• Nathan Leuenberger
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Basler Teslas: Die brandgefährlichsten Polizeiautos der Welt?

Die Aktie im freien Fall, Rekordverluste im letzten Quartal, Unfälle mit tödlichem Ausgang und ein Chef, der mit seinen Aussagen für negative Schlagzeilen sorgt. Tesla hat es zurzeit schwer. Trotzdem entschied sich die Basler Polizei ausgerechnet für die Elektroautos als Dienstfahrzeuge.

Ja, es gab sogar Lob vom Tesla-Chef höchstpersönlich als die Basler Polizei verkündete, künftig in Teslas für Recht und Ordnung zu sorgen. Damals, vor zwei Monaten, sah es eigentlich vor den Kulissen noch ganz gut aus für die amerikanische Firma – obwohl sich der Zerfall bei genauem Hinschauen bereits ankündigte. Inzwischen ist es um die Firma des Unternehmers Elon Musk nicht mehr gut bestellt.

Die Aktie ist im Sinkflug, der Chef macht mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam und das Mittelklasse Model «Tesla 3» floppt im Verkauf. Dazu kommen weitere wirklich böse Nachrichten, die mit brennenden Teslas zu tun haben. Erst vor knapp einer Woche kam es auch im Süden der Schweiz auf der A2 zu einem tödlichen Unfall, bei dem ein Tesla in Vollbrand aufging. Die örtliche Feuerwehr hatte beide Hände voll zu tun, denn das Fahrzeug liess sich nicht auf herkömmliche Art und Weise löschen. Über 11'000 Liter werden gebraucht, um das Feuer eines Elektroautos zu bändigen. Eine österreichische Feuerwehr hat ihre erste Erfahrung mit einem Tesla-Brand dokumentiert: 

7'000 kleine Lithium-Ionen-Zellen sind in der Batterie eines Teslas eingebaut. Erhitzen und entzünden sich diese, kann das Fahrzeug immer wieder aufs Neue in Flammen aufgehen. Auch viele Stunden später, nach dem ersten Brand. Eine deutsche Feuerwehr musste deshalb ein brennendes Elektrofahrzeug erstmal drei Tage in einem Container zwischenlagern, damit die Batterie sicher abgekühlt war. Wie man sich im Brandfall zu verhalten hat, veröffentlichte Tesla gleich in einem eigenen Handbuch für Rettungskräfte. Dadurch wälzen sich nun Basler Einsatzkräfte, damit sie im Ernstfall gerüstet sind. Diesen können sie an den teuren Teslas in der Praxis nicht üben, denn das Fahrzeug würde dadurch komplett ruiniert.

Nach dem Brandfall im Tessin vermuteten die Rettungskräfte zuerst, dass die Batterie selber der Auslöser für den heftigen Brand war. Diese Vermutung veröffentlichten Sie dann, zusammen mit einem Bild des Unfallortes, auf Facebook. Ein paar Stunden später war der Eintrag wieder gelöscht – von Tesla und der Kantonspolizei zurückgepfiffen. «Wir sind sehr betroffen von diesem Unfall. Wir arbeiten daran, die Fakten zum Hergang des Unfalls zu ermitteln und bieten den lokalen Behörden unsere volle Zusammenarbeit an. Bisher haben wir noch keine Daten vom Unfallfahrzeug erhalten, deshalb wissen wir noch nicht, was wirklich passierte, obwohl es scheint, dass es ein Unfall aufgrund hoher Geschwindigkeit war», sagte ein Sprecher von Tesla gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Eine Antwort, die inzwischen schon öfters im Zusammenhang mit feuerfangenden Teslas zu lesen war. Der Hersteller selbst scheint sich gar nicht sicher zu sein, wie hoch das Gefahrenpotential der Batterien einzustufen sei. Zurück bleiben Einsatzkräfte, welche wie im Tessin auf die Anweisungen der Kalifornier per Handy angewiesen sind, wenn die Fahrzeuge im Ernstfall gelöscht werden müssen.

Wenn Polizeiwagen in Flammen aufgehen, würde es bei den bestellten «Tesla X» besonders gefährlich werden. Nicht vergessen darf man die zusätzliche Technik, die speziell für unsere Blaulichtorganisation eingebaut wird. Wie brandanfällig diese ist, weiss niemand. Jedenfalls wären im Brandfall 140'000 Schweizer Franken futsch. Und mit welchen Gadgets die Basler Polizeiwagen nebst Flügeltüren aufwarten, werden wir wohl noch dieses Jahr sehen, vorausgesetzt die ersten Fahrzeuge werden pünktlich ausgeliefert. Bei Tesla keine Selbstverständlichkeit, aber Hauptsache es reicht bis zur Fasnacht. Dort dürfte die Anschaffung aus dem Departement Dürr garantiert eines der Hauptsujets sein.

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