Ausstellungsansicht «Free Willi 2» © Kunstmuseum Basel, Foto: Gina Folly
Ausstellungsansicht «Free Willi 2» © Kunstmuseum Basel, Foto: Gina Folly
  • Daniela Settelen-Trees
  • Aktualisiert am

Johannes Willi - Free Willi 2: Freiheit in Gefahr

Johannes Willi hat hier in Basel schon so einiges bewegt. Als Künstler und Networker pflegt er das Miteinander, ist Mitbegründer des Hinterhof Offspace, Mitinitiator von I Never Read, (Art Book Fair, Basel) und ist Teil des Kollektiv Juice & Rispetta.

Als Preisträger des diesjährigen Manor-Kunstpreises zeigt er im Kunstmuseum Basel / Gegenwart neu entstandene Coverversionenen als Rauminstallation. Er sprengt Grenzen und setzt mit seiner Ausstellungsserie, die als Trilogie angelegt wurde, Zeichen als Metapher für mögliche Dialoge in der Kunstwelt. Sie nimmt Bezug auf die populären gleichnamigen Wahl-Filme der 90er Jahre. 

Ausgangspunkt war voriges Jahr die Ausstellung Ruf der Freiheit in der Kusthalle Basel im Rahmen der Regionale 2015. Da hat Johannes Willi Arbeiten zum Thema for free - to free von befreundeten Basler Künstlern versammelt.

Das Kunstmuseum Basel / Gegenwart zeigt seit Samstag die Ausstellung Free Willi 2. Damit hat der Künstler den nationalen Rahmen gesprengt und hinterfragt auf globaler Ebene. Er verlässt sein gewohntes Umfeld und geht auf Reisen. Sein erklärtes Ziel ist, andere Künstler im Gespräch kennen zu lernen, Vertrauen aufzubauen und Freundschaften zu schliessen – jenseits aller Grenzen.

Im Laufe des Jahres besucht er neun von Kuratoren vermittelte Künstlerinnen und Künstler in China, Costa Rica, Schweden, der Karibik und Italien. Er nähert sich ausgewählten Arbeiten an, um sie in situ oder später in Basel zu wiederholen – zu kopieren.
Das vor Ort aufeinander zugehen unter Künstlern hat jenseits der üblichen Schranken, frei von Konkurrenzgedanken stattgefunden und wird deshalb zu einem befruchtenden Dialog.

Die Ausstellung vereint die neun neu entstandenen Coverversionen unter Titeln und Namen der Urheber. Der Besucher gelangt über einen Vorhang in den gänzlich mit rosa Schaumgummi ausgepolsterten Ausstellungsraum. Unverhofft befindet er sich im inneren eines Magens. Wir als Betrachter, das Wasser symbolisierend, ermöglichen erst den komplizierten Verdauungsvorgang. Hier im Reflexionsort wird künstlerisch, intellektuell und physisch Schwerstarbeit geleistet.

Willis künstlerische Strategie setzt auf Wiederholung von bereits existierenden Kunstwerken. Nachahmen ist für ihn nicht gleich kopieren. Es bedeutet vielmehr lernen und Kunst als gemeinsame Sprachform zu benützen. Geteilte künstlerische Erfahrungen vermögen politische und kulturelle Grenzen zu sprengen. Auf diese Weise können neuartige Kooperationen und Plattformen entstehen, die für Willi zugleich Ziel sind und Weg hin zu  kommenden Arbeiten.

Dino Real: Huella de Color, Wandmalerei. Dino Real und Johannes Willi: Performance Geistvertreibung. Foto: Lukas Riesen

Ingela Ihrman: The Giant Hogweed (Riesenbärenklau), Schaumstoff, Pappe, Nylonfden, Spanngurt. Foto: Daniela Settelen

Deng Dafei: Ruins, Wellplexiglas, Papier. Foto: Daniela Settelen

Ausstellung 26. November 2016 - 12. März 2017

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche, bebilderte Publikation.