Das Klybeckschlösschen um 1910.
Das Klybeckschlösschen um 1910.
  • Christian Platz
  • Aktualisiert am

Als sich im Glaibasel noch ein Wasserschloss erhob

Eines der markantesten Gebäude des alten Glaibasel war das Klybeckschlösschen. Vom 15. Jahrhundert an stand es an der heutigen Klybeckstrasse 248. 1955 wurde es abgerissen. 

Der Klybeckeckteich war ursprünglich ein Flussarm der Wiese. Bereits im 14. Jahrhundert wurde er zum Gewerbekanal und Mühlbach ausgebaut. Sein Wasser bezog er aus den Langen Erlen vom Klybeckteichwuhr.

Mit seiner Wasserkraft trieb er die Mühlen im Klybeck an – und mündete dann in den Altrhein, der damals noch bestand, bei der Klybeckinsel.

«By Kluben im Grien»

Das Klybeck wird erstmals in einer Urkunde des Klosters St. Alban erwähnt. Und zwar als «by Kluben im Grien». Die Urkunde stammt aus dem Jahr 1283. Bereits 1361 werden dann die «Klüben Mülln» und der «Klübentych» urkundlich festgehalten.

Ritter Hans von Reich

Im 15. Jahrhundert ist das Gut, das an der heutigen Klybeckstrasse 248 lag, in den Besitz des Ritters Hans von Reich gekommen. 1438 findet das Weiherhaus dann eine erste Erwähnung, unter dem Namen «Wygerhaus zu Kluben».

Es muss sich schon damals um ein ziemlich grosses Anwesen gehandelt haben, von Pferdestallungen, Scheunen und Wirtschaftsgebäuden umgeben. Am 5. Dezember 1445 wurde das Anwesen von einer Meute Söldner überfallen, die in österreichischem Dienst standen.

Eine Söldnermeute greift an

Es geschah während der St. Jakoberkrieg tobte. Dabei wurden die Scheunen, die Stallungen und die Sägemühle niedergerbrannt. Überliefert ist, dass die Frauen ins Weiherhaus geflohen waren. Der Wassergraben um das Gebäude schützte sie wahrscheinlich vor Übergriffen durch die wilden Gesellen.

Tor zu, Strasse gesperrt

Mehrmals hat das Areal seine Besitzer gewechselt. 1492 wurde das Weiherhaus dann erstmals als Schloss bezeichnet, genauer als «Schloss Kluben». Es war seine Lage, die den Wert des Anwesens steigerte. Befand es sich doch an der Landstrasse, die damals nach Kleinhüningen führte. Dieser Weg ging direkt durch das Schlossareal hindurch. Wenn der Schlossherr sein Tor zusperrte, war auch die Strasse gesperrt.

Spanferkelessen gegen das Fastengebot

Ab 1513 war das Klybeckschloss im Besitz eines Exzentrikers. Es handelte sich um einen Mann, den man Steinschneider nannte. Sein eigentlicher Name war Sigmund von Aug. Er war ein bekannter Spötter und verhöhnte gerne den katholischen Glauben. So veranstaltete er etwa am Palmsonntag 1522 ein Spanferkelessen, ein bewusster, provokativer Verstoss gegen das Fastengebot,  zu dem er auch mehrere Geistliche einlud.

Verurteilt und gevierteilt

Die Rache der Katholiken war furchtbar. Als Sigismund ein Jahr später durch das Elsass reiste, wurde er in Ensisheim festgenommen, der Blasphemie gegen die Heilige Muttergottes angeklagt, verurteilt und wenig später öffentlich gevierteilt. Sein Leichnam wurde verbrannt, die Asche in alle Winde verstreut.

Schloss Klybeck 1754, Stich Emanuel Büchel.

Sitz der Landvögte

Gut und Schloss Klybeck kamen im Laufe der Jahrhunderte in die Hände vieler Besitzer. Die Abtei St. Blasien, das Stift Säckingen, Basler Ratsherren, Ritter und Bürger, Ärzte geboten über das stattliche Anwesen. Ab 1738 wurde es dann zum Sitz der – von der Stadt Basel delegierten – Landvögte von Kleinhüningen.

Chemische Industrie

Im 19. Jahrhundert veränderte sich das ländliche Kleinhüningen unter dem Einfluss der chemischen Industrie stark. In der Nähe baute Ciba Fabriken, rundum entstanden Wohnkasernen für Arbeiter.

Adieu Klybeckschlösschen

1955 wurde das Wasserschlösschen dann abgerissen. Ein Jahr bevor Baudirektor Max Wullschleger in den Regierungsrat kam, dort 20 Jahre blieb und dafür verantwortlich war, dass ein beachtlicher Teil des alten Basel abgebrochen wurde. Fortschritt hiess das damals, heute würde man von Bausünden sprechen.

So sieht die Klybeckstrasse 248 heute aus.

So sieht die Klybeckstrasse 248 heute aus.

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