Die erste deutschsprachige "Charlie Hebdo"-Ausgabe nimmt auf der Titelseite die deutsche Kanzlerin Merkel aufs Korn.
Die erste deutschsprachige "Charlie Hebdo"-Ausgabe nimmt auf der Titelseite die deutsche Kanzlerin Merkel aufs Korn.
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"Charlie Hebdo" auf Deutsch in Schweizer Kiosks erschienen

"Charlie Hebdo" gibt es nun auch auf Deutsch: Am Donnerstag kam die erste deutschsprachige Ausgabe der französischen Satire-Zeitung in die Kioske. Pointen mit Bezug zu Schweizer Themen finden sich darin jedoch keine.

Zunächst enthält die deutsche Ausgabe vor allem übersetzte Texte und Zeichnungen der französischen Redaktion. Die Macher wollen künftig zwar auch mit deutschen Zeichnern und Kolumnisten zusammenarbeiten, aber dem Ton von "Charlie" treu bleiben.

Die Chefredaktorin der deutschen Ausgabe, die unter dem Pseudonym Minka Schneider auftritt, glaubt an den Erfolg. Es gebe viele Referenzen zu Frankreich, französischer Geschichte und Politik, sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Paris.

Die Themen seien aber grösstenteils universell. "Sachen wie Trump oder Brexit: Das betrifft ja nicht die Franzosen alleine. Es ist aber spannend zu sehen, wie die Franzosen darauf blicken."

Die neue deutsche Ausgabe erscheint wöchentlich und hat wie die französische 16 Seiten. Zum Start wurden 200'000 Exemplare gedruckt.

Umstrittener Humor

Mit frechen, oft derben Karikaturen und bissigen Texten kommentiert "Charlie Hebdo" politische und gesellschaftliche Themen aus Frankreich und aller Welt. Die 1970 gegründete Satire-Zeitung macht sich unbekümmert über Politiker und andere Prominente lustig und lotet dabei regelmässig die Grenzen der Pressefreiheit aus.

Während die einen den respektlosen Humor der Satire-Zeitung schätzen, kritisieren andere die Karikaturen als geschmacklos, obszön und beleidigend. Insbesondere die scharfe Religionskritik des Blatts geht vielen zu weit. Immer wieder wurde "Charlie Hebdo" wegen seiner Karikaturen verklagt.

Mit der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zog "Charlie Hebdo" wiederholt die Wut von Muslimen auf sich. Im November 2011 wurde ein Brandanschlag auf die Redaktionsräume des Blatts verübt.

Traurige weltweite Berühmtheit erlangte "Charlie Hebdo" durch den Anschlag vom 7. Januar 2015. Zwei radikale Islamisten stürmten die Redaktionsräume der Zeitung in Paris während einer Redaktionskonferenz und erschossen zwölf Menschen.

Arbeit unter Polizeischutz

Der Anschlag löste weltweit Entsetzen und eine beispiellose Welle der Solidarität mit der Satire-Zeitung aus. Der Spruch "Je suis Charlie" - "Ich bin Charlie" ging um die Welt. Die eine Woche nach dem Anschlag veröffentlichte sogenannte "Ausgabe der Überlebenden" verkaufte sich in Frankreich und im Ausland rund acht Millionen Mal - ein Rekord in der französischen Pressegeschichte.

Der Verkauf der Ausgabe spülte Millionen in die Kassen der chronisch armen Satire-Zeitung. Die Zahl der Leser wuchs rasant: Wurden vor dem Anschlag wöchentlich in Frankreich rund 30'000 Exemplare verkauft, sind es heute rund 110'000.

Heute arbeitet die "Charlie Hebdo"-Redaktion an einem geheimen, streng bewachten Ort, die bekanntesten Mitarbeiter stehen unter Polizeischutz. Wiederholt gab es Morddrohungen gegen die Redaktion.