Photography: Awa Rebstein Models: Gianluca Cutrufello, Mirco Kämpf, Luca Altherr.
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  • Géraldine
  • Aktualisiert am

Designerportrait Rebecca aus Basel

Modedesign – einer der zauberhaftesten, aber auch beliebtesten Berufe der kreativen Industrie. 

Wir trafen die Basler Modedesignerin Rebecca Ammann zum Gespräch. 

Warum hast du dich dafür entschieden, Modedesign zu studieren? Warum Basel als Studienort?

Ich habe schon als Kind immer lieber gezeichnet als dem Unterricht zu folgen. Nach der Matura bekam ich einen Platz im Vorkurs der ZHdK, wo ich erstmals mit verschiedenen Arten der Kunst und des Designs konfrontiert wurde, und ich liebte es - Fotografie, Malen, Zeichnen und vor allem das dreidimensionale Arbeiten. Ich arbeitete super gern mit Papier, habe im zweiten Semester ein Papierkleid gemacht, und so kam ich dann langsam auf den Studiengang Mode-Design.

Als erstes sicher, weil Basel noch in der Schweiz ist und die Studiengebühren ganz okay sind. Ich finde aber auch, dass der Studiengang in Basel, seit Priska Morger die künstlerische Leitung übernommen hat, viel spannender geworden ist als bei vielen anderen europäischen Modeschulen. Es geht hier nicht nur darum, den zehntausendsten Mantel zu machen, sondern man wird richtig trainiert und ausgebildet die eigene Designsprache zu entwickeln, ein ganz klares Modeverständnis zu generieren und die Geschehnisse in der Branche und auch weiter in der Welt kritisch zu betrachten und darauf im eigenen Design zu reagieren.

Wo kommen deiner Meinung nach die spannendsten Jungdesigner im Moment her? Wo siehst du etwas Neues?

Ich finde im Moment kommen von überall her spannende Jungdesigner, welche frischen Wind in die Industrie bringen. Ich denke da schon an die Absolventen von Basel, aber auch jene des Central Saint Martins in London. Ich glaube aber nicht, dass man das geographisch festhalten kann. Mich begeistert im Moment sehr die russische Designerin Dasha Selyanova  mit ihrem Streetwear Label ZDDZ London. Ihre Designs sind sehr grafisch und thematisieren oftmals soziale oder auch politische Auseinandersetzungen, was ich sehr spannend finde.

Worum genau geht es in deiner Bachelor-Kollektion?

In meiner Bachelor Abschlusskollektion geht es darum, ein neues Männerbild zu etablieren, weg vom faulen Freizeitlook. Ich habe hier ein Auszug meiner schriftlichen Thesisarbeit;

Diese schamlos testosterongeladene Unmanierlichkeit des Maskulinum, welche uns auf den Strassen entgegenschlägt, dieser undurchdringlich fantasielose Einheitsbrei aus Freizeitlook und schlecht sitzenden Anzügen, es ödet mich an. Dieser fade, einfallslose Look gilt es in die Flucht zu schlagen und an seiner Stelle einen legeren bellus homunculus aus neuentdeckten, alten Welten hervor zu bringen.

Um eben diesen zu erschaffen, lasse ich mich vom Bild des Dandys und seiner Eitelkeit, des gewollten Andersseins, des Erreichens eines Wirkungsvollen Effektes inspirieren, wobei mich seine öffentliche und seine private Rolle beziehungsweise beide auf einander treffenden Komponenten vereint in einem Bild interessieren. 

Dieser aufreizend durchdringliche bellus homunculus zeigt sich in meiner Männerkollektion bestehend aus sieben eigenständigen Looks und richtet sich an originelle Individuen mit urbanem Lebensstil, welche sich auf die Gesellschaft als solche berufen, mit ihr - notwendigerweise - agieren, sich aber auch von ihr und ihren Konformitäten zu lösen wagen. 

Du verwendest in jedem Foto die Kurt Cobain-Sonnenbrille. Was hat es damit auf sich?

Genau. Meine Kollektion wurde auch dementsprechend mit einer abgewandelten Form von “Smells like Teen Spirit” an der “Doing Fashion Graduate Show” präsentiert.

