Rauchpausen ja, aber klares Nachsehen haben die Nichtraucher. ©keystone
Rauchpausen ja, aber klares Nachsehen haben die Nichtraucher. ©keystone
  • Barfi.ch
  • Aktualisiert am

Rauchen auf dem Buckel der Arbeitskollegen: eine Woche mehr Ferien für Nichtraucher!

Wieder schmeisst Peter den Griffel hin, klappt seinen Laptop zu und geht auf die Strasse in Basels Innenstadt vor dem Büro eine rauchen. Im Schlepptau Andrea. 

  

Gleich stösst in der Regel noch ein weiteres Teammitglied hinzu. Eine Viertelstunde bleiben sie weg sie, dann kehren sie zurück an den Arbeitsplatz. Doch bald schon ist offiziell Kaffeepause in der externen Cafeteria, einem Café gleich nebenan. Für Nichtraucher der erste Break des Tages, für Raucher mindestens der zweite.    

Dies bringt die Nichtraucher auf die Palme – verständlicherweise, findet nicht nur Pro-Aere-Präsident Jürg Hurter im Beobachter: «Sie halten die Stellung, während die Kollegen ausser Reichweite am Qualmen sind.» Der Basler Wirteverband hat nun die Problematik auf Basis des geltenden Arbeitsrechts unmissverständlich geregelt: 

  • Rauchern werden zusätzliche Rauchpausen zugestanden, diese werden aber nicht bezahlt, sprich von der Arbeitszeit abgezogen. Wie genau die zusätzlichen Pausen geregelt werden, kann der Arbeitgeber festlegen. So können beispielsweise fixe Raucherpausen zugestanden werden oder man kann festlegen, dass dann eine Pause zum Rauchen genommen werden darf, wenn gerade keine dringenden Arbeiten zu erledigen sind. Auch hinsichtlich der Arbeitszeiterfassung wird idealerweise eine Weisung festgelegt, welche beispielsweise das zwingende Ausstempeln oder das Erfassen einer gewissen Zeitdauer pro Rauchpause beinhaltet. 

Auch wenn sich die wenigsten daran halten: Rauchpausen während der Arbeitszeit sind tatsächlich grundsätzlich unbezahlt, sagt das Arbeitsrecht. Jedoch Rauchen bleibt Ausdruck der persönlichen Freiheit. Das Gesetz zum Schutz vor Passivrauch verbietet das Paffen in Geschäftsräumlichkeiten. Also bleibt nur der regelmässige Gang vor die Tür, doch wird der meist (noch) bezahlt und benachteiligt deutlich die Nichtraucher, welche gleichzeitig nicht nur ihre eigene Arbeit weiterverfolgen müssen, sondern nicht selten gezwungen sind, die Aufgaben der vorübergehend wegen der Qualmerei abwesenden Kollegen, zusätzlich zu übernehmen. Mann kann es (oder sich) drehen, wie man will, die Sache ist höchst unfair.

Nicht selten geniessen Raucher gegenüber ihren Betriebskollegen pro Arbeitstag so rund eine halbe Stunde bezahlte Pause zusätzlich. Nicht aus Faulheit oder um schlauer zu sein, Grund ist die Sucht nach Nikotin und zugegeben auch die Möglichkeit eines kleinen, oft privaten Plausches bei glühender, oder inzwischen ausgebrannter Zigarette. 

Klares Nachsehen für Nichtraucher am Arbeitsplatz

Enthaltsame Mitarbeiter am Arbeitsplatz sind klar benachteiligt. Deshalb verstärkt sich weltweit die Diskussion in Firmen Nichtrauchern mit einem regulären Arbeitsverhältnis mehr Freitage, bis hin zu einer zusätzlichen Ferienwoche zu gestatten. Ausgerechnet Japan, das Land der Glimmstängel, wo selbst gewisse Fluglinien das Paffen an Bord noch erlauben, ist da Vorreiter. In beiden Basel gibt es seit über 10 Jahren immer wieder Vorstösse um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Der Versuch einer ersten Volksinitiative scheiterte vor gut 10 Jahren im Baselbiet an den nötigen Unterschriften, ein landschäftler Schulheim versucht es nun erneut. Begleitet von immer mehr Unternehmen der Region. 

Die grossen Basler Chemieriesen verfolgen derzeit eine andere Taktik. Wer sich beispielsweise bei Novartis den Nikotinkick während der Arbeitszeit nicht verkneifen kann, muss dazu den äusserst weitläufigen Campus verlassen und ausstempeln. Bleibt dem Rest der Basler Firmen folgender Rat: macht aus Euren KMU’s eingezäunte Weltkonzerne, oder belohnt Nichtraucher endlich mit kürzeren Arbeitszeiten: eine zusätzliche Ferienwoche ist da nicht übertrieben. Mal sehen, wer da nicht plötzlich auf seine Zigis verzichtet.    

Weitere Basler Geschichten
Zurück zur Startseite