Symbolbild Spital / Keystone
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Wie Sie bei Spitalaufenthalten 60'000 Franken und mehr sparen können

Sogenannte Flex-Produkte ermöglichen gegenüber einer klassischen Halbprivat- oder Privatspitalzusatzversicherung massive Einsparungen. Die höhere Kostenbeteiligung bei einem Spitalaufenthalt können Versicherte mit Prämieneinsparungen bereits in knapp zwei Jahren amortisieren. Über 30 Jahre ergibt sich eine Prämiendifferenz von teils über 60'000 Franken.

     

Für die Kostenübernahme der Behandlung in der Halbprivat- oder Privatabteilung in einem Schweizer Spital braucht es eine Zusatzversicherung. Bei so genannten Flex-Produkten wählen die Versicherten erst vor einem Spitaleintritt fallweise die Abteilung aus. Bei einem Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung fallen keine zusätzlichen Kosten an. Für eine Behandlung in der Halbprivat- oder Privatabteilung müssen die Versicherten einen bestimmten Prozentsatz der Zusatzkosten bis zu einem jährlichen Maximalbetrag selbst mitfinanzieren.

Eine Analyse des Online-Vergleichsportals comparis.ch bei den 13 grössten Krankenversicherern zeigt nun: In vielen Fällen lohnt sich ein Flex-Produkt trotz höherer Kostenbeteiligung bei einem Upgrade von der allgemeinen in die halbprivate oder private Abteilung. Jährlich sind dank tieferer Prämien Einsparungen von bis über 1’500 Franken möglich. Die Mehrkosten für einen Spitalaufenthalt sind somit je nach Versicherer bereits in rund 2 Jahren amortisiert – selbst, wenn die Police-Nehmer die Privatabteilung wählen.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für einen krankheitsbedingten Spitalaufenthalt. Deshalb hat comparis.ch auch die Entwicklung der Kostensituation untersucht, wenn gesunde Dreissigjährige 30 Jahre lang Prämien für eine Spitalzusatzversicherung zahlen. Hier zeigt sich für diese Zeitspanne ein Sparpotenzial von teils über 60'000 Franken für Flex-Produkte.

Frauen sparen mit Flex-Lösung über 60'000 Franken

Besonders für dreissigjährige Frauen zahlen sich Flex-Produkte aus. Denn bei diversen Versicherern können Leistungen bei Mutterschaft – zumindest bei den Online-Angeboten – nicht ausgeschlossen werden und schlagen bei konventionellen Zusatzversicherungsprodukten besonders stark auf die Prämie.

Speziell im Vergleich zur Privatversicherung lohnen sich für Frauen Flex-Produkte. Für ein Upgrade in die Privatabteilung müssen Versicherte mit einem Flex-Produkt zwar tief in die Tasche greifen. Hier zahlt man für die Behandlung durch den Chefarzt und die Unterbringung im Einzelzimmer zwischen 35 und 70 Prozent der Zusatzkosten bzw. maximal zwischen 4’000 und 20'000 Franken pro Kalenderjahr selber. Trotzdem sind diese Zusatzkosten über Prämienrabatte mit einem Flex-Produkt innert weniger Jahre amortisiert und das Sparpotenzial über die Jahre erklecklich. 

Bei einer 1988 geborenen Zürcherin beträgt die Prämiendifferenz bei Visana 134.30 Franken monatlich (62.60 CHF für «Spital Flex Plus» vs. 196.90 CHF für «Spital privat Europa»). Die Upgradekosten für den Wechsel in die Privatabteilung von 35 Prozent bzw. 4’000 Franken pro Kalenderjahr sind somit in 2,5 Jahren eingefahren. Das ist die schnellste Amortisationsdauer bei den von comparis.ch untersuchten Versicherern. In der Regel schliesst man aufgrund später drohender Vorbehalte in jungen Jahren eine Spitalzusatzversicherung ab. Auf das Beispiel bezogen, ergibt sich somit bei Prämienzahlungen über 30 Jahre eine Einsparung von 48'348 Franken. Mit diesem Betrag könnte die Versicherte somit den Maximalbetrag für ein Spitalupgrade während 12 Jahren bezahlen.

Die grösste Prämiendifferenz für dreissigjährige Frauen aus Zürich hat CSS mit 175 Franken monatlich (27.40 CHF für «MyFlex Economy Variante 1» vs. 202.40 CHF für «My Flex Premium»). Nach 30 Jahren wird die Versicherungsnehmerin hier 63'000 Franken gespart haben. Hier ist allerdings die Kostenbeteiligung mit 70 Prozent der Zusatzkosten bzw. max. 14'000 Franken pro Kalenderjahr auch am zweithöchsten (nach Sanitas mit 20'000 CHF). Somit würde sich die Frau mit dem eingesparten Geld «nur» 4 Jahre lang ein Upgrade in die Privatabteilung leisten können.

Das mit Abstand günstigste Flex-Produkt ist «Hospital Standard Liberty» von Sanitas. Hierbei handelt es sich um ein Produkt mit einer Kostenbeteiligung von 50 Prozent bzw. max. 20'000 Franken pro Kalenderjahr für die Privatabteilung. Eine dreissigjährige Zürcherin spart hier monatlich 131.40 Franken im Vergleich zur klassischen Privatversicherung. Das macht in 30 Jahren 47'304 Franken. Allerdings reicht dieser Betrag nur, um den Maximalbetrag für Upgrades während zweier Jahre zu bezahlen.

