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Moskau und Damaskus verurteilen US-Angriff auf syrische Truppen

Syrien und Russland haben den US-Angriff auf regierungstreue Truppen im Süden des Landes verurteilt. "Das ist eine Verletzung der Souveränität Syriens", sagte Russlands Vizeaussenminister Gennadi Gatilow am Freitag in Genf.

Die Attacke habe nichts mit dem Kampf gegen Terroristen zu tun und belaste die Syrien-Friedensgespräche in Genf und in der kasachischen Hauptstadt Astana. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte laut russischen Medienberichten, Es handle sich um einen "illegitimen, illegalen und weiteren groben Verstoss gegen Syriens Souveränität."

Die sechste Runde der Friedensgespräche unter UNO-Vermittlung ging am Freitagabend in Genf ohne erkennbare Ergebnisse zu Ende. Als Fortschritt vermerkte UNO-Vermittler Staffan de Mistura, dass neben den Verhandlungsdelegationen nun Experten zu rechtlichen und Verfassungsfragen tagen.

Eine neue syrische Verfassung ist einer von vier Themenbereichen, welche die UNO in Genf mit den Konfliktparteien besprechen will. Die nächste Runde finde voraussichtlich im Juni statt.

Eine Annäherung der Konfliktparteien gab es nicht. In Genf wurde seit Dienstag erneut nach eine politische Lösung für den mehr als sechsjährigen Konflikt mit mindestens 400'000 Toten gesucht.

Die bisherigen Gesprächsrunden in Genf über eine politische Lösung des Krieges hatten kaum Fortschritte gebracht. Parallel finden seit Januar unter Vermittlung Russlands und der Türkei Verhandlungen im kasachischen Astana statt.

"Keine Kenntnis von Angriff gehabt"

Lawrow sagte weiter, er habe keine Kenntnis davon, dass Russland im Vorfeld des Angriffs vom Donnerstag gewarnt worden sei. Überdies wiesen erste Informationen darauf hin, dass es bei dem Angriff zivile Opfer gegeben habe. Er bezog sich auf Medienberichte, wonach "mehrere Dutzend Zivilisten getötet" worden seien.

Bei einem Luftangriff des US-Militärs auf eine Einheit der syrischen Armee und verbündeter Milizen waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Angaben sich unabhängig kaum überprüfen lassen, acht Menschen getötet und vier Fahrzeuge zerstört worden. Die meisten Todesopfer seien keine Syrer gewesen. Das US-Zentralkommando im Nahen Osten (Centcom) sprach von vier zerstörten Fahrzeugen.

Die US-geführte Koalition hatte zuvor erklärt, der Angriff nahe der Grenze zu Jordanien habe regierungstreuen syrischen Einheiten gegolten. Diese hätten sich dem von der Koalition genutzten Stützpunkt At Tanf genähert und eine "Bedrohung für die USA und mit ihnen verbündete Kräfte" bedeutet.

Die Koalition habe die mit den syrischen Regierungstruppen verbündeten russischen Streitkräfte im Vorfeld gewarnt, der Konvoi habe seine Fahrt dennoch fortgesetzt. An der Seite der syrischen Armee kämpfen im Bürgerkrieg Milizen aus dem Libanon, dem Irak und Afghanistan, die vom Iran finanziert werden.

Eine nicht näher genannte Quelle aus dem syrischen Militär erklärte, die "Aggression" zeige, wie falsch die Behauptungen der "so genannten internationalen Koalition" seien, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete.

Eigentlich gilt Waffenruhe

Der abgelegene Stützpunkt At Tanf wird von Eliteeinheiten der britischen und US-Streitkräfte genutzt und war in den vergangenen Monaten mehrfach angegriffen worden, unter anderem von IS-Kämpfern.

Eigentlich gilt in Syrien eine Waffenruhe. Russland und der Iran als Verbündete der Regierung sowie die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten sich bei den Syrien-Gesprächen in Astana zudem auf "Deeskalationszonen" geeinigt.