Bei mir ist es so, um auch gleich die nächste Frage zu klären, dass ich nicht ohne Musik kann. Sie ist definitiv meine grösste Inspirationsquelle, wobei ich mich immer in einem gewissen „musikalischen Raum“ bewege. Bei jeder Kollektion habe ich eine ganz bestimmte Band, welche mich durch die ganze Arbeit begleitet; in der Thesis war es Nirvana, die Band, welche mich schon praktisch mein Leben lang begleitet.

Ich wollte neben der eleganten Sexiness des neuen Dandys noch ein wenig mehr Verruchtheit reinbringen; beim Styling, der Pose und der visuellen Kommunikation, diesen ganz speziellen rohen Vibe des Grunge einsetzen, um da nochmals einen Reibungspunkt zu erzeugen; ich finde das machte alles viel spannender.

Ist Musik deine grösste Inspiration?

Auf jeden Fall.

Jetzt steckst du gerade in deinem Master, der sich nennt „Intergrative-Design“. Was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Im Masterprogramm “Integrative Design” mit Vertiefung Fashion geht es darum, dass verschiedene Disziplinen des Designs zusammenkommen. Wir haben Leute in der Klasse mit einem Architekturstudium, Grafiker und auch Industriedesigner. Einerseits finden in dieser Klasse immer wieder verschiedene Workshops, Seminare und Vorlesungen statt, welche uns so durch diese verschiedenen Disziplinen führen und dann auch bei der Masterthesis helfen sollen. Andererseits mache ich in der "VertiefungsklasseFashion" jedes Semester eine Kollektion von mehreren Outfits mit Accessoires, Fotoarbeit, Lookbook und Performance.

Was passiert wenn du machen dürftest, was du willst; wenn du weder auf Geld noch auf Verkäuflichkeit achten müsstest?

Ich würde sagen, dass ich bis jetzt im sicheren Rahmen des Studiums so ziemlich machen konnte, was ich wollte, ohne auf Verkäuflichkeit zu achten.

Ich denke aber, dass ich in diesem Fall ein faires, nachhaltiges Label aufziehen würde. Ich glaube, ich würde sogar gerne eine Produktionsstätte einrichten mit Platz für lokale Schneider. Denn als Schneider gleich nach der Ausbildung hat man es nicht leicht hier einen guten Job zu finden. Ich würde super genau darauf achten, woher mein Stoff kommt, wie das Garn produziert wurde, möglichst umweltfreundlich. Ich würde maximal eine Kollektion im Jahr machen  um dieser vertäufelten “Fast Fashion” entgegen zu wirken. Es kann doch nicht sein, vier Kollektionen pro Jahr rauszuhauen und alle drei Monate ein „midseason sale“ zu veranstalten. 

Und schliesslich ganz wichtig: Ich würde Praktikanten einstellen, und würde sie auch bezahlen.

Ist es für dich wichtig dem Trend zu folgen? Oder gibt es ein anderes Erfolgsrezept in der Modebranche?

Ich finde es gar nicht wichtig einem Trend zu folgen, es interessiert mich auch nicht im Geringsten, was zur Zeit angesagt ist und was nicht.

Ich denke, in der Modebranche ist es wichtiger, eine eigene Designsprache zu entwickeln und diese auch zu pflegen. Das tun, was einem liegt und einem auch interessiert. Dann macht es auch Spass, begeistert, bringt Motivation, das sieht man einer Kollektion sofort an. Und ganz wichtig: immer in Bewegung bleiben!

Weisst du denn schon, wie es für dich weitergehen wird? Wo können wir dich in Zukunft bestaunen?

Ich würde am liebsten gerne in England als Menswear Tailor arbeiten oder auch in einem Mode-Label als Designer.

Mein Ziel wäre es aber, einen ganz spezifischen Concept Store zu eröffnen, wo kann ich noch nicht sagen. Eine Platform, wo Musik und meine Kollektionen zusammenkommen, wo man aber auch andere Labels, Kunstbücher, Magazine und Accessoires kaufen kann - Platz für Installationen und einladend zum Verweilen. Aber das liegt noch in weiter Ferne.