Regierungsrat Conradin Cramer nach 100 Tagen im Amt: «Ich kann nicht anders als im Team arbeiten». Bild A. Schwald
Regierungsrat Conradin Cramer nach 100 Tagen im Amt: «Ich kann nicht anders als im Team arbeiten». Bild A. Schwald
  • Andreas Schwald
  • Aktualisiert am

Charmant im Amt: 100 Tage Cramer – umstrittener Univertrag mit Baselland bald gesichert

Der neue Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer trat nach 100 Tagen im Amt erstmals vor die Medien. Bereits vor den Sommerferien will er den Universitätsvertrag mit Baselland neu ausgehandelt haben – und er gab sich so kompetent und charmant, wie es dem lächelnden Mann mit den schweren Manschettenknöpfen gebührte.

Wie er da vorne steht, vor der Wandtafel, die seinen Namen trägt, und im Hintergrund eine Präsentation mit anschaulichem Bildmaterial läuft: Lächelnder Conradin Cramer am Telefon, seriöser Conradin Cramer bei einer Schulhauseröffnung – ja, der Mann macht alles richtig. Zu seiner ersten Medienkonferenz lädt er ins Kleinhüninger Primarschulhaus, «an einen Ort, an dem Sie ja sonst nicht so oft sind, schauen Sie: Ein Schulzimmer mit Blick auf den Hafen. Ein wirklich wichtiger Ort für Basel». Da steht er also, Conradin Cramer, Nachfolger von Christoph Eymann, im perfekt geschnittenen blauen Anzug. Die Manschettenknöpfe und der dicke Siegelring kontrastieren mit dem jugendlichen, dreitagebärtigen Gesicht des ehemaligen Anwalts aus der renommierten Basler Kanzlei Vischer.

Jetzt ist er also Erziehungsdirektor und es ist schon etwas seltsam, erstmals einen etwa Gleichaltrigen als Regierungsrat gegenüber stehen zu haben. Die Duz-Quote im Raum ist hoch, viele Journalisten kennen Conradin noch als Conradin, den galanten Grossrat der bürgerlichen LDP, den stets korrekten und eloquenten Parlamentarier, die kompetente und gut aussehende Ausnahmeerscheinung der Basler Lokalpolitik.

Luege, loose, Univertrag uushandle

Cramer macht also alles richtig, zumindest nach aussen: Er gibt sich natürlich, gestikuliert entschlossen, repräsentiert das, was man gemeinhin mit «dynamisch» meint – und ist kein Vergleich zu Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, die in der Woche zuvor über ihre ersten 90 Tage im Amt informiert hatte. Der Neuregierungsrat stellt seine Einführung schön leitmotivisch unter das schulfreundliche Motto «luege, loose, laufe», er habe also zuerst geschaut, dann den Menschen im Departement und vor allem auch den Lehrern zugehört, und jetzt beginne eben das Gehen, die Bewegung: Zuerst will er das Tagesbetreuungsgesetz noch vor den Sommerferien ins Parlament bringen und dann, so es der Verhandlungsgott will, soll er auch seinen ersten schweren Brocken präsentieren können.

Der Brocken ist die Universität Basel und wie viele Verhandlungen Cramer in den ersten 100 Tagen mit der Baselbieter Amtskollegin Monica Gschwind geführt hatte, konnte oder wollte er nicht sagen; es seien viele gewesen. Noch vor den Sommerferien, oder der «Sommerpause», wie Cramer sagte, wolle er also mit Gschwind das erste grosse Resultat präsentieren. Es geht um die Zukunft der Universität und die gemeinsame Trägerschaft mit Baselland; der Nachbarkanton will sparen und setzte den Rotstift bei der Hochschule an. Nach einer 80-Millionen-Überweisung von Basel-Stadt geduldete sich Baselland noch mit radikalen Massnahmen. Jetzt liegen erste Resultate vor.

