Blick auf die Scuola di Scultura / Bild: Keystone
Blick auf die Scuola di Scultura / Bild: Keystone
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Im Tessin entsteht ein internationales Zentrum für Bildhauerei

Im Kanton Tessin, im hintersten Teil des Valle Maggia, entsteht ein internationales Zentrum für Bildhauerei. Gefördert wird es vom Kanton, der Gemeinde und privaten Sponsoren.

Hinter Cevio im Valle Maggia beginnt das wilde und schöne Valle Lavizzara. Über der Talsohle erheben sich schroffe Berghänge, von denen kristallklare Wasserläufe herunterstürzen, die jetzt zu eindrücklichen Eisformationen gefroren sind.

Ganz weit hinten in einem Seitental des Lavizzara liegt Peccia. Es besteht aus einem Dutzend traditioneller Steinhäuser, mit einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, aus Tessiner Gneis erbauten Kirche. Und hier, am "gefühlten" Ende der Welt soll das erste internationale Zentrum für Bildhauerei der Schweiz entstehen.

"Scuola di Scultura di Peccia" heisst es im Moment noch auf den Wegweisern. Die Schule beschert dem Tal momentan rund 3000 Übernachtungen pro Jahr, dies zusätzlich zum normalen Tourismusbetrieb.

Eine Vision verwirklicht sich

"Alle sagten, das geht nicht - und dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht." So etwa könnte man die Geschichte der "Scuola di Scultura di Peccia" beschreiben. Einige Kilometer nordwestlich von Peccia wird am Pizzo Castello seit 70 Jahren Marmor abgebaut.

1987 übernahm Kunstpädagoge und Steinbildhauer Alex Naef eine Baracke auf dem alten Werkplatz des Marmorsteinbruchs Cristallina, in der sein Zürcher Kollege Rolf Flachsmann begonnen hatte, Steinbearbeitungskurse anzubieten. Doch mitten in den Aufbau des Kursprogramms platzte ein Jahr später eine Hiobsbotschaft. Die Schule musste weg: Auf dem Platz sollten Wohnhäuser gebaut werden.

Der Gemeindepräsident von Peccia organisierte für den Umzug an den heutigen Standort in Dorfnähe finanzielle und logistische Hilfe. Danach ging es bergauf. Alex Naef bekam Fördergelder im Rahmen der Unterstützung von Randregionen, so dass es ihm trotz immer wiederkehrender Widerstände zusammen mit seiner heutigen Ehefrau Almute Grossmann Naef gelang, die Schule Zug um Zug auszubauen.

Mittlerweile kommen pro Jahr über 300 Kunstschaffende und interessierte Laien aus aller Welt hierher. In den über 30 Jahren ihres Bestehens hat sich die Bildhauerschule zu einem für Gäste und Einheimische attraktiven Begegnungsort mit Ausstellungen, Lehrbetrieb und Veranstaltungen entwickelt.

Kanton unterstützt das Projekt

Jetzt steht das Leiterehepaar vor einem weiteren grossen Schritt: In Peccia wird ein internationales Zentrum für Bildhauerei entstehen. Als Public-Private-Partnership von Privaten, der Gemeinde Lavizzara und der Fondazione Valle Maggia gegründet, bezweckt die Stiftung Fondazione Internazionale per la Scultura (FIS) die Einrichtung eines international ausstrahlenden Kompetenzzentrums für dreidimensionales Schaffen.

In einem Ausstellungsgebäude am Ortseingang von Peccia werden sich die Verwaltungsbüros und drei Werkstätten für Arbeiten mit Stein, Holz und Metall befinden, ebenso wie ein Magazin und die technischen Installationen. Zudem sind im Zentrum fünf Künstlerateliers vorgesehen. Andere Künstler wohnen im Dorf Peccia in individuellen Unterkünften der Casa degli Artisti: diese zusätzliche Initiative und die dafür nötigen Investitionen wurden durch einen privaten Spender möglich.

Die Gesamtkosten des Zentrums werden auf 6 Millionen Franken geschätzt, wobei 3 Millionen Franken vom Kanton und eine halbe Million von der Gemeinde Lavizzara und der Rest von Privaten zur Verfügung gestellt werden.