Maria Loboda, Installationsansicht Havoc in the Heavenly Kingdom, Kunsthalle Basel, 2017, Blick auf Young Warrior in the Landscape Watching the Birds Go By (Pastoral), 2017. Foto: Philipp Hänger
Maria Loboda, Installationsansicht Havoc in the Heavenly Kingdom, Kunsthalle Basel, 2017, Blick auf Young Warrior in the Landscape Watching the Birds Go By (Pastoral), 2017. Foto: Philipp Hänger
  • Jonas Egli
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Ein Affenkönig zu Besuch in der Kunsthalle. Was könnte da schon schiefgehen?

In der Kunsthalle ist Maria Lobodas Universum der Sagen und Mythen zu sehen. Die 1979 in Krakau geborene Künstlerin spielt mit den Referenzen und setzt sie in eine beruhigte Form.

Maria Loboda beginnt ihre Arbeit «meist mit einer Geschichte». Das Material für diese Geschichten findet sie in der Geschichtsschreibung, in Mythen, Sagen und Ritualen. 

In diesem Fall also die Sage des chinesischen Affenkönigs Sūn Wùkōng, der im Himmelsreich wütet, nachdem er von den Göttern nur deswegen Zugang erhielt, um ihn besser kontrollieren zu können. Das ging schief, denn Sūn Wùkōng war ein Querschläger, ein auf einer Wolke schwebendes Schlitzohr und ein Rebell. Wird die Kunsthalle nun von einem Narren heimgesucht? Ist die Institution der Olymp, der die Künstler in Schach halten will?

Maria Loboda, Installationsansicht Havoc in the Heavenly Kingdom, Kunsthalle Basel, 2017. Foto: Philipp Hänger

Doch keine Verwüstung im Oberlichtsaal

«Havoc in the Heavenly Kingdom» sieht trotz des Titels sicher nicht danach aus, als hätte ein durchgeknalltes Halbwesen gewirkt: Ein neu verlegter Sisalteppich führt zu einer weissen Säule, die da steht wie in einem Antikenmuseum. Drei monumentale, schmucklose Torbögen bestimmen den Oberlichtsaal. Die geometrisch abstrahierten, blass graugrünen Bögen bilden einen Korridor zu den hinteren zwei Räumen. An den Wänden sind Hochglanzfotografien aufgereiht, welche die Schuhe eines Geschäftsmannes im Matsch zeigen.

Die Geschichte von Sūn Wùkōng ist denn auch nicht ein Leitgedanke der Ausstellung selbst. Die polnische Künstlerin richtet keine Verwüstungen an, sie ist im Oberlichtsaal der Kunsthalle auch nicht bloss geduldet, sondern wurde eingeladen. Vielmehr ist die Affenstory ein Hinweis auf ihr Gesamtwerk: «Havoc in the Heavenly Kingdom» ist eine Ansammlung von Versatzstücken, es geht meist um Fragen der Machtverteilung und -ausübung, gemischt mit mehr oder weniger obskuren Mythen. Dies ist ein wiederkehrendes, zentrales Thema in Lobodas Gesamtwerk. Wie sie selber sagt: «Macht ist vulgär!» Und deshalb, wie sie findet, interessant. 

Maria Loboda, Installationsansicht Havoc in the Heavenly Kingdom, Kunsthalle Basel, 2017. Foto: Philipp Hänger

Nicht einfach blassgrün

Unauffällig, aber entscheidend ist der eigentümliche Farbton der drei Torbögen: Das Graugrün namens Seladon stiftete ursprünglich die Bezeichnung für eine spezielle Glasur der chinesischen Keramik. Man sagt, Kaiser hätten aus solchen Gefässen getrunken, denn sie verfärbten sich schwarz, wenn sie mit Gift in Kontakt kamen. 

Unter den vielen Bedeutungen von Seladon findet sich auch, dass es die Farbe sei «die nicht beschrieben werden kann»; aber auch, dass wer lange genug in das Graugrün blickt, Weisheit und Erkenntnis erlangt. 

Bleibt das Geheimnis ein Geheimnis, auch wenn es klug ist?

Solche Kunst wie in «Havoc in the Heavenly Kingdom» zu beschreiben, ist eine Frage des jeweiligen Standpunktes, absolute Antworten gibt es nur selten (aber natürlich gibt es davon bessere und schlechtere). Der Affenkönig ist, wie übrigens alle Narren, oft überaus klug, eckt aber dauernd an. Der klassische «Trickster» also, der Gefahr läuft, missverstanden zu werden. Loboda hat sich dem trickreichen Umgang mit Geschichtsfragmenten verschrieben. Ihre Arbeiten sind Finten, die enträtselt werden müssen; sie geben ihre Geheimnisse erst nach einer gewissen Zeit preis. Die Titel sind jeweils der einzige Tip, den sie uns gibt. Wie der Ausstellungstext verrät, wechselt jedes Element «zwischen Geheimnis und Indiz, Verdeckung und Beschwörung». Das macht die Sache zwar interessant, wohl aber nicht einfacher. Klug ist «Havoc in the Heavenly Kingdom» allemal, ob es verstanden wird oder nicht, hängt von der Bereitschaft der Bestrachter ab, das Spiel mitzumachen. Wer kein enzyklopädisches Vorwissen hat, wird jedenfalls viel Nachschauen müssen. 

Maria Loboda, Installationsansicht Havoc in the Heavenly Kingdom, Kunsthalle Basel, 2017, Blick auf Raw Material Coming from Heaven, 2017. Foto: Philipp Hänger

Maria Loboda, Havoc in the Heavenly Kingdom, in der Kunsthalle Basel noch bis zum 14.Mai 2017