Monarchfalter
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Monarchfalter als filigraner Grenzgänger zwischen Mexiko und USA

Millionen Schmetterlinge fliegen jedes Jahr von Mexiko Tausende Kilometer in die Vereinigten Staaten - ungeachtet der gegenwärtigen Spannungen zwischen den beiden Ländern. Die farbenfrohen Migranten sind somit auch ein Symbol für gute Nachbarschaft.

Dem Monarchfalter sind die Mauerpläne von US-Präsident Donald Trump ziemlich egal. Jedes Jahr fliegt der schwarz-orangene Schmetterling von den Tannenwäldern im Zentrum von Mexiko über den Rio Grande hinweg bis zu den Grossen Seen zwischen den USA und Kanada.

"Der Monarchfalter ist ein Symbol der Einigkeit und der Brüderlichkeit zwischen den USA, Kanada und Mexiko", sagt die Biologin Gloria Tavera von der mexikanischen Umweltschutzbehörde.

Im Schutzgebiet Piedra Herrada an den Hängen des Nevado de Toluca westlich von Mexiko-Stadt herrscht auf 3200 Meter Höhe Aufbruchsstimmung. Tausende Monarchfalter schwirren zwischen den Bäumen umher und verdunkeln die Sonne. Die Schmetterlinge suchen nach Nektar, um sich auf ihre lange Reise vorzubereiten.

In diesen Tagen verlassen sie ihr Winterquartier und treten den Flug Richtung Norden an. "Wenn die Temperatur steigt und die Luftfeuchtigkeit sinkt, wissen die Monarchfalter, dass es an der Zeit ist, loszufliegen", sagt Försterin Doris Martínez.

Indikatoren für Bauern

Mehr als 4000 Kilometer legen die Monarchfalter bis zu ihrem Sommerquartier im Grenzgebiet zwischen den USA und Kanada zurück. "Sie machen sich Luftströmungen zunutze und segeln den grössten Teil der Strecke", sagt Biologin Tavera. Wie sich die Insekten auf der langen Reise orientieren, wird noch immer erforscht.

Um mehr über die Wanderungsbewegungen herauszufinden, markieren Wissenschafter in den USA die Schmetterlinge. Kollegen in Mexiko suchen dann nach diesen markierten Tieren.

Die Menschen im Winterquartier der Monarchfalter in Mexiko kennen die Wanderung der Schmetterlinge seit jeher und nutzen sie als Indikatoren für die Landwirtschaft. "Wenn die Monarchfalter wegfliegen, ist es Zeit für die Aussaat. Wenn sie wiederkommen, müssen wir die Ernte einbringen", sagt Cecilia Aguilar.

"Die Monarchfalter wissen mehr über die Natur als wir", sagt Aguilar. "Vor ein paar Tagen hat es hier heftig gehagelt. Wir haben beobachtet, dass sie sich bereits am Abend davor in den Bäumen zu grossen Gruppen zusammengeschlossen haben, um sich zu schützen."

Mehrere Generationen

An der Reise der Monarchfalter Richtung Norden sind mehrere Generationen beteiligt. Die Schmetterlinge, die in den Kiefer- und Tannenwälder der mexikanischen Bundesstaaten Michoacán und México überwintern, fliegen im März in den Norden von Mexiko.

"In den Bundesstaaten Tamaulipas, Nuevo León und San Luis Potosí legen sie ihre Eier ab und sterben", erklärt Försterin Martínez. Die nächsten Generation fliegen weiter nach Norden, bis sie die Grossen Seen zwischen den USA und Kanada erreichen.

Die Monarchfalter, die dann im Herbst Richtung Mexiko aufbrechen, gehören zur sogenannten Methusalem-Generation. Sie leben acht Monate, während ihre Nach- und Vorfahren nur etwa einen Monat alt werden. "Das ist das Wunder an diesem Wanderungsphänomen", sagt Biologin Tavera. "Diese Schmetterlinge waren nie in Mexiko."

Enge Kooperation

Nachdem 2013 und 2014 nur sehr wenige Monarchfalter in das Winterquartier in Mexiko gekommen waren, erholt sich die Population derzeit wieder. Die Schmetterlinge leiden unter Nahrungsmangel in den USA, Abholzung in Mexiko und dem Klimawandel.

Wegen des massiven Einsatzes von Unkrautvernichtern in der Landwirtschaft gibt es in den USA beispielsweise immer weniger Seidenpflanzen. Die Gewächse sind die einzige Nahrungsquelle für die Larven des Monarchfalters.

Angesichts der politischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump stehen die Monarchfalter aber auch für gute Nachbarschaft. Für den Schutz der Schmetterlinge arbeiten die beiden Länder und Kanada eng zusammen.