Klaus Littmann (links) und Max Peintner (rechts) im Fußballstadion in Klagenfurt nach der Entscheidung für das internationale Großprojekt „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ im Februar 2017. Foto: Gerhard Maurer
Klaus Littmann (links) und Max Peintner (rechts) im Fußballstadion in Klagenfurt nach der Entscheidung für das internationale Großprojekt „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ im Februar 2017. Foto: Gerhard Maurer
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Max Peintner feiert seinen 80. Geburtstag

Am 15. Dezember 2017 feiert Max Peintner seinen 80. Geburtstag in Wien. Seine zivilisationskritischen Zeichnungen wie „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, die 1970/71 entstand oder „Das total regulierte Tal“ aus der Jahr 1972 sind nicht nur in Kunstkreisen bekannt, sondern im Gedächtnis einer breiten Öffentlichkeit.

Sie wurden in Schulbüchern und anderen Massenmedien publiziert und entwickelten sich zu Ikonen der europäischen Umweltbewegung. Eine Augenkrankheit veranlasste den Künstler Mitte der 70er Jahre zur Auseinandersetzung mit dem Prozess des Sehens: Peintner zeichnete was jeder kennt und normalerweise nicht der Rede wert ist. „Für ihn ist die gezeichnete Selbstwahrnehmung angemessenes Ausdrucksmittel zur Darstellung der wahrgenommenen Umwelt, wie sie im Kopf entsteht. Seine Kunst gilt dem Versuch, analytisch die Gefühle und Sensationen des Ichs in Form einer Abbildfunktion dieses Ichs zu zeigen“, schrieb seinerzeit Peter Weibel, Künstler, Kurator, Kunst- und Medientheoretiker, der seit 1999 das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe leitet. 

Max Peintner wurde 1937 in Hall in Tirol geboren; er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Wien und bis 1963 Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien. 1964 gab er mit Heinz Geretsegger die Monografie Otto Wagner 1841-1918 Unbegrenzte Großstadt, Beginn der modernen Architektur  heraus. 1969 veröffentlichte er erste Zeichnungen unter dem Titel Sechs Beiträge zur Zukunft: Technik- und Zivilisationskritik unter dem Deckmantel der Utopie. Max Peintner zeigte seine ersten Wahrnehmungsbilder 1977 auf der Documenta 6 in Kassel. 1986 vertrat er Österreich auf der Biennale Venedig. 2000 widmete die Neue Galerie Graz dem Künstler eine umfassende Retrospektive. 

Über acht Jahre beschäftigte sich Max Peintner mit Blickwinkel, Sujets und Brüchen in den Werken von Caspar David Friedrich und gestaltete im Jahr 2009 in den Räumlichkeiten der Wiener Galerie Kargl eine Präsentation, die vom Entwurf bis zur ausgearbeiteten Farbkreidezeichnung die Beschäftigung mit dem bedeutenden Künstlers der Romantik skizziert. Die Auseinandersetzung mit Caspar David Friedrich entwickelte sich für Max Peintner aus seinen Wahrnehmungsselbstversuchen.

„Landschaftsbilder sind als traumhafte Visionen zu deuten und lassen auf das Wesen des Träumenden schließen,“ sagte einmal Max Peitner und erklärt so seine Faszination für Caspar David Friedrich. Der österreichische Künstler übernimmt Friedrichs Naturdarstellungen, die oft von einem metaphysisch-transzendenten Charakter beseelt sind. 

Max Peintners Arbeiten wurden 1997 im Künstlerhaus Klagenfurt unter dem Titel Zum Greifen nah gezeigt. 

Besonders beschäftigt Max Peintner und Klaus Littmann derzeit das internationale Großprojekt „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, das 2019 gemeinsam mit Littmann Kulturprojekte (Basel) in Klagenfurt Realität wird. Die gleichnamige Bleistiftzeichnung Max Peintners – sie befindet sich in einer Privatsammlung und ist derzeit als Leihgabe in einem amerikanischen Museum aufbewahrt -  inspirierte den Beuys-Schüler Klaus Littmann zu dem Kunstwerk im öffentlichen Raum. Das Fußballfeld der Klagenfurter Stadions  - so der Wunsch des Künstlers Max Peintner – soll gänzlich mit einem Mischwald überdeckt werden. Von den Rängen aus können die Zuschauer das Baumspektakel Tag und Nacht – bei Natur- oder Flutlicht im Stadion – bestaunen. Das so erzeugte Bild ist sowohl Installation, Skulptur als auch Mahnmal und geht um die Welt.