Von links nach rechts: Corinne Urech, Psychologin USB, Viviane Hess, Onkologin USB, Astrid Grossert, Psychologin USB. Bild © Universitätsspital Basel
Von links nach rechts: Corinne Urech, Psychologin USB, Viviane Hess, Onkologin USB, Astrid Grossert, Psychologin USB. Bild © Universitätsspital Basel
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Online-Programm des Basler Universitätsspitals verbessert die Lebensqualität von Krebspatienten

Die Diagnose Krebs löst bei den meisten Patientinnen und Patienten erheblichen negativen Stress aus. Stress beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern beeinflusst auch den Verlauf einer Krebserkrankung und deren Behandlung. Deshalb wäre psychologischer Support wichtig. Eine Studie des Universitätsspitals Basel zeigt, wie ein Online-Programm Stress massgeblich reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann.

Die psychoonkologische Betreuung von Krebspatientinnen und -patienten findet in der Regel von Angesicht zu Angesicht statt. Allerdings können längst nicht alle Krebskranken von psychoonkologischen Angeboten profitieren, sei es aus Mangel an Ressourcen bei sich selbst oder auch bei den Betreuenden. Deshalb stellt sich die Frage, ob webbasierte Beratungs- und Betreuungsangebote nicht eine sinnvolle, niederschwellige Ergänzung sein könnten. Jedenfalls hat sich diese Alternative bei einigen psychischen Problemen durchaus als effektive sowie zeit- und kosteneffiziente Behandlungsmöglichkeit erwiesen.

Zum ersten Mal wurde nun bei Krebskranken im deutschsprachigen Raum untersucht, welche Wirkung die Nutzung eines webbasierten Beratungs- und Betreuungsangebots auf die Lebensqualität der Betroffenen hat. Die Studie wollte herausfinden, ob das speziell für Menschen mit Krebsleiden entwickelte Online-Programm STREAM (STREss Aktiv Mindern) wirksam sowie einfach anwendbar ist. Die Hauptergebnisse wurden soeben am Meeting der American Society of Clinical Oncology in Chicago präsentiert, und sie zeigen, dass nach Abschluss des STREAM-Programms die Lebensqualität signifikant verbessert und der erlebte Stress deutlich reduziert werden konnte.

Online-Betreuung wird immer wichtiger

Die randomisiert-kontrollierte Studie des Universitätsspitals Basel entstand unter der Leitung von Dr. Corinne Urech von der Frauenklinik und Prof. Viviane Hess von der Onkologie, in Zusammenarbeit mit den Universitäten Basel und Bern sowie unterstützt von der Krebsforschung Schweiz und vom Schweizerischen Nationalfonds. Total nahmen 129 Patientinnen und Patienten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich an der Studie teil. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen nutzten das STREAM-Programm kurz nach Beginn ihrer Krebstherapie während acht Wochen. Die anderen erhielten erst nach acht Wochen Wartefrist Zugang zum Programm. Somit konnten die beiden Gruppen miteinander verglichen werden.

Das STREAM-Programm vermittelt Informationen und Übungen, in denen Strategien im Umgang mit einer Krebserkrankung aufgezeigt werden. Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten erhielten einen anonymen Zugangsschlüssel und konnten die Inhalte individuell bearbeiten. Wer an der Studie teilnahm, wurde mindestens einmal pro Woche von Psychologinnen des Studienteams per E- Mail kontaktiert. Zudem bestand jederzeit die Möglichkeit, direkt mit den Psychologinnen in Kontakt zu treten. Zu Beginn der Studie, nach Beendigung des achtwöchigen Programms sowie vier Monate nach dem Start wurden jeweils Fragebogen verschickt, um Daten zur psychischen Belastung, zur Lebensqualität, zum medizinischen Zustand sowie zur Anwendung des Programms zu erheben. Die positiven Studienresultate ermutigen die Forschungsgruppe, das STREAM-Programm für eine breitere Population und in mehreren Sprachen zugänglich zu machen. Denn ihrer Meinung nach werden Online-Betreuungen in Zukunft immer wichtiger werden.