Auch Männer profitieren

Zwar ist das Sparpotenzial für Männer grundsätzlich kleiner, weil sie bei verschiedenen Versichern tiefere Prämien bezahlen als Frauen. Doch auch sie profitieren von einer Flex-Lösung. Am grössten ist die Preisdifferenz für einen dreissigjährigen Zürcher mit 157.50 Franken bei Swica. «Hospita Flex Privat» kostet 74.10 CHF monatlich («Hospita Privat» 231.60 CHF). Nach 30 Jahren ergibt das ein Einsparpotenzial von 56’700 Franken und eine theoretische Finanzierung für Upgrades während 7 Kalenderjahren.

Am schnellsten ist die Prämiendifferenz bei Concordia wettgemacht; nämlich nach 3,2 Jahren. Männer sparen hier mit dem «Libero»-Flex-Produkt im Vergleich zur konventionellen Spital-Privatversicherung über 30 Jahre hinweg 37'260 Franken. Am günstigsten fahren junge Zürcher ebenfalls mit Sanitas (8.70 CHF Monatsprämie). Hier resultiert nach 30 Jahren eine Ersparnis von 32'868 Franken.

Auch bei Halbprivat-Upgrade Einsparungen von fast 50'000 Franken realisierbar

Im Vergleich zu einer konventionellen Halbprivatversicherung ist die Prämienersparnis durch ein Flex-Produkt tiefer. Doch auch hier gibt es erhebliches Sparpotenzial. Der Prämienunterschied zwischen einer Halbprivatversicherung und dem Flex-Produkt ist bei ÖKK mit 77.80 Franken für eine Frau mit Geburtsjahr 1988 und Wohnort Zürich am grössten. Das Flex-Produkt «Flex Mini» kostet monatlich 73.60 Franken, die Halbprivatversicherung 151.40 Franken. Ein Spitalaufenthalt in der Halbprivatabteilung mit einer Kostenbeteiligung von 35 Prozent bzw. max. 4'500 Franken ist somit nach 4,8 Jahren über die Prämienersparnis refinanziert. Bei einer Beitragszeit von 30 Jahren resultiert somit für die Dreissigjährige eine Einsparung von satten 28’008 Franken. Dieser Betrag würde den Maximalbetrag für Spitalupgrades immerhin während 6 Kalenderjahren decken. Bei ÖKK verpflichtet man sich allerdings beim Erstabschluss für einen Dreijahresvertrag. Erst danach ist eine jährliche Policen-Verlängerung möglich.

Am schnellsten ist ein Spitalaufenthalt mit «Spital Flex Plus» von Visana finanziert. Hier dauert es für eine dreissigjährige Zürcherin 2,6 Jahre, die höhere Kostenbeteiligung über Prämienersparnisse zu amortisieren. Für die Flex-Lösung bezahlt die Versicherungsnehmerin dabei 62.60 Franken monatlich; also 53.90 Franken mehr als bei Sanitas. Dafür bietet der Versicherer mit 20 Prozent bzw. max. 2’000 Franken pro Jahr die tiefste Kostenbeteiligung unter den analysierten Angeboten. Bei Visana sparen die Frauen in 30 Jahren mit dem Flex-Produkt 22'878 Franken und könnten sich damit 11 Jahre lang Spitalupgrades in der Halbprivatabteilung gönnen.

Bei den dreissigjährigen Männern aus Zürich ist ein Spitalaufenthalt in der Halbprivatabteilung am schnellsten bei Concordia mit dem Produkt «Libero» finanziert, nämlich nach 3,5 Jahren. Die monatlichen Prämien betragen 21.60 Franken für das Flex-Produkt. Bei Concordia beträgt die Kostenbeteiligung wie bei Visana 20 Prozent bzw. max. 2’000 Franken. Das Halbprivatprodukt kostet 68.90 Franken monatlich. Auch bei Männern resultiert somit ein erhebliches Sparpotenzial. Nach 30 Jahren sind 17'028 Franken gespart und theoretisch 8 Jahre Upgrade-Kosten finanziert.

In Bellinzona spart man am wenigsten – in Zürich am meisten

Regional gibt es grosse Unterschiede beim Sparpotenzial. Über alle grössten Anbieter hinweg betrachtet sparen junge Männer und Frauen in Genf mit einer Flexversicherung gegenüber einer Halbprivatversicherung am meisten, nämlich jährlich durchschnittlich 851 Franken für dreissigjährige Frauen und 602 Franken für dreissigjährige Männer. Im Vergleich Flex-Produkt und Privatversicherung sparen junge Leute in Zürich durchschnittlich am meisten; nämlich dreissigjährige Frauen mit 1'591 Franken und Männer mit 1'086 Franken pro Jahr. Durchs Band weg am wenigsten spart man in Bellinzona; nämlich 597 Franken pro Jahr (Frauen) bzw. 406 Franken (Männer) beim Vergleich Flex und Halbprivat. Im Vergleich zur Privatversicherung sparen Frauen nur 1'264 Franken jährlich, Männer 807 Franken.

Trend zu ambulanten Operationen spricht für Flex-Lösungen

Der Markt der Flex-Produkte ist laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit 2005 von 0 auf 627'658 Versicherte im Jahr 2016 angewachsen, Tendenz steigend. Demgegenüber ist die Zahl der Privatversicherten von 271'607 auf 266'800 gesunken und jene der Halbprivatversicherten von 652'649 auf 649'193. «Mit einer Flexversicherung sparen Versicherte viel Geld, ohne im Ernstfall auf die Vorzüge der halbprivaten und privaten Spitalabteilung verzichten zu müssen», meint Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. Der Druck von Bund und Kantonen, immer mehr Operationen nur noch ambulant durchzuführen, spricht laut ihm ebenfalls für Flexversicherungen, solange die Krankenversicherer keine attraktiven ambulanten Zusatzversicherungen für schulmedizinische Leistungen anbieten.