• Christian Platz
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Basler Flops und Fehlplanungen (1): Projekte, Bauten, Plätze

In dieser Serie stellt barfi.ch Basler Flops und Fehlplanungen vor, die sich – für alle sichtbar – in unserer Stadt manifestieren. Im ersten Teil geht es um Projekte, Bauten und Plätze. 

Erlenmatt-Turm: Tower für UFOs?

50 Meter hoch und vollkommen sinnlos. So steht er bei der Nordtangentenausfahrt Horburg. Seit bald 20 Jahren. Als er gebaut wurde, hatte man sich gefragt, was da entstehen soll. Ein Wachturm für ein kleines Straflager? Ein Mini-Hochkamin für eine private Abfallverbrennungsanlage? Ein Tower für UFOs? Tatsächlich wurde das Ding für einen Zweck gekauft: Nämlich für die Entlüftung der unterirdischen Autobahn. Allerdings wurde schon kurz vor Baubeginn klar, dass dies technisch nicht möglich ist. Der Turm wurde trotzdem gebaut, er hat ja auch nur 3,5 Millionen gekostet. Jetzt steht er einfach so da. 2016 war die Rede davon, ihn abzureissen. Nun soll er unter Denkmalschutz gestellt werden. Ein Denkmal im Zeichen der Sinnlosigkeit. Sehr poetisch.

Stücki: In diesen leeren Hallen, kennt man den Erfolg nicht

Was haben sie nicht Werbung gemacht für den Bau dieses Einkaufstempels. Und wunderbare Gutachten im Vorfeld. Unser ehemaliger Regierungspräsident hat sich dafür engagiert. Das Gelände der ehemaligen Stückfärberei – das mit dem vergifteten Boden –, das danach für fröhliche kulturelle Zwischennutzungen zur Verfügung stand, sei der ideale Ort für die modernste Basler Shopping Mall. Dies in unmittelbarer Nähe der Grenze zu Deutschland, wo das Einkaufen sowieso billiger ist. Das Stücki wurde also durchgeboxt, während seiner Entstehung haben einige Leute immerhin einiges an Geld verdient. Aber nach der Eröffnung kam leider niemand mehr. Inzwischen ist schon lange klar: Das Ding ist ein Megaflop aus dem Bilderbuch. Die Hallen sind leer, die Kundschaft bleibt aus. Was tun? Der letzte Meisterplan: Ein Multiplex Kino soll rein, mit 18 Sälen. In unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze, hinter der auch die Kinobillets viel billiger sind.

Boulevard: Wissen die eigentlich, was das ist? 

Ein Boulevard ist ein breite Strasse, von Bäumen gesäumt, die zumeist entlang von ehemaligen Stadtmauern verläuft. Auf diesen Ursprung verweist schon das Wort Boulevard, das vom Begriff «Bollwerk» abstammt. Es gibt weltberühmte Vertreter dieser Strassengattung, etwa den Boulevard St. Denis, den Boulevard Beaumarchais in Paris oder den Santa Monica Boulevard in Los Angeles, der Stadt der Engel. In Basel sieht das alles ein bisschen anders aus. Hier verpasst man Strassen, die entweder ein bisschen trostlos oder etwas schlecht erschlossen oder halt verkehrstechnisch mies geplant sind. Ab 2004 war es Mode, diese unglücklichen Strassenzüge mit einem Boulevardkonzept aufzuwerten. Da wurden dann Trottoirs verbreitert, sodass alle Velofahrer immer mit den Tramschienen kämpfen müssen. Es wurden Blumentöpfe hingestellt, als Baumersatz, und dazu erklang das Lied der grossen Aufwertung als Soundtrack. Die Resultate: Boulevard Clarastrasse, da öffnen und schliessen die Läden so oft, wie ein Mensch mit den Augen blinzelt, wenn die Sonne scheint; Boulevard Güterstrasse, die bösartigste Velofalle der Stadt; Boulevard Horburgstrasse, Trostlosigkeit pur. Fazit: Die Magie der Worte wirkt am Rheinknie halt auch nur bedingt.

Aeschenplatz: Die unendliche Schwere des Seins

Aeschenplatz, so heisst die Tramstation. Eigentlich sind es ja drei, oder fünf: Der 11er und der 8er fahren hier derart weit nach vorne, dass man die Haltestelle eigentlich gleich mit der des Bahnhof SBB zusammenlegen könnte. Der 14er und der 3er halten weit entfernt am anderen Ende des Aeschenplatzes, sodass man eigentlich eine Tramverbindung zwischen dem einen und dem anderen Ende diese Unorts schaffen müsste. Und der 15er schneidet einfach wie ein Messer durch die Mitte. Aber das ist noch längst nicht alles. Der Verkehr strömt hier – während der Stosszeiten besonders heftig – in alle Richtungen. Autos, Velos, Passantinnen, Passanten: Chaos pur, seit Jahrzehnten. Wer hier durch will, muss sich warm anziehen. Am besten in Schaumstoff, bevor er von einem Verkehrsmittel gerammt wird.

Bahnhofsvorplatz: Beim Sterben ist jeder der Erste

Stellen sie sich vor, Sie kommen in Basel an. Zum ersten Mal, ortsunkundig, geradezu fröhlich treten Sie aus dem Nordkopf des Bahnhof SBB ans Licht. Und schon werden sie von einem Drämmli auf die Hörner genommen. Das war ein kurzer Besuch. Was haben die Planer uns nicht alles versprochen, als der Bahnhof SBB neu geplant wurde. Von einem grossartigen Konzept war die Rede, davon, dass die Leute aus dem Bahnhof wunderbar in die Stadt geleitet würden. Aber das ist leider alles nichts geworden. Hier herrschen permanente Druggede, komplette Verwirrung und hartnäckige schlechte Laune. Was für eine Visitenkarte für die alte Stadt am Rheinknie, die nicht mal hier von einem grossen Flop verschont wurde.

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