Das Walliser Volk hat es in der Hand, ob der Traum von Olympischen Winterspielen in den Schweizer Alpen 2026 wahr wird oder platzt. (Archivbild)
Das Walliser Volk hat es in der Hand, ob der Traum von Olympischen Winterspielen in den Schweizer Alpen 2026 wahr wird oder platzt. (Archivbild)
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Funke für Olympia-Kandidatur zündet im Wallis nicht richtig

Die Abstimmung zum Walliser Unterstützungsbeitrag für die Olympia-Kandidatur spaltet das Wallis wie kaum ein anderes Projekt in jüngster Zeit. Hauptsächlicher Streitpunkt sind die Kosten von "Sion 2026" und die Frage, wer das Risiko eines Defizits trägt.

Am 10. Juni entscheiden die Walliser Stimmberechtigten über eine finanzielle Beteiligung von 100 Millionen Franken des Kantons an den olympischen Winterspielen im Jahr 2026. Es wird die entscheidende Hürde für das Kandidaturdossier, das bis Anfang 2019 beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) eingereicht werden muss.

Bisher ist Sitten am Olympia-Traum viermal gescheitert. Die letzte Walliser Kandidatur wurde 1999 mit dem Wörtchen "Torino" - also Turin - zunichte gemacht. Vielleicht scheint deshalb die Begeisterung in der Bevölkerung gedämpft.

Die Befürworter - allen voran Vertreter der Kantonsregierung oder Sportler wie Pirmin Zurbriggen - eilen zusammen mit Jürg Stahl (SVP) und Hans Stöckli (SP) von Swiss Olympic von Podium zu Podium, um die Leute von "nachhaltigen und zukunftsweisenden Spielen im Herzen der Schweizer Alpen" zu überzeugen.

Aggressiver Ton

In den Bistros, in den Vereinen und selbst am Familientisch wird die Olympia-Kandidatur heftig diskutiert. Wenn Befürworter und Gegner aufeinander treffen, ist fast jedes Mal eine verbale Eskalation vorprogrammiert. Auch auf den sozialen Netzwerken ist der Ton oft sehr aggressiv, und die Positionen sind deutlich abgesteckt.

Eine Anfang Mai von den Walliser Medien veröffentlichte Umfrage bestätigt die gespaltene Meinung im Kanton. Befürworter (46 Prozent) und Gegner (47 Prozent) hielten sich beinahe die Waage; sieben Prozent waren noch unentschlossen.

Zu den Befürwortern gehören der Tourismus sowie CVP und FDP. Bekämpft wird das Projekt vor allem von den Grünen, der SP, der SVP und den Umweltorganisationen. Sie warnen vor den finanziellen Risiken und befürchten, dass die Kosten zu tief veranschlagt sind und am Schluss die öffentliche Hand für das Defizit aufkommen muss.

Nachhaltigkeit statt Gigantismus

Die Befürworter der Kandidatur halten dieser Skepsis entgegen, dass die Spiele positive Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Image und den Tourismus haben werden. Das Organisationskomitee betont zugleich immer wieder, dass auf Gigantismus verzichtet werde. Im Einklang mit der Agenda 2020 würden die Spiele vielmehr eine vernünftige Grösse aufweisen und auf einem nachhaltigen Konzept basieren.

Anstatt neue Gebäude zu bauen, sollen bestehende Anlagen genutzt werden, insbesondere die Eislaufbahnen in den Kantonen Waadt, Freiburg und Bern, die Skisprung-Schanzen im Berner Oberland oder die Natureis-Bobbahn in St. Moritz. Die Promotoren versprechen ausserdem, dass 80 Prozent der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Spielstätten gelangen sollen.

Für die Austragungsorte Wallis, Waadt, Bern, Freiburg und Graubünden dürften nicht zuletzt die Sicherheitskosten eine grosse Unbekannte sein. Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren machte beispielsweise klar, dass die nicht beteiligten Kantone voraussichtlich keine Polizisten gratis zur Verfügung stellen werden.

Der bernische Volkswirtschaftsminister Christoph Ammann (SP) räumte vor ein paar Tagen im Regionaljournal ein, dass der Beitrag des Kantons Bern von zehn Millionen Franken nicht ausreichen dürfte. Das Stimmvolk im Kanton Bern wird voraussichtlich im Februar 2019 über den Kredit für die Durchführung der Spiele abstimmen.

Langer Weg

Ob auch das Schweizer Volk wird mitreden können, ist noch offen. Der Nationalrat hat sich im März zwar für eine nationale Abstimmung zum Bundesbeitrag von fast einer Milliarde Franken ausgesprochen. Der Ständerat müsste der entsprechenden Motion der Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni in der Herbstsession aber ebenfalls noch zustimmen.

Ein Ja des Walliser Stimmvolkes wäre erst der Beginn eines langen Weges Richtung Austragung der Olympischen und Paralympischen Winterspielen in der Schweiz. Eingereicht werden soll das Kandidatur-Dossier am 11. Januar 2019.

Das Internationale Olympische Komitee (IOK) wird dann im Oktober 2019 in Mailand über die Vergabe der Winterspiele 2026 entscheiden. Wenn das Wallis am 10. Juni Nein sagt, würde die Kandidatur der Schweiz laut Sportminister Guy Parmelin gestoppt.