• Text und Bilder: Binci Heeb
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Einzigartiger Schatz hinter grossem grünen Tor am Heuberg verborgen

Basel hat viele Wunder, an denen man vielleicht täglich vorbeizieht, aber keine Ahnung hat, was sich hinter Toren und Mauern für bedeutende Geheimnisse verbirgt. Haben Sie sich auch schon gewundert, was sich wohl hinter dem grünen Tor am Heuberg 33 verbergen könnte? 

  

Rechts vom Eingang ist ein Schild, welches besagt, dass sich hier das Frey-Grynaeische Institut befindet. Barfi.ch blickte hinter das grüne Tor und entdeckte dabei nicht nur eine spannende Geschichte, sondern eine wichtige, aber kaum bekannte Basler Institution. 

Das von Theologieprofessor Johann Ludwig Frey, dem Nachkommen einer wohlhabenden Gelehrtenfamilie, errichtete Institut, geht auf eine Stiftung aus dem Jahr 1747 zurück. Sie war als Erinnerung an seinen früh verstorbenen Kollegen und akademischen Freund Johannes Grynaeus, der ebenfalls aus einer angesehenen Gelehrtenfamilie stammte, gedacht. Beide Männer wurden in der Leonhardskirche zusammen beerdigt. 

In der Gründungsurkunde steht geschrieben, dass zur Verwaltung des Instituts jederzeit ein tauglicher, gottesfürchtiger, eifriger und wissenschaftlich versierter Theologe eingesetzt werden soll. Dieser habe Vorlesungen zu halten, muss  publizieren und das Institut zum Nutzen der Studierenden einrichten. Er dürfe – ursprünglich mietfrei - im Haus wohnen, hätte aber für die notwendigen Renovationsarbeiten und die Erhaltung der Bibliothek zu sorgen. Darüber hinaus sollten jeweils drei angesehene, verständige und gewissenhafte Männer ein wachsames Auge halten.

Bildnisse von Johann Ludwig Frey ((1682-1759) und Johannes Grynaeus (1705-1744) im Sitzungszimmer des Frey-Grynaeischen Instituts.

Die Stiftung

Tafel der Lektoren. Es fehlt: Martin Wallraff, 2008-2017 

Die ursprünglichen finanziellen Ressourcen sind heute nicht mehr vorhanden. Das Kapital ist die historische Bibliothek, das Gebäude am Heuberg 33 sowie eine über 250-jährige Geschichte der Gelehrsamkeit und der theologischen Forschung. Wachsame Augen hält ein äusserst prominent besetztes Kuratorium aus Peter Schmid, ehemaliger Erziehungsdirektor BL, dem Juristen und Bankier Georg Krayer und Notar Thomas Gelzer, welche die Aktivitäten überwachen und kritisch begleiten. Sie folgen auf 39 weitere illustre Namen, wie Jacob Burckhardt, Johann Jakob Stähelin, Jakob Wackernagel oder Ernst Vischer-Geigy, die das Kuratorium zuvor leiteten.

Das Tagesgeschäft wiederum trägt Theologieprofessor und Studiendekan Moisés Mayordomo, der den Titel Lektor trägt, am Heuberg arbeitet und seit Anfang Jahr, wie bereits alle anderen Lektoren vor ihm, dort wohnt. Die Stiftung arbeitet eng mit der Universität Basel zusammen, der grosse Teil der Räumlichkeiten ist als Büroraum an die Theologische Fakultät der Uni Basel vermietet.

Der Lektor 

Auf die Stelle des Lektors kann man sich nicht bewerben, man wird berufen. Voraussetzung ist unter anderem eine Anstellung an der Universität Basel. Die Aufgaben des Lektors haben sich im Laufe der Zeit etwas gewandelt. «Ich mähe den Rasen und trage Sorge zur Bibliothek », sagt Moisés Mayordomo. Daneben nimmt er den offen formulierten Bildungsauftrag in der Stadt Basel wahr, indem er Vorträge und Führungen organisiert. Auch eine kleine Vortragsreihe zum Aspekt der akademischen Freundschaft, wie sie bei Frey und Grynaeus bestand, schweben ihm vor.

Der alte Vorgarten mit den Rosen aus vergangener Zeit.

Eine Universalbibliothek

Das Frey-Grynaeische Institut beherbergt eine bedeutende historische Bibliothek, welche 13‘000 Bände von den Anfängen der Buchdruckkunst bis ins 19. Jahrhundert umfasst. Es handelt sich um eine einzigartige Universalbibliothek aus allen Wissensbereichen, von Mathematik über Geschichte, Anglistik bis Theologie. 6‘000 dieser Schriften befinden sich in der Bibliothek am Heuberg. Die restlichen Bücher und Handschriften sind als Dauerleihgabe in der Universitätsbibliothek Basel untergebracht. Darunter auch besonders wertvolle Erstdrucke aus dem 16. Jahrhundert. Viele dieser Bücher wurden sogar in Basel gedruckt. Die Bibliothek ist geschlossen erhalten und hervorragend dokumentiert und gilt als einzigartiges Zeugnis der Wissensgeschichte des 18. Jahrhunderts.

Die einzigartige Gelehrtenbibliothek umfasst 9'500 Drucke vor 1800.

Sie wurde noch bis in die Mitte der 1950er Jahre unsystematisch weitergeführt. Stellvertretend für die Vielzahl von Büchern zeigt Moisés Mayordomo ein Wörterbuch, das «Dictionarium undecim linguarum» von Ambrosius Calepinus aus dem Jahr 1605. Das in Basel gedruckte Buch ist in mit Tierknochen verstärktes Leder gebunden. Auf 1884 Seiten werden Begriffe vom Lateinischen in zehn Sprachen, darunter Hebräisch, Griechisch, Französisch, Italienisch, Deutsch, Flämisch, Spanisch, Polnisch, Ungarisch und Englisch, übersetzt.

Wörterbuch «Dictionarium undecim linguarum» von Ambrosius Calepinus aus dem Jahr 1629 vom Lateinischen in 8 Sprachen übersetzt.

Neben den Büchern sammelten Ludwig Frey und Johannes Grynaeus auch Kunstgegenstände, die damals als Bildungsgut galten. Darunter sind Ikonen, Siegel, römische Lampen, Globusse aus dem 17. Jahrhundert und Münzen. Ein grosser Teil dieser Sammlung wurde dem Historischen Museum Basel übergeben.

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Die Bibliothek kann man nach Absprache und Terminvereinbarung mit dem Lektor besichtigen. Zu wissenschaftlichen oder kulturellen Zwecken dürfen die Bücher dort angeschaut, aber nicht ausgeliehen werden.