Security bewacht Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' painting im Auktionshaus Christie's in London.
Security bewacht Leonardo da Vinci's 'Salvator Mundi' painting im Auktionshaus Christie's in London.
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Das Rätsel um Leonardo da Vincis "Salvator Mundi"

Im New Yorker Auktionshaus Christie's soll am Donnerstag das Gemälde "Salvator Mundi" versteigert werden - angeblich das letzte bekannte Werk von Leonardo da Vinci in Privatbesitz. Es wird mit einem Erlös von 100 Millionen Dollar gerechnet - viel zu viel, finden einige Experten.

Nicht alle Fachleute sind sich sicher, ob das Porträt von Jesus Christus in Öl auf Walnussholz tatsächlich von Da Vinci allein gefertigt wurde - so auch der Leipziger Professor und Kunsthistoriker Frank Zöllner. Er kritisiert den Umgang des Auktionshauses mit dem Gemälde.

Deutsche Presse-Agentur: Sie haben in Ihrem Werkkatalog bei dem Gemälde "Salvator Mundi" hinter den Urheber "Leonardo da Vinci und Werkstatt" ein Fragezeichen gesetzt - wieso?

Frank Zöllner: "Der Entwurf stammt sicher von Leonardo da Vinci, und er hat an dem Salvator vermutlich auch mitgemalt. Einiges spricht aber dafür, dass es von Schülern überarbeitet wurde. In der Forschung sprechen wir von einer Werkstattarbeit - Leonardo ist also meines Erachtens nach nicht der alleinige Autor."

Auktionshaus mogelt ein bisschen

Was deutet darauf hin, dass es nicht von Leonardo allein gefertigt wurde?

"Dafür sprechen mehrere Gründe. Zum einen wird der Salvator im Gegensatz zu allen anderen ab 1500 entstandenen Gemälden Leonardos in zeitgenössischen Quellen nicht erwähnt. Zudem weist das Werk neben mehreren starken Stellen auch etliche schwache Partien auf. Darum glaube ich, dass es sich um eine Werkstattarbeit handelt. Ausserdem ist das Gemälde stark restauriert und damit ebenso ein Werk der Restauratorin.

Zudem passt der Salvator nicht in Leonardos Chronologie: Die Art der Hell-Dunkel-Malerei weist daraufhin, dass es später entstanden sein müsste, als es datiert wurde. Damit es dahingehend wieder passt, verhält sich das Auktionshaus höchst dubios. Es wurden sogar andere Werke von Leonardo umdatiert, um dieses Problem zu lösen."

"Symbol für ungleiche Vermögensverteilung"

Wie kommt es zu den unterschiedlichen Einschätzungen durch Experten und das Auktionshaus?

"Dabei geht es um sehr viel Geld. Für eine gute Werkstattarbeit könnten schätzungsweise 20 Millionen US-Dollar verlangt werden, für ein Werk von Leonardo als Allein-Autor vielleicht 200 Millionen.

Darüber hinaus geht es um mehr als Kunst. Das Gemälde ist im Grunde ein Symbol für die extrem ungleiche Vermögensverteilung auf der Welt. Den Menschen, die darauf bieten, ist es letztlich egal, ob sie 100 oder 200 Millionen Dollar dafür zahlen."

Zur Person

Frank Zöllner, Jahrgang 1956, ist Direktor des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig. Einer seiner Schwerpunkte ist die Malerei und Skulptur Italiens des 14. bis 17. Jahrhunderts. Er wurde 1995 an der Universität Marburg mit einer Arbeit über "Ausdruck und Bewegung bei Leonardo da Vinci" habilitiert.

Das Interview führte Josephine Heinze, dpa