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BaZ: Te­le­ba­sel steht hin­ter Te­le­ba­sel

Dieser Artikel ist am 27.2.2016 in der Basler Zeitung erschienen. Von Jo­nas Ho­s­kyn

Ba­sel. Die Re­gie­rung sieht kein Pro­blem dar­in, dass Te­le­ba­sel sein TV-An­ge­bot ein­ge­dampft und da­für ein Newspor­tal lan­ciert hat. Dies zu­min­dest ant­wor­te­te sie auf die An­fra­ge der LDP-Gross­rä­tin Pa­tri­cia von Fal­ken­stein. Nur: Die Ant­wort – ob­wohl von Re­gie­rungs­prä­si­dent Guy Mo­rin und Staats­schrei­be­rin Bar­ba­ra Schüp­bach un­ter­schrie­ben – stammt prak­tisch voll­um­fäng­lich aus der Fe­der von Te­le­ba­sel-CEO Do­mi­nik Prétôt. Die Re­gie­rung be­grün­det dies in der Vor­be­mer­kung da­mit, dass sie seit ei­ni­gen Jah­ren kei­ne Ver­tre­tung mehr in den Stif­tungs­rat von Te­le­ba­sel de­le­giert.

Üb­li­cher­wei­se ver­zich­tet die Re­gie­rung bei Fra­gen, die nicht in ih­re Ver­ant­wor­tung fal­len, auf ei­ne Ant­wort. Statt­des­sen be­ant­wor­tet sie aber die In­ter­pel­la­ti­on mit den Wor­ten des Te­le­ba­sel-CEO und macht sich da­mit zum Sprach­rohr des Sen­ders. Dies führt mehr­fach zu pro­ble­ma­ti­schen Si­tua­tio­nen. Denn der Re­gie­rungs­rat er­greift so in meh­re­ren Fra­gen Par­tei, die klar nicht in sei­ne Kom­pe­tenz fal­len. So ant­wor­tet «die Re­gie­rung» auf die Fra­ge, ob das Vor­drin­gen des teil­wei­se mit Ge­büh­ren­gel­dern fi­nan­zier­ten Te­le­ba­sel in den On­li­ne-Nach­rich­ten­be­reich nicht ei­ne Markt­ver­zer­rung ge­gen­über pri­va­ten Me­dien­un­ter­neh­men dar­stel­le, mit ei­nem kla­ren «Nein».

Kom­pe­ten­zen über­schrit­ten

Noch pro­ble­ma­ti­scher ist die Ant­wort auf die Fra­ge, ob mit dem neu­en Te­le­ba­sel-Kon­zept die Be­stim­mun­gen der Sen­de­kon­zes­si­on noch voll­um­fäng­lich ein­ge­hal­ten wer­den. Das kla­re «Ja» ist we­nig über­ra­schend, wenn man be­denkt, dass der CEO des kri­ti­sier­ten Sen­ders für die Re­gie­rung die Ant­wort vor­ge­schrie­ben hat. Tat­säch­lich ist dies noch völ­lig of­fen. Zu­stän­dig ist das Bun­des­amt für Kom­mu­ni­ka­ti­on (Ba­kom). Die Bas­ler Re­gie­rung hat in die­ser Fra­ge nichts zu mel­den. Die An­ge­le­gen­heit ist auch des­halb bri­sant, weil Chris­ti­an Heeb, Chef­re­dak­tor des On­li­ne­por­tals bar­fi.ch beim Ba­kom An­zei­ge ge­gen Te­le­ba­sel er­stat­tet hat. Ein Gut­ach­ten des Zür­cher Me­di­en­recht­lers Urs Sa­xer ist zum Schluss ge­kom­men, dass der Sen­der mehr­fach ge­gen die Kon­zes­si­ons­be­stim­mung ver­stösst. Auch die BaZ hat sich die­ser An­zei­ge an­ge­schlos­sen.

Dass die Re­gie­rung im Na­men ei­ner pri­va­ten Fir­ma ei­ne par­la­men­ta­ri­sche An­fra­ge be­ant­wor­tet, ist völ­lig un­üb­lich. Viel­mehr wirft dies die Fra­ge auf, wie sehr die Re­gie­rung noch mit dem TV-Sen­der ver­strickt ist – et­was, was auch in der Ant­wort ab­ge­strit­ten wird. «Die Re­gie­rung woll­te die An­fra­ge be­ant­wor­ten und da­bei Trans­pa­renz schaf­fen», sagt Spre­cher Mar­co Grei­ner. Für wei­te­re Er­klä­run­gen war beim zu­stän­di­gen Amt für Wirt­schaft und Ar­beit ges­tern nie­mand er­reich­bar.