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  • Christine Staehelin
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Alles erlaubt? Von wegen: Regeln und Verbote für Rheinschwimmer

Mit den steigenden Temperaturen nimmt die Zahl der Rheinschwimmer wieder rasant zu. Vor dem ersten Sprung ins noch kühle Nass zeigt barfi.ch, was Sie bisher vielleicht falsch, oder gar gegen das Gesetz gemacht haben. Die polizeilichen Vorschriften sind lebenswichtig: Der Bach ist kein Swimmingpool.

Es geschah erst vergangene Woche: Der Rhein war nicht der freundliche Postkarten-Fluss lauer Sommertagen, sondern ein dunkler, reissender Strom. Einer der Hardcore-Rheinschwimmer machte sich auf alleine vom Grossbasler ans Kleinbasler Ufer zu kommen. Die Temperatur betrug knappe 14 Grad. Der erfahrene Schwimmer zeigte sichtbar zunehmend grosse Problem ins mindere Basel zu gelangen, der Strom war zu stark. Die letzte Boje kurz vor der Dreirosenbrücke erreichte er nur knapp. Passanten riefen die Polizei, die sofort vor Ort war. Der Rheinschwimmer kam unverletzt ans Ufer. Zum Glück!

Ein Einzelfall. Mitnichten. Vergangenes Jahr gingen 25 Meldungen bei der Polizei ein, dass eine Person im Rhein Hilfe bräuchte. Bei neun war eine lebensrettende Bergung tatsächlich notwendig. Der Tod durch Ertrinken kommt leider öfter als das fröhliche Treiben ahnen lässt.   

Die gefährlichen Vorfälle zwingen  gerade jetzt zu Berginn der Saison zur Frage, was ist erlaubt, was sogar polizeilich verboten? Darf der Rhein schwimmend überhaupt überquert werden? Davon wird stark abgeraten. «Das Wasser birgt Gefahren, die man mit dem eigenen Verhalten beeinflussen kann», sagt Philipp Binaghi, Leiter Kommunikation & Marketing der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Das Wichtigste vorab: Jeder und jede muss seine Grenzen kennen, seine Fähigkeiten einschätzen können und sich an die Vorschriften halten, deren Übertretung mit Geldstrafen geahndet werden. Doch dazu später mehr.

Noch hat der Rhein keine Sommer-Temperatur

Die Sonne strahlt, die Temperaturen steigen. Ab in den Bach. Aus dem Traum wird jedoch schnell ein Albtraum, viel öfter als allgemein bekannt. Vor allen in diesen Frühlingstagen. Mag die Luft noch so war sein, der Rhein ist mit seinen rund 14 Grad kühl. Und wenn die Differenz zwischen der Luft- und Rheintemperatur wie gestern mehr als zehn Grad beträgt, wird es gefährlich. Wer trotzdem und sogar ohne Abkühlen oder sich Benetzen in den Rhein geht, riskiert einen Kälteschock. «Die Blutgefässe ziehen sich zusammen, das Blut zirkuliert nicht mehr wie in normalem Zustand», sagt Philippp Binaghi. Die Folgen können Ohnmacht und gar ein Herzinfarkt sein.

«Das ist der Extremfall», beschwichtigt Philipp Binaghi. «Weitaus häufiger findet eine Unterkühlung statt». Schlimm genug. In diesem Fall muss man als Schwimmer ein gutes Körpergefühl haben und merken, wann man aus dem kühlen Nass sollte. «Bei einer Unterkühlung zieht der Körper das Blut aus den Extremitäten, die Gefahr von Muskelkrämpfen steigt», erklärt der SLRG-Mediensprecher weiter. Und diese können beim Schwimmen gefährliche Wirkung zeigen. Jeder sollte eigentlich selbst wissen, wie kälteempfindlich er ist und sich entsprechend vernünftig verhalten. «In der Frühlingszeit ist man am besten beraten, einfach nur die Füsse ins Wasser zu strecken», so Philipp Binaghi.

Wo schwimmen erlaubt ist - und wo polizeilich klar verboten

Selbst wenn es dann endlich richtig heiss und ideales Rheinschwimm-Wetter ist, darf man nur in klar definierte Zonen schwimmen, der restliche Rhein ist tabu. «Die Verbote sind sinnvoll und retten Leben», sagt Philipp Binaghi, selber ein begeisterter Fan vom Treiben im Bach. Die Zone auf der Kleinbasler Seite beginnt beim Einstieg Tinguely Museum und endet kurz vor der Dreirosenbrücke, die Schwimmzone ist mit Bojen markiert. A propos, Bojen: Diese dürfen nicht zum Spass benützt werden. Sie sind weder für den «Bojen-Effekt», noch für eine Mutprobe im Wasser.  

In die Nähe von Brückenpfeilern sollte man gar nicht schwimmen. Zu gross ist die Strudelgefahr © barfi.ch

Auf der Grossbasler Rheinuferseite gibt es keine durchgehende Zone, dafür drei fürs Schwimmen geeignete Abschnitte: Von der Breite bis zum Münster, von der Kllingentalfähre «Vogel Gryff» bis kurz vor der Ueli Fähre. Und auch beim Rheinbadhüsli St. Johann.

© Rheinschwimmen.ch

 

Ausserhalb dieser auf der Grafik ersichtlichen Zonen ist das Schwimmen im Rhein gefährlich. Denn er ist vor allem eine Strasse für die Schifffahrt. Wer zu nahe an ein Schiff kommt, kämpft schnell um das eigene Leben. Der Sog wird sehr gross und die Schiffsschrauben sind lebensgefährlich. Sog und Strudel gibt es auch rund um die Brückenpfeiler. «Man sollte gar nicht in die Nähe eines Pfeilers schwimmen», so Philipp Binaghi. Das Überqueren des Rheins ist schlicht lebensgefährlich. Wie auch das Herabspringen von einer Brücke. Man gefährdet nicht nur sein Leben, sondern auch jenes der Rheinschwimmer. 

Unkonventionelle Schwimmhilfen

Plötzlich passiert es und man sieht einen Schwimmer in Not. Was ist da zu tun? «Wir verfolgen das Grundprinzip: Retten mit geringstem Risiko», erklärt Philipp Binaghi. Zuerst sollte man Alarm schlagen. Mehr Helfer können mehr bewirken. Zudem sollte man sich selbst nicht in Gefahr begeben, sondern vom Ufer aus Hilfe leisten. Zum Beispiel indem man Rettungsmittel oder Schwimmhilfen in Richtung des Schwimmers wirft. «Dies kann auch eine leere Pet-Flasche als Schwimmhilfe oder eine Hose als Rettungsseil sein», so der SRGL-Mediensprecher. Nur in letzter Konsequenz sollte man selbst ins Wasser gehen.

Trotz all diesen Gefahren: Ein Schwumm im Rhein ist und bleibt im Sommer etwas vom Schönste, das Basel zu bieten hat. Und wenn man sich an die Regeln hält, steht der Abkühlung nichts im Weg. Doch wer die Vorschriften bricht, bezahlt im besseren Fall ein Busse, im schlimmsten Fall aber mit seinem Leben. Die Regeln und Verbote sind nötig. Was niemand hören mag, ist traurige Realität. Kaum ein Sommer der letzten Jahren ohne tragische Todesfälle. 

Das offizielle Rheinschwimmen findet am 14. August 2018 statt. Weitere Informationen 

Präventionstipps der SLRG

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