Sicherheit für die Uni und vielleicht ein Dach für die Kunsti

Konkreter wurde Cramer nicht, stellte aber eine «Stärkung der Trägerschaft» und «Sicherheit für die Uni Basel» in Aussicht. Das Einvernehmen mit Baselland sei gut und man dürfe vom guten Verhandlungsklima auch positive Auswirkungen für den Kulturvertrag mit den Nachbarn erwarten. Ein weiteres Geschäft von Monica Gschwind, das die Stadtpolitik auf Trab hielt. Von Stadtseite aus wird dieses durch Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann vertreten.

Souverän also moderierte sich Cramer durch die Medienkonferenz, beantwortete die Fragen geflissentlich und charmant, ganz politischer Rhetoriker. Zwischendurch bröckelt die rhetorische Fassade, unter dem perfekten Outfit leichte Spuren von Unsicherheit, aber nie so, dass er richtig ins Stocken geraten würde. Die Eisflächenstrategie? «Ziel ist es, dass ausreichend Flächen für Vereine, Individual- und Leistungssport zur Verfügung stehen», daher erwäge man allenfalls sogar eine zusätzliche Überdachung auf der Kunsteisbahn Margarethen. Berufsbildung? «Ein wichtiges Thema, die Berufsschulen sollen gestärkt werden, denn das Gymnasium ist nicht der alleinige Königsweg der Ausbildung.» Sätze, schön wie geschliffene Kristalle, und über allem steht Cramers aktuelles Hauptmotto: Kontinuität schaffen, Ruhe ins reformgeplagte System bringen, die Uni Trägerschaft auf sichere Beine stellen. Denn «wir wollen ein Bildungssystem haben, das funktioniert.»

Das Wunderkind als Regierungsmanager

Nein, der Mann ist kein Klon seines Vorgängers, obwohl es auch Eymann nicht an medialem Charme und kommunikativer Beflissenheit fehlte. Cramer repräsentiert eine andere Generation, eine Generation der kollaborativen Leader, denen das Wort Team so selbstverständlich im Wortschatz liegt, dass sich jeder Mitarbeiter geschmeichelt fühlt, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Da ist nichts von Patron, nichts von magistral-dickbäuchiger Reserviertheit, da steht einzig einer mit 38 Jahren in der Blüte seiner Schaffenskraft und am Wendepunkt der eigenen Geschichte. Deshalb fragt man gar nicht nach den grossen Zielen, behaftet ihn nicht auf etwaige Ratlosigkeit oder den einen oder anderen flackernden Satz, im Gegenteil: Vom Sitz der Hose bis zur Wahl der Worte stimmt das Bild des inspirierten Polit-Managers, der sehr wohl Verantwortung wahrzunehmen gedenkt, während ihm das Ganze erst noch ein gutes Stück Spass zu bereiten scheint.

Conradin Cramer ist das Wunderkind der Basler liberaldemokratischen Partei und der hiesigen Lokalpolitik, und Cramer tritt genau als der beflissene Regierungsrat auf, der er sein will. Die Präsentation der Prioritäten während seiner ersten 100 Tage im Amt lässt kaum Raum zum Mäkeln und die Fokussierung auf die Uni-Trägerschaft kommt so selbstbewusst daher, wie sie es bei einem verhandlungssicheren Anwalt auch sein sollte. Da war die schief sitzende Krawatte geradezu sympathisch: Hätte er die vor der Präsentation auch noch gerichtet, es wäre alles fast schon beängstigend perfekt gewesen. Cramer macht mit seiner Mischung aus Charme und Biss bislang also alles richtig – zumindest vor den Medien. Was zählt ist, wie es am Verhandlungstisch aussieht. Und das sehen wir nicht nach einer Show zu 100 Tagen im Amt, sondern erst, wenn die neue Uni-Vereinbarung mit den Baselbietern auf dem Tisch liegt.

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