anderen Kriterien vergleichbar waren, aber Aspirin nicht Bestandteil der Therapie war.