Bild: Keystone / Montage barfi.ch
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  • Kenneth Steiner
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Fasten und Festen: Heute beginnt der Ramadan für 18'000 Basler Muslime

Für 18'000 in Basel lebende Muslime heisst es ab heute Nacht bis zum 14. Juni dieses Jahres tagsüber auf vieles zu verzichten.  

Heute beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Für die Basler Muslime bedeutet dies einen Monat voller Verzicht und Umstellungen im Alltag. Doch welche Bedeutung hat der Ramadan, was bedeutet er konkret für das Leben der Muslime in Basel?

Ramadan steht für einen bestimmten Monat im islamischen Kalender. Muslime betrachten ihn als besonders heiligen und legen während der kompletten Ramadan eine Fastenzeit, der ganz besonderen Zeit ein. Sie wollen so zu innerer Ruhe finden und damit Gott näherkommen. Da sich der islamische Kalender nach dem Mondstand und nicht nach der Sonne richtet, kann der Ramadan mal 29, mal 30 Tage dauern. Ausserdem verschiebt sich sein Beginn jedes Jahr. Praktizierende Gläubige sollen besonders enthaltsam leben und sich mit Höflichkeit begegnen. Verboten ist daher während des ganzen Ramadan, zu lügen oder zu fluchen. Was natürlich nicht bedeutet, dass dies dafür die restlichen Monate vom Koran erwünscht ist.

Fasten vom Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang

Bekannt ist der Monat allerdings vor allem für den Verzicht auf Essen und Trinken, solange die Sonne am Himmel steht. Jeweils von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang dürfen Muslime nichts zu sich nehmen. Um genau zu sein, beginnt die Nacht in Basel zurzeit mit dem Sonnenuntergang um 20.58 Uhr und dauert dann bis um 5.50 Uhr. Die Zeit wird sich in den folgenden Juni-Tagen dann noch um ein paar Minuten verschieben.

Erst wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, wird bei einem allabendlichen Fastenbrechen, genannt «Iftar», gegessen, getrunken und das gar nicht etwa bescheiden. Auch bevor die Sonne wieder auftaucht, darf der Kühlschrank noch einmal weit geöffnet werden. Das Fasten im Monat Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam, also ein unumstössliches Gebot. Für Aussenstehende mag es hart oder gar befremdlich klingen, einen Monat lang den ganzen langen Tag weder zu essen noch zu trinken. Selbst ein kleiner Schluck Wasser ist vor Sonnenuntergang vollständig tabu. In der islamischen Welt stellt sich die Bevölkerung entsprechend auf den Fastenmonat ein, alles geht etwas gemächlicher und ruhiger zu, ein Schläfchen am Tag ist die Regel und nicht die Ausnahme. In Basel geht trotz des Fastens tagsüber der Alltag für die Muslime allerdings normal weiter. Arbeit und Schule rufen. Nichts essen und nichts trinken während des Ramadans, das kann bei körperlich anstrengenden Berufen an die Substanz gehen. Im Gegensatz zu vielen ursprünglichen  Heimatländern der Basler Muslime, bietet das Wetter zurzeit zum Glück ein etwas milderes Klima.

Basler Schulen haben Verständnis

Wie Simon Thiriet, Mediensprecher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt, auf Anfrage von barfi.ch bestätigt, sind sich auch die Basler Schulen über den speziellen Fastenmonat einiger ihrer Schüler bewusst. «Wir pflegen an den Schulen einen pragmatischen Umgang mit dem Ramadan. Die Kinder kommen zur Schule, essen dann aber beispielsweise im Hauswirtschaftsunterricht nicht mit. Oder Lehrpersonen schauen im Sportunterricht, dass fastende Jugendliche nicht gleich bei 35 Grad einen 12 Minuten-Lauf absolvieren müssen».

Im Leitfaden des Erziehungsdepartements zum «Umgang mit religiösen Fragen an der Schule» steht ausserdem geschrieben, wie wichtig es ist, «dass sich die Lehrpersonen bewusst sind, wann genau der Ramadan stattfindet und umfassendes Fasten in einer nichtmuslimischen Umgebung sehr anstrengend ist». Die Basler Lehrerin, Muslima und Buchautorin Jasmina El-Sonbati kennt den Ramadan aus ihrer eigenen Jugend. Sie sagt: «Als Teenager konnte ich gut fasten und wollte den Ramadan auch einhalten».

Von 10 bis 21 Stunden

Übrigens sind die täglichen Stunden die gefastet werden müssen weltweit sehr unterschiedlich. Basler Muslime müssen dieses Jahr rund 17 Stunden täglich fasten und liegen damit eher im Mittelfeld. Je südlicher ein Muslim auf der Erde lebt, desto weniger Stunden pro Tag dauert sein Verzicht. UmgekehrtJeweils wesentlich länger gilt das Fasten natürlich je nördlicher der Wohnort liegt. Mit 10 Stunden fasten Muslime, die ganz im Süden Argentiniens oder Chile leben, am kürzesten. 21 Stunden täglich muss man im Norden Kanadas und Grönland durchhalten. Und das ist dann wirklich hart.

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