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  • Shadi Rahbaran
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Der Rhein als Boulevard

Wie ein Großstadt-Boulevard führt der Rhein mitten durch die Stadt. Es ist Basels größter öffentlicher Raum!

Wir haben miterlebt, wie in den letzten Jahren das Rheinufer – insbesondere das Kleinbasler – stark aufgewertet wurde. Neue Böschungen, Bäume, Bepflanzungen, Treppenanlagen, Grillplätze und Buvettes. Kleinbasel erhielt seinen Zugang zum Rhein und der Rhein wurde zum dem Raum mit der vermutlich stärksten Durchmischung. Hier kommen alle Gesellschaftsgruppen zusammen. Wenn sich das Städtische durch Heterogenität auszeichnet, kann man den Rhein als urbansten Ort Basels bezeichnen. Natürlich führt die Lebendigkeit auch zu Belastungen für die Anwohner, (wie die Autorin dieses Textes beinahe jede Nacht selber erlebt.) Aber: Am Rhein, da ist Basel wirklich ‚Stadt’.

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Der Rhein ist zu gradlinig!

Natürlich ist der Rhein nicht gradlinig. Vermutlich das Erste, was man von Basel kennenlernt ist das Rheinknie, das – mindestens indirekt – auch ein Hauptgrund der ersten Besiedlung unserer Region vor mehr als zweitausend Jahren war. Aber der Rhein ist gradlinig in dem Sinn, dass kaum eine Verzahnung zwischen Fluss und Stadt stattfindet. Es gibt keine Flussbecken, die in die Stadt hineinreichen und auch keine Inseln oder Halbinseln, die sich in den Strom strecken. Bis auf die Birsmündung, die Kraftwerkinsel mit ihren Schleusen, und die Hafenbecken im Norden, ist die Uferkante – natürlich vorteilhaft für die Schifffahrt – glatt und stromlinienförmig. Aber dennoch: wie schön wäre es, am St. Johannspark, oder dort, wo sich die ‚Landestelle’ angesiedelt hat, ein künstliches Flussbecken zu haben, um welches man sich setzen, etwas essen, oder Böötli fahren könnte? Wie schön wäre es am Birsköpfli oder stromabwärts eine kleine künstliche Insel zu haben, auf der man etwas trinken oder sich sonnen könnte?

Der Rhein als ganzjähriger Boulevard!

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Die Buvetten haben einen grossen Anteil an der Aufwertung des Rheinufers. Schaut man sie sich an, scheinen sie alle temporär. Sie haben meist eine Ästhetik des Informellen. Sie sind aus Containern errichtet, benutzen Zelte und mobile Toiletten und sind auch nur ein Drittel des Jahres geöffnet.

Aber sind sie wirklich temporär? Wird uns da nicht eigentlich etwas vorgegaukelt? Aus dem öffentlichen (Sommer-) Leben der Stadt sind sie nicht mehr wegzudenken. Im Nachhinein scheint der informelle Charakter wie ein geschickter Schachzug, eine Lebendigkeit am Rhein zu etablieren, immer mit dem Versprechen, man könnte es jederzeit wieder entfernen.

Ist es nicht jetzt an der Zeit zur Permanenz dieser Einrichtungen zu stehen, und die Vorteile daraus zu ziehen? Wie wäre es, wenn man das ganze Jahr über Cafés und Restaurants entlang des Rheins hätte (und nicht nur um das Hotel Krafft herum)? Wenn man sich auch im Februar zu einem Drink an den Rhein setzen könnte, vielleicht in einem verglasten Innenraum? So wie es die meisten Städte, die an Flüssen liegen, praktizieren. 

Garagen mit Rheinblick

Schaut man sich die Nutzungen auf Erdgeschosshöhe entlang des Rheins an, bemerkt man eigentlich Erstaunliches: So viele Garagen! Die mitunter attraktivsten Orte der Stadt sind für Autos reserviert. Oder es sind Wohnungen, was natürlich prinzipiell gut ist. Aber öffentliche, oder halböffentliche Nutzungen finden sich – mit Ausnahme eines kleinen Abschnitts rund um die Mittlere Brücke – eigentlich gar nicht. Die Erdgeschosse entlang des Rheins sind fast immer nur für die jeweiligen Mieter und Besitzer zugängig. Man wünscht sich, dass sich ab und zu ein Café, ein Spielplatz, oder einem Veloverleih öffnen würde, dass sich der rein private Charakter der Erdgeschosse entlang des Rheins zu einem etwas öffentlicheren wandeln würde. So beenden wir diesen Text mit einem Projektaufruf: Verwandeln wir doch die Garagen mit Rheinblick in Ausstellungsräume, Restaurants und Geschäfte!

Nachwort:

Beim Schreiben dieser Zeilen hört die Autorin den Leser, und insbesondere den Anwohner aufstöhnen: ‚Bitte nicht NOCH mehr Leben am Rhein!’ Aber all die hier skizzierten Ideen und Vorschläge würden zu einer Entzerrung, und damit auch Entspannung führen, so dass sich nicht alles konzentriert auf die wenigen Sonnenmonate im Jahr, und die relativ wenigen Meter zwischen Wettstein- und Dreirosenbrücke der Kleinbasler Seite. So würde es vielleicht großstädtischer und es gäbe gleichzeitig weniger Belastung.

Shadi Rahbaran ist Architektin und führt mit Ursula Hürzeler das Architekturbüro Rahbaran Hürzeler Architekten. Im Iran geboren, lebt sie seit acht Jahren in Basel und lehrte bis 2013 Stadtforschung am ETH Studio Basel.