Korallenbleiche bzw. tote Korallen. (Bild: Bruno de Giusti)
Korallenbleiche bzw. tote Korallen. (Bild: Bruno de Giusti)
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Schlimmste je erfasste Korallenbleiche am Great Barrier Reef

Die Hiobsbotschaften mehren sich seit Monaten: Etliche Korallenbänke am Great Barrier Reef haben ihre lebensspendenden Algen verloren. Das Wetterphänomen El Niño hat dazu beigetragen - die Hauptursache sehen Experten an anderer Stelle.

Das Great Barrier Reef in Australien hat in diesem Jahr die schlimmste je erfasste Korallenbleiche zu verkraften. In einer 700 Quadratkilometer grossen Region im nördlichen Teil des mehr als 2300 Kilometer langen Riffs seien zwei Drittel der Korallen abgestorben, manche Korallenbänke hätten gar keine lebenden Korallen mehr, bilanzierten Wissenschaftler der James-Cook-Universität am Dienstag.

Als Bleiche wird ein Verblassen der farbenprächtigen Steinkorallen bezeichnet: Bei zu hohen Wassertemperaturen stossen die Nesseltiere die für die Färbung sorgenden Algen ab, mit denen sie sonst in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen leben. Ohne die sogenannten Zooxanthellen können sie auf Dauer nicht überleben und sterben ab, wenn sich die Algen nicht binnen einiger Wochen oder Monate wieder ansiedeln.

Klimawandel bedroht die Riffe

Ursache der Bleiche am Great Barrier Reef sei der Klimawandel, erklärte David Wachenfeld von der zuständigen Marinepark-Behörde (GBRMPA). "Wir sehen hier aus erster Hand, welche Bedrohung der von Menschen verursachte Klimawandel für die Korallenriffe ist." In den vergangenen Monaten sei das Wetterphänomen El Niño hinzugekommen, das die Temperaturen zusätzlich habe steigen lassen.

Die Region zwischen dem nördlichsten Teil der Ostküste und Papua-Neuguinea war bislang der intakteste Teil des Riffs. "Die Region war von den Bleichen 1998 und 2002 nur wenig betroffen, aber dieses Mal sind die Schäden gross", sagte Terry Hughes, Leiter des Instituts für Korallenforschung. Die Rückkehr endgültig abgestorbener Korallen könne 10 bis 15 Jahre dauern - wenn es keine weiteren Störungen gebe.

Vor Cairns und weiter südlich, wo die meisten Touristenboote zum Tauchen und Schnorcheln starten, war die Lage deutlich besser. Dort starben nur sechs Prozent der Korallen ab. Südlich von Mackay waren es sogar nur ein Prozent. "Die Korallen dort haben ihre bunten Farben wieder und die Riffe sind in gutem Zustand", sagte Professor Andrew Baird. Er hatte die Riffe im Oktober und November mit einem Team von Tauchern untersucht.

Stark belastetes Ökosystem

Höhere Wassertemperaturen schwächen das ohnehin fragile Ökosystem der Riffe. Die Widerstandsfähigkeit gegen Einflüsse wie Stürme, Krankheiten, Umweltverschmutzung durch den Schiffsverkehr und den Dünger- und Pestizid-Eintrag von küstennahen Feldern sinkt.

Am Donnerstag will die australische Regierung neue Schutzmassnahmen für das Riff vorstellen. Das Great Barrier Reef ist seit 1981 als Weltnaturerbe anerkannt. Die UNO-Kulturorganisation Unesco hatte mit dem Entzug dieses Status' gedroht, falls die Regierung nicht mehr unternehme, um die Einzigartigkeit der Region zu erhalten. Sie verlangt regelmässige Berichte über die Fortschritte.

Das Great Barrier Reef ist nicht nur ein einzigartiges Ökosystem, sondern auch einer der grössten Touristenmagneten im Land. Die Besucher bringen rund fünf Milliarden australische Dollar (3,8 Mrd Franken) ins Land, der Sektor beschäftigt 70'000 Menschen.