In Basel wird gearbeitet - in anderen Kantonen ausgeschlafen.
In Basel wird gearbeitet - in anderen Kantonen ausgeschlafen.
  • Binci Heeb
  • Aktualisiert am

Ausnahmefall Basel: Weshalb nur Sie heute zur Arbeit müssen

Der Berchtoldstag ist in vielen Teilen der Schweiz ein Ruhetag, obwohl es nie einen heiligen St. Berchtold gab. Deshalb wird er - wenn überhaupt - dann gefeiert, wenn's gerade passt. Meist am 2. Januar um die Feiertage zu verlängern, im Kanton Graubünden zum Beispiel erst am 5. und hier bei uns überhaupt nicht: Zähneknirschend und oft halbherzig.

Der Wecker dürfte Sie heuet früh brutal daran erinnert haben: Mit Ausschlafen ist es im Zentrum unserer Grossregion wieder vorbei. Der 2. Januar ist hier offiziell Arbeitstag, während er rund um BS und BL in der Regel als arbeitsfreier Ruhetag gilt. Zum Beispiel in weiten Teilen des Aargau und damit eigentlich auch dem Fricktal, wobei in Rheinfelden und Co. oft eine Ausnahme gemacht wird. Die Kundschaft vom Rhein weiter unten lässt grüssen. Während zum Beispiel Kantone wie Bern, Jura, Neuenburg, Schaffhausen, Thurgau, Waadt, Zürich einen öffentlicher Ruhetag einschalten, sieht es in den beiden Basel leider anders aus. Zwar sind die Schulen in unseren Halbkantonen am 8. Januar, sämtliche Banken am 3. Januar wieder offen, dennoch herrscht bei uns am virtuellen Berchtoldstag bereits wieder reguläre Arbeitszeit. Viele Geschäfte nutzten früher den Tag für ihre Jahresinventur, doch im Zeitalter der digitalen Lagererlogistik könnten die Türen geöffnet werden. Doch oft bleibt das veraltete Schild und damit die Kundschaft vor der Türe hängen.

Wer war dieser Berchtold?

Offiziell hat es einen heiligen Berchtold nie gegeben und damit auch keinen Tag unter diesem Namen. Für die, welche dies nicht glauben mögen, soll die Bezeichnung Berchtold durch einen Übersetzungsfehler entstanden sein. Es wird auf das mittelhochdeutsche berchttac, berchteltac oder berchtnacht für «Epiphanias», also den Dreikönigstag am 6. Januar verwiesen.

So feiern Bülach und Rafz

In Bülach und seiner Nachbargemeinde Rafz zum Beispiel werden die bösen Geister am zweiten Tag des neuen Jahres mit Kuhglocken und Kanonen vertrieben und mit Böllerschüssen begangen. Darunter sind Trychlergruppen mit ihren 25 bis 35 Kilogramm schweren Doppelkuhglocken, bevor es auf Beizentour geht. In Rafz wiederum findet ein Umzug statt wofür die Wagengruppen jeweils ein besonderes Gefährt bauen. Auf den Umzug folgt bis in die frühen Morgenstunden die Beizenfasnacht. Woher diese Tradition des Bächtele stammt, ist wie so ziemlich alles bei Berchtold unklar. Wer nachfragt, wird mit dem Hinweis auf alte heidnische Bräuchen verwiesen.

©keystone

St. Bechentag in Basel 

Doch machen wir Basler uns nicht besser, als wir ohnehin schon sind. Auch in unserer Stadt wurde bis 1798 der St. Bechentag gefeiert. Eugen A. Meier schrieb in seinem Buch «Festfreudiges Basel», dass obwohl die Kirche keinen heiligen Berchtold kennt, es die Bürgschaft nicht abhielt, den «Sant Berchtoldstag» (Bechteltag, Bärzelistag) auf den Trinkstuben der Zünfte gebührend zu begiessen und bei üppiger Mahlzeit nochmals fröhliche Stunden zu verbringen. Dabei wurde gerne auch der «Galrey» oder «Gallreigen», die Sülze aus Fischen oder Fleisch gegessen. Ob mancher unter diesen Umständen vielleicht nicht doch lieber arbeitet?

  

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