In Basel ist es nicht das Murmeltier, das täglich grüsst, sondern der Stau. Bild: Keystone.
In Basel ist es nicht das Murmeltier, das täglich grüsst, sondern der Stau. Bild: Keystone.
  • Andy Strässle

Täglich grüsst der Stau: Basel ist spitze im Verkehrsinfarkt

Der Jahresbericht des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) macht es amtlich: Die Region ist staugeplagt und der Verkehr nimmt immer weiter zu.

Die Liebe zum Auto ist in der Region ungebrochen: In Basel-Stadt sind 71'000 Autos registriert, im Baselbiet rund 140'000. Der durchschnittliche Tagesverkehr beträgt im Landkanton pro Tag rund 284'000. Auf den Autobahnzubringern der Stadt spricht die Verkehrszählung von rund 320'000 Fahrzeugen an Wochentagen. Der Jahresbericht des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) zeigt, dass der Verkehr auf den Nationalstrassen der Region rekordverdächtig zunimmt. Das ASTRA schreibt: «Zu Stosszeiten geriet der Verkehr in den Räumen Basel und Lugano fast täglich ins Stocken.» Die A2 als Nord-Südachse knackt, was die Staustunden angeht alle Rekorde: «Auf der Transitstrecke A2 Basel – Chiasso nahmen die Staustunden um 538 Stunden zu, das entspricht einer Zunahme von 8,8 Prozent, die A2 wies im Jahr 2017 insgesamt 6'626 Stunden auf.»

Verkehrsüberlastung nimmt weiter zu

Der Geschäftsführer des TCS, Lukas Ott, nennt auf Anfrage von barfi.ch als Gründe für diese Überlastung: «Die zunehmende Wohnbevölkerung in Basel, die Schaffung von tausenden neuen Arbeitsplätzen, die zusätzliche Pendler generieren, zeigen einerseits den starken Wirtschaftsstandort, andererseits werden so aber auch die Sünden der letzten Jahrzehnte in Bezug auf die Infrastruktur offensichtlich.» Die Hauptverkehrsachsen sind im ganzen Land überlastet, wie der Bericht des ASTRA zeigt: «Die Hauptursache für Staus auf den Nationalstrassen bleibt, wie in den Jahren zuvor, die Verkehrsüberlastung. Im Jahr 2017 stiegen die Staustunden, die auf Verkehrsüberlastung zurückzuführen sind, auf knapp 89 Prozent. Dies entspricht einem Wachstum von rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. In absoluten Zahlen wurden 22‘949 Staustunden aufgrund von Verkehrsüberlastung gemessen. Die unfallbedingten Staustunden stiegen im Jahr 2017 erneut an. Insgesamt wurden 2'504 Stunden verzeichnet, was einer Erhöhung von rund 3.5 Prozent entspricht.»

«Autobahnring dringend notwendig»

Landesweit beziffert das ASTRA die Kosten des Stillstands auf den Autobahnen mit 712 Millionen Franken. Verkehrsexperte Ott meint, dass die Engpassbeseitigungen immer nur mit 20 Jahren Verzögerung erfolgen könnten. Dazu brauche es eine Umfahrung der Stadt:  Dringend notwendig wäre ein Autobahnring rund um Basel, das heisst, dass zur bestehenden Nord- und Osttangente eine Westtangente und eine Südumfahrung (sprich: Gundelitunnel) dazukommen würden, damit eine Ausweichmöglichkeit besteht, wenn eine Tangente zum Beispiel aufgrund eines Unfalls blockiert ist.»

In Basel sorgen weniger die Unfälle für Staus, sondern die hohe Zunahme des Schwerverkehrs, da Basel das Logistik- und Exportzentrum des Landes sei, wie etwa Martin Dätwyler, Chef der Handelskammer beider Basel, stolz an einem Mediengespräch letzte Woche sagte. Doch dieser Erfolg sorgt auch für Stillstand auf den Strassen. Das ASTRA schreibt: «Mit im Schnitt 8,4 Prozent war der Anteil des schweren Güterverkehrs auf der A2 zwischen Basel und Lugano besonders hoch.» 

Mehr Schwerverkehr-Kilometer

TCS-Geschäftsführer Lukas Ott relativiert die Zunahme etwas: «Es ist zwar richtig, dass die gefahrenen Kilometer in diesem Bereich zugenommen haben, der Anteil des Schwerverkehrs am Gesamtverkehr ist aber leicht zurückgegangen. Auch beim alpenüberquerenden Schwerverkehr ist gemäss Bericht des ASTRA seit 2010 eine jährliche Reduktion zu verzeichnen. Es scheint, dass hier die Neat Wirkung zeigt.» Darauf angesprochen, dass das ASTRA auch darauf hinweist, dass sich der Verkehr wegen der vielen Staus auf kleinere Strassen verlagere, bestätigt Ott das Phänomen: «Dies ist leider eine Tendenz, die wir in der Region Basel vermehrt beobachten: ist die A3 zu, weicht der Verkehr über Birsfelden oder Muttenz aus. Dass dies nicht sinnvoll ist, ist nachvollziehbar, weshalb gewisse Gemeinden zu den Stosszeiten in verschiedenen Quartieren für Nichtanwohner Fahrverbote ausgesprochen haben.»

Mehr Flexibilität für Verkehrsentlastung

Schliesslich weist der Geschäftsführer des TCS Basel daraufhin, dass man alle Verkehrsteilnehmer vertrete. So sei der Verkehrsverband dafür, dass das Velofahren für kurze Strecken gefördert würde und spreche sich auch für eine Kapazitätserhöhung im öffentlichen Verkehr aus. Der Verkehrsexperte denkt aber auch weiter, er sagt: «Zudem müssen die Arbeitgeber, wo immer möglich, die Arbeitszeiten flexibilisieren, so dass die Arbeitnehmer morgens und abends nicht alle zur gleichen Zeit unterwegs sind und in gewissen Branchen wäre auch vermehrt Homeoffice denkbar, was eine zusätzliche Entlastung des Verkehrs bringen könnte.» Angesichts der Verkehrsüberlastung, die weiter zunimmt und sich unaufhaltsam dem Verkehrskollaps nähert, sind tatsächlich gute Ideen gefragt.

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