Spezielle Bühnensituation im Theaterturm auf dem Julierpass: Am Donnerstagabend feierte die Oper "Apocalypse" ihre Premiere. (ZVG)
Spezielle Bühnensituation im Theaterturm auf dem Julierpass: Am Donnerstagabend feierte die Oper "Apocalypse" ihre Premiere. (ZVG)
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Theaterturm auf dem Julierpass glückt die Feuertaufe

Das Bündner Kulturfestival Origen hat seinen Theaterturm auf dem Julierpass nun auch künstlerisch eingeweiht: Am Donnerstag feierte die konzertante Oper "Apocalypse" Premiere.

Er ist zweifellos eine der kühnsten Theaterbauten der jüngsten Jahre in der Schweiz: der 30 Meter hohe hölzerne Theaterturm auf dem Julierpass, den das Kulturfestival Origen anfangs Woche eröffnet hat. War es am Montag noch an Politik und Prominenz - auch Bundesrat Alain Berset gab sich die Ehre -, den Turmbau zu Bivio zu bestaunen, fand am Donnerstag die erste künstlerische Darbietung auf 2284 Metern über Meer statt.

Auf dem Programm stand die vom Bündner Komponisten Gion Antoni Derungs (1935-2012) geschaffene Oper "Apocalypse". Origen - auf Rätoromanisch so viel wie "Ursprung" oder "Anfang" - begann seine vierjährige Spielzeit auf dem Pass also gleich mit dem Ende. Oder auch nicht: Das Werk hatte Derungs 2005 im Auftrag des Festivals geschrieben, das in jenem Jahr erst aus der Taufe gehoben worden war.

Landschaft spielt ihren Part

Das ist nur ein Beispiel für die Querverweise und symbolhaften Gesten, mit denen Festivalintendant Giovanni Netzer gerne arbeitet. Den von ihm selbst entworfenen, drei Millionen Franken teuren Turm, hat er mit dem Julierpass an einen Ort des Übergangs gesetzt, an dem sich nicht nur die Wasser scheiden, sondern sich auch verschiedene Sprachgrenzen aneinanderfügen. "An wohl keinem anderen Ort in Europa drängen sich so viele verschiedene Sprachen und Dialekte auf so kleinem Raum", sagte er in seiner Einführungsrede.

Der Spielort selbst sei umgeben von "steinernen Riesen, die nichts wissen von der Zeit", so Netzer. An diesen müsse man sich als Künstler, aber auch als Mensch messen - im Wissen darum, dass man nur eine kleine Episode sei im Angesicht der Dauerhaftigkeit des Gebirges. Während normale Theaterhäuser versuchten, die Aussenwelt auszuschliessen, sei das hier nicht möglich. Die Landschaft sei ebenso Teil der Inszenierung.