Teilnehmer Erwin posiert an der Bart- und Schnauz Europameisterschaft am "Urdorffäscht", am Samstag, 24. Mai 2014 in Urdorf. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
Teilnehmer Erwin posiert an der Bart- und Schnauz Europameisterschaft am "Urdorffäscht", am Samstag, 24. Mai 2014 in Urdorf. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
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Bärte beflügeln das Beautygeschäft

Ob volle Bartpracht, die Dreitage-Variante oder Schnauzer: der moderne Mann trägt heutzutage wieder Bart. Und zwar nicht die frei-wuchernde Hippie-Version, sondern schön gepflegt. Davon profitiert auch die Beautyindustrie.

Der Bart ist nach einer langen Ära der Glattrasur wieder in. Angefangen hat der wiederbelebte Bart-Kult mit dem Holzfäller-Bart der Hipster. Diese Städter - meist in Röhrenjeans, Karo-Hemd und Jutebeutel unterwegs - haben den Bart salonfähig gemacht. Jetzt kommen zunehmend auch kürzere Bart-Varianten in Mode, wie Bartexperte Eddine Belaid erklärt. Zum Beispiel der Musketierbart, Moustache oder Sechstagebart. Die Vielfalt ist gewachsen.

Zu den Bartträgern zählen aber längst nicht nur die Szeneleute, sprich die Hipster, wie der Masterbarbier betont. Ganz im Gegenteil. Der Bart-Trend sei viel breiter abgestützt. Belaid bedient Männer von jung bis alt und aus allen Berufsgattungen.

Der gebürtige Deutsche hat das Handwerk der alten Barbier-Tradition in England gelernt. Im Jahr 2008 eröffnete er als Erster in der Schweiz einen Barber-Shop im englischen Stil - lange bevor der Bart-Trend bei uns Fuss fasste. Nun erfreut er sich reger Kundschaft. Erst letzten Herbst eröffnete er seine dritte Filiale im neuen Herren Globus in Zürich.

Gepflegte Bärte sind angesagt

Männer wollen einen gepflegten und schön getrimmten Bart. Daher suchen sie sich professionelle Hilfe in den Barber-Shops, sagt Belaid. Dabei gehe es nicht nur um das Stutzen der Bartkontur, sondern auch um das Verwöhnerlebnis. Für einen Besuch zahlen Kunden zwischen 50 und 190 Franken. Die Nachfrage sei gross.

Es fehle aber an qualifiziertem Nachwuchspersonal, erklärt der Bartexperte. Der Beruf des Barbiers sei anspruchsvoll. Man könne nicht einfach "schnell, schnell Rumschaben", sagt er. Es brauche eine ganzheitliche Betrachtung vom Haupthaar bis zum Gesichtshaar. Auch über Infektionen und Krankheiten müssen die Barbiere Bescheid wissen.

Deshalb gründete Belaid 2014 die erste Barberschule in der Schweiz. Die Kurse werden gut besucht. In etwa drei Jahren werden 20-30 ausgebildete Barbiere auf dem Markt sein. "Der Bart-Trend wird uns noch lange begleiten", ist Belaid überzeugt.

Auch in Schweizer Coiffeurläden werden immer häufiger Bärte in Form gebracht, sagt Christian Reichenbach, Präsident des Schweizer Coiffeurverbands der Sektion Bern und selbst Besitzer eines Coiffeurgeschäfts.

In der Grundausbildung haben alle Lernenden einen Kurs für Bartbehandlungen zu absolvieren, wie der Berner Coiffeur sagt. Allerdings wird dieser nach aktuellem Reglement nicht geprüft. In der Verantwortung stehen vor allem die Ausbilder, ihren Nachwuchs zu schulen.

Beautyprodukte für Bärte boomen

Das Pflegebewusstsein der Männer ist definitiv gestiegen. Das beobachtet auch Daniel Peyer, Mitbegründer des auf Bartpflegeprodukte spezialisierten Webshops Mootes.ch. Der Mann habe entdeckt, wie schön ein gepflegter Bart sei und wie gut dieser bei den Frauen ankomme.

Am beliebtesten seien bei Mootes.ch ganze Pflegesets: der Mann habe es nämlich gern pragmatisch. Besonderen Wert legen die Bartträger zudem auf natürliche Inhaltsstoffe. Auch immer mehr Barbershops fragen an, wie Peyer feststellt.

Die Zahl der Läden, die Bartpflege-Produkte anbieten, steige laufend, bestätigt Jeremias Wehrli vom Webshop pomade.ch. Die Bartträger geben viel auf Pflege und gehen regelmässig zum Barbier, wie er feststellt.

Gekauft werden Öle, Balsam, Shampoo oder Bürsten vorzugsweise aus Wildschweinborsten. Auch Rasiermesser und -hobel feiern ein Comeback und werden immer beliebter. Für Wehrli zeigt das, dass sich immer mehr Männer gerne den altherkömmlichen Styling-Mittel und Pflegeprodukten bedienen und sich beim Schärfen des Rasiermesser am Lederriemen so richtig männlich vorkommen.

Migros & Co. ziehen nach

Längst bieten nicht nur Fachläden Pflegelinien für Bärte an. Auch die grossen Detailhändler sind auf den Zug aufgestiegen. Die Migros hat letzten Herbst mit "The Great British Grooming Co." eine Bartpflegelinie ins Sortiment aufgenommen. So wird der Mann reichlich bedient, von der Waschlotion mit Argan-Öl und Pro-Vitamin B5 über Balsam aus Kokusnuss-Öl und Shea-Butter bis hin zu "Thickening Serum", welches den Bart fülliger aussehen lässt.

Nach Produkten führt das Bart-Öl die Ranking-Liste an, wie Migros-Mediensprecher Luzi Weber sagte. Aber auch 3-Tage-Bart Gesichtspflegeprodukte sind beliebt bei den Kunden. Die Absatzzahlen nehmen stetig zu.

Bei Coop steigt die Nachfrage nach Pflegeprodukten ebenfalls seit Längerem. Deshalb wurde das Bartpflegesortiment auch in diesem Jahr weiter ausgebaut, wie Mediensprecherin Angela Wimmer erklärt. Besonders gefragt sind Barttrimmer oder der Multitrimmer mit verschiedenen Aufsätzen.

Die Marken im Beautybereich gehen mit dem Trend und erweitern ihre Produktlinien laufend, wie Globus-Mediensprecherin Marcela Palek sagt. Auch in den Globus-Warenhäuser werden immer mehr solche Produkte nachgefragt. Umsätze nennen die Detailhändler nicht. Insgesamt haben die Kosmetikhersteller in der Schweiz etwa 2,5 Milliarden Franken Umsatz erzielt.