Metropole am Fluss: In Manchester geht es wieder aufwärts. Bilder: Beat Meier
Metropole am Fluss: In Manchester geht es wieder aufwärts. Bilder: Beat Meier
  • Andy Strässle
  • Aktualisiert am

FC Basel-Gegner Manchester – Der Maschinenraum der Welt

Basel und Manchester wurden einst durch Textilien reich. Beide Städte liegen an einem Fluss, haben Uni und einen Flughafen. Während die Pharma-Stadt Basel wirtschaftlich boomt, kam Manchester erst in den zehn Jahren wieder auf die Beine.

«Was Manchester heute macht, macht die ganze Welt morgen», so verstand sich die nordenglische Metropole noch in der viktorianischen Blütezeit. Mitte des 20. Jahrhunderts war es damit aber vorbei. Der «Maschinenraum der Welt» hatte den Anschluss ans anbrechende Dienstleistungszeitalter verpasst. Tausende von Stellen in der Schwerindustrie und in der Textilindustrie gingen verloren. Die älteste Industriestadt der Welt war am verlottern und auch die eiserne Lady, Premierministerin Margaret Thatcher, hatte kein Mitleid. In den elf Jahren ihrer Amtszeit besuchte sie Manchester nur einmal. Noch in den Neunziger ächzte die Stadt mit rund einer halben Million Einwohnern unter einer hohen Arbeitslosigkeit und schlechter Infrastruktur. 

Einst der Schandfleck im Norden

Die Innenstadt war ein düsterer Schandfleck, in den Strassen, Pubs und Clubs herrschten eine hohe Kriminalität und unverhohlener Rassismus. Der Hass richtete sich gegen Pakistaner und Inder, die in grosser Zahl in Englands Norden lebten und sich nur zögerlich in die einheimische Bevölkerung integrierten. Während Basel seinen Aufschwung ebenfalls den Textilien zu verdanken hat, und auch an einem Fluss liegt, so ist in Manchester heute alles etwas grösser. Die Stadt hat zwei Fussballclubs in der obersten Liga. Gleich zwei Universitäten sind in der Stadt an der Mersey zu Hause und auch zwei Opernhäuser bespielen die Bevölkerung.

Nach sozialen Unruhen in den neunziger Jahren und düsteren Aussichten geriet Manchester in den Nuller Jahren allmählich wieder in Schwung. Nicht nur zog die BBC mit einigen Studios in den Norden. Auch die englische Regierung half mit die Region wieder in Schwung zu bringen. Über eine Milliarde Pfund pumpte London in den Norden. Das war auch nötig. Die Metropole im Norden hatte einen hohen Preis für den Privatisierungswahn der Thatcher-Regierung gezahlt: So wurden etwa Buslinien einzeln an unterschiedliche Anbieter vergeben, so dass in den Neunziger die Oxford Street von einem einzigen Bus-Wirrwarr zugestellt wurde, während Nebenquartiere von keinem Bus angefahren wurden. So, dass düstere Dieselschwaden über der verlotterten Innenstadt hingen.

Boom dank Einwanderern und Studenten

Heute boomt Manchester als Studentenstadt und profitiert von Einwanderern aus der ganzen Welt. Aus Polen, Tschechien und den baltischen Städten kommen billige Arbeitskräfte in den Norden, die bereit sind zu Niedrigstlöhnen zu schuften, was der Wirtschaft zusätzlichen Schub verleiht. Äusserlich ist Manchester heute eine moderne, blitzblanke Metropole, die auch Party-Touristen aus London anzieht. Denn das Nachtleben, das vor einigen Jahren aus Darts und Bier bestand, ist mit dem Ansturm der Studenten aufgeblüht. Und die Londoner freuen sich, dass in Manchester der Ausgang einiges günstiger kommt, als derjenige in der Hauptstadt.

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