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Restaurationsarbeiten der Gurlitt-Werke in vollem Gange

Das Kunstmuseum Bern hat alle Hände voll zu tun. Rund 150 Werke der sogenannten "entarteten Kunst" aus dem Erbe des verstorbenen Cornelius Gurlitt müssen restauriert werden. Sie sollen am 1. November dem breiten Publikum präsentiert werden.

Die Restaurationsarbeiten würden gleich heute in Angriff genommen, sagte Direktorin des Kunstmuseums Bern, Nina Zimmer, am Freitag vor den Medien in Bern.

Die Übernahme des Gurlitt-Kunstfundus stellt das Kunstmuseum Bern vor grosse Restaurationsarbeiten. Deshalb sollen sowohl Studenten der Hochschule der Künste Bern sowie private Restauratoren kräftig an den Arbeiten mitwirken. Im Hintergrund der Medienpräsentation waren bereits Restauratoren fleissig an der Arbeit.

Das Kunstmuseum Bern zeigte den Medien fünf ausgewählte Werke von Otto Dix, August Macke, Ernst Ludwig Kirchner und Otto Mueller. Darunter etwa die "Landschaft von Segelbooten", ein Werk auf Papier des deutschen Expressionisten Macke. Solche qualitätsvollen Papierarbeiten kämen besonders häufig in der Sammlung von Gurlitt vor und seien meist in guten Zuständen, hiess es.

Von bester Qualität seien ebenfalls die Werke von Ernst Ludwig Kirchner, einem Künstler der Brücke aus Dresden, der Heimatstadt von Gurlitt. Laut Zimmer habe Kirchner Gurlitt besonders am Herzen gelegen.

Die Kunstwerke aus dem umfangreichen Gurlitt-Konvolut werden zusammen mit der Bundeskunsthalle Bonn in zwei Ausstellungen zeitgleich präsentiert. Während in Bern die "entartete Kunst" - also Werke, die nicht der Raubkunst zugerechnet werden - gezeigt wird, widmet sich die Ausstellung in Bonn dem nationalsozialistischen Kunstraub.

Im Anschluss an die Ausstellungen, die bis Anfang März andauern, werden die Gurlitt-Werke getauscht. Die Bilder aus der Bonner Ausstellung werden im Frühling also auch in Bern zu sehen sein.

Einblicke in die Restauration

Laut Restaurationsleiterin Nathalie Bäschlin wird die Restaurationsphase in zwei Arbeitsschritten ablaufen. In einem ersten Schritt werden die Objekte geprüft, erfasst und erforscht. Hierbei werde eng mit der Provenienzforschung zusammengearbeitet, die neu auch in Bern eingeführt wurde.

In einem zweiten Schritt beginnen die eigentlichen Restaurationsarbeiten. Man müsse sehr behutsam vorgehen bei der Entscheidung, wie weit an den Werken restauriert werden soll, sagte Bäschlin. So müssen etwa Schimmelbefall oder Risse bearbeitet werden. Gleichzeitig wolle man aber auch die Spuren der Geschichte bewahren.

Bei den Arbeiten im eigens eingerichteten Atelier können Interessierte zuschauen, sagte Zimmer. Das Kunstmuseum Bern bietet ab 18. August geführte Rundgänge an. Zusätzlich können sich die Besucher auch an Informationstafeln über Fragen rund um die kunsttechnologische Erfassung, die Präsentation, die fachgerechte Lagerung und die Provenienzforschung orientieren.

Überraschendes Erbe

Cornelius Gurlitt war der Sohn eines vom nationalsozialistischen Regime beauftragten Kunsthändlers. Die Sammlung Gurlitt steht deshalb unter Raubkunstverdacht. Seit seinem Tod wird die Herkunft der Werke erforscht.

Doch auch fünf Jahre nach der Entdeckung der unter grösster Verschwiegenheit gehorteten millionenschweren Kunstsammlung, steht die Aufarbeitung der Herkunft der Werke noch immer vor grossen Schwierigkeiten. Erst bei gut einem Drittel der Gurlitt-Werke ist die Herkunft ermittelt.

Überraschend vermachte der 2014 verstorbene Gurlitt seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Trotz Verbindungen zu Bern sind die Beweggründe unklar. Ein langer Erbstreit mit Verwandten Gurlitts wurde Ende vergangenen Jahres vom Oberlandesgericht in München zu Gunsten Berns entschieden.

Nach Bern sollen laut Abmachung mit Deutschland nur Werke kommen, deren Herkunft sauber ist, will heissen, bei denen es sich nicht um Raubkunst handelt. Bei Werken, deren Herkunft nicht geklärt ist, hat Bern ein Wahlrecht. Als unbelastet gelten Werke, die von den Nationalsozialisten als "entartet" verfemt wurden.