Ein Auszug eines Monumentalgemäldes von Ludwig Friedrich Karl Bang und Otto Lorch steht vor dem Löwendenkmal in Luzern am Dienstag, 8. August 2017. Vom 10. August bis 1. Oktober 2017 erinnern Historiker mit Führungen über die Geschichte des Denkmals.
Ein Auszug eines Monumentalgemäldes von Ludwig Friedrich Karl Bang und Otto Lorch steht vor dem Löwendenkmal in Luzern am Dienstag, 8. August 2017. Vom 10. August bis 1. Oktober 2017 erinnern Historiker mit Führungen über die Geschichte des Denkmals.
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Neue Führung beim Löwendenkmal erinnert an Demokratie-Geburtsstunde

Das Luzerner Löwendenkmal steht in den kommenden Wochen besonders im Fokus. Ab Donnerstag bieten Historiker inszenierte Führungen rund um das Monument an. Hintergrund ist ein Jahrestag, ein fast vergessenes Gemälde und die historische Ignoranz mancher Besucher.

"Wir müssen etwas machen", sagte Jürg Stadelmann im letzten Herbst. Wiederholt hatte der Historiker, der das Büro für Geschichte, Kultur und Zeitgeschehen in Luzern betreibt, Besucher des Löwendenkmals dabei ertappt, wie sie so manche Unwahrheit über die berühmte Luzerner Sehenswürdigkeit in die Welt setzten. Weil sich am 10. August das Ereignis, dem der Löwe geschuldet ist, zum 225. Mal jährt, initiierte er das Projekt mit dem Titel "Warum der Löwe? Denk mal - wir erzählen".

Der 10. August 1792 war für die Schweizer Garde ein blutiger Tag. Im Zuge der Französischen Revolution stürmten Aufständische den königliche Tuilerienpalast zu Paris, der von Söldnern aus der Schweiz verteidigt wurde. In deren Reihen starben 300 bis 400 Gardisten. Als Erinnerung an den Einsatz wurde am Jahrestag 1821 das Löwendenkmal eingeweiht.

Das Monument sei Opferplatz, Ort des Untergangs und Ende, sagt Stadelmann anlässlich einer Medienorientierung am Dienstag. Mittels 90-minütiger inszenierter Führungen wolle er mit seinem Projektteam aufzeigen, dass 1792 nicht nur ein Schluss war, sondern auch ein Anfang. Mit dem Ende der Monarchie in Frankreich entstand dort die erste Republik, was sich auch auf die Schweiz auswirkte. Hier entstand in der Folge erstmals ein Einheitsstaat als Vorläufer des heutigen Bundesstaats.

Historiengemälde entrollt und digitalisiert

Ein zweiter Grund für das Projekt ist ein Diorama aus dem Jahr 1889. Gemalt haben das fünf Meter hohe und zehn Meter lange Historiengemälde über den Tuileriensturm die Künstler Bang und Lorch. Es gehört dem Besitzer der Galerie Alpineum, liegt aber seit Jahren zusammengerollt brach und wurde nun als Herzstück der Führung ausgerollt und digitalisiert.

Vier Ausschnitte davon sind in Form von bis zu neun Meter hohen Bildern beim Löwendenkmal aufgestellt. "Wir hoffen, dass dank unserem Projekt dereinst auch das Originalgemälde gezeigt wird", sagt Stadelmann.

Die Kosten für das Projekt beziffert er auf 140'000 Franken, davon seien 100'000 bereits zusammen. Grösste Geldgeber sind die Stadt Luzern und die Albert Koechlin Stiftung mit je 30'000 Franken; Stadelmanns Büro steuert 20'000 Franken bei. Mittels Crowdfunding sollen weitere Mittel generiert werden.

Geplant sind bis am 1. Oktober rund 130 Führungen. Das weltberühmte Löwendenkmal zieht jährlich 1,2 Millionen Besucher nach Luzern. Es steht unter Denkmalschutz.