• Text und Bilder: Jonas Egli
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Neben der Spur: Die Bilder vom Draisinenrennen 2017

Die zweite Ausgabe des Draisinen-Derbys stand der ersten in keiner Weise nach: Die Teams waren kreativ, die Regeln biegsam und die Bahnzeiten gingen entsprechend weit auseinander. Wir waren da und haben den Spass festgehalten.

Als beim ersten Rennen 2016 eine hier nicht weiter genannte, im Dreispitz ansässige Firm mit aufgemotzten Draisinen mit SBB-Antrieb sämtliche Konkurrenz im Staub zurückliess, war zu befürchten, dass dieses Jahr alle auf das offensichtlich unbesiegbare System setzen würden. Glücklicherweise kam es anders und die wieder mit zwei Fahrzeugen—eigentlich die einzigen, die diesen Namen verdienen—angetretene Firma musste sich plötzlich doch noch warm anziehen.

Anderen wiederum machte die Hitze zu schaffen: Die Kunsthalle Tropical, der einzige auswärtige Teilnehmer mit Sitz im Nirgendwo in Island (Adresse: N 65° 20.246‘ W 15° 51.140‘) musste feststellen, dass die angeschleppten, je 180kg schweren Eisblöcke auf den warmen Schienen doch etwas schneller dahinschmolzen als geplant. Was bei der Qualifikation noch im Ziel ankam, wurde von Kindern zerhackt oder diente zur Getränkekühlung.

Doch nachdem die SBB-Renner durchs Ziel gerauscht waren und sich sofort an die Spitze gesetzt hatten, geschah das, was niemand erwartet hatte: Zuerst fährt die Konstruktion vom HEK vor knackt die Überflieger gleich im ersten Versuch. 16 Sekunden, neue Bestmarke. Gleich darauf setzte Gleis 100 die Messlatte gleich noch einmal um eine Sekunde nach unten. Unglaublich. Beide Draisinen setzten auf das System mit Fahrradantrieb.

Eine andere Technik, die wieder auftauchte, ist die Weidling-Methode. Einfach im Bau, doch eine der anstrengensten und langsamsten Möglichkeiten, die rund 100 Meter bis zum Ziel zu überwinden. Auch ein Comeback machte die ebenfalls chancenlose Idee, sich an einem Seil ins Ziel zu ziehen. Das Team Offcut versuchte es und schleifte sich mit mit rund 200 laut ausgezählten Hau-Rucks! ins Ziel. Der Berliner Bahnexperte Rainer, das wachende Auge über die Korrektheit des Rollmaterials, gab dem Köpereinsatz trotzdem seinen Segen: «Ick bin begeistert!»

Andere, nennenswerte Fortbewegungsarten: Das Hamsterrad der Hochschule für Gestaltung und Kunst oder der nicht weiter kommentierte und geisterhafte Auftritt eines Mimen in ausdrücklicher Langsamkeit. Die Kunsthalle inszenierte sich als ein Club mit geschlossener Gesellschaft, keiner kam rein. Aus dem Kartonverschlag drang wummernde Musik zum ausgesperrten Publikum.

Team «Gleis 100» bekam nach dem ersten Lauf schliesslich Strafsekunden wegen unerlaubten Anschiebens aufgebrummt. Der Ruf nach Korrektur ereilte die Jubelenden im Ziel von den kritischen Augen Rainers am Start. Die Jury entschied auf 5 Sekunden, was trotzdem noch den dritten Platz in der Ausscheidung und das sichere Erreichen der nächsten Runde bedeutete. Andere Regeln müssten nächstes Jahr nochmal genauer überdacht werden: Einige Teams versuchten, mit Süssigkeiten die Gunst des jüngeren Publikums und damit den eigentlich wichtigsten Preis für sich zu gewinnen.

Das (selbstverständlich illegale) Wettbüro auf der anderen Seite der Geleise bemühte sich währenddessen, die Wetten, Kakerlaken- und Kaugummi-Orakel unter ihrer mafiösen Kontrolle zu halten. Ob es gelang, konnten wir nicht erfahren.

Im Final dann der Schock: Das Team HEK, in der Qualifikation noch mit Glanzzeit gestartet, erlitt den Totalzusammenbruch. Die Chance auf den Sieg sank so schnell wie die Draisine den Schienenhalt verlor. Das gegnerische Gefährt entgleiste kurz darauf ebenso, konnte sich aber wieder fangen und gewann.

Nach unzähligen Finaldurchgängen standen die Sieger dann doch fest und wurden entsprechend gefeiert, während die Kunsthalle begann, ihr Exklusiv-Lokal in Brand zu stecken. Wer nicht dabei war, kann den Anlass mit unserer Fotostrecke nachträglich miterleben.