Die Liebe zu den Verboten macht Celt Abraham zum Thema. Bild: barfi.ch
Die Liebe zu den Verboten macht Celt Abraham zum Thema. Bild: barfi.ch
  • Jonas Egli
  • Aktualisiert am

Basel wird ihn lieben: der netteste Vandalist dieser Welt hinterliess in der Freien Strasse seine Spuren

Vielleicht müssen Sie sich beeilen um etwas ganz Besonderes zu sehen, bevor die Behörden einschreiten. Eigentlich fällt es auf den ersten Blick gar nicht gross auf. Doch bei genauerem Hinsehen – und das lohnt sich – hat die Freie Strasse über Nacht ein neues Gesicht erhalten. Oder vielmehr ihre Strassenschilder. Leider nein, siehe Update am Ende des Berichts…

Der international in der Kunstwelt geachtete französische Künstler Clet Abraham zog am Wochenende durch die Vorzeigemeile unserer Stadt und modifizierte rund ein Duzend Strassenschilder. Wie schon etliche europäische Metropolen kommt nun auch Basel in den Genuss von frischer Street Art, welche die Strenge des offiziellen Stadtbildes etwas auflockern soll. Wird, was grosse Städte international mit grossen Applaus und Bewunderung honorieren auch in Basel funktionieren? Wird man ihn gewähren lassen?

Versteckis im Stopschild: Wer findet alle? Bild: barfi.ch

Seine Aktionen im Stadtraum sind klein und gezielt, des nachts schleicht ein Robin Hood durch die Gassen und treibt sein Unwesen. Der 50-jährige Bretone mag keine Verbote, ganz allgemein sind ihm Verkehrsschilder ein Dorn im Auge. Nützlich seien sie ja zwar, aber es gäbe davon schlicht zu viele. Die Menschen sollen wieder mehr Eigenverantwortung zeigen. Allerdings findet er die Ästhetik der klaren Farben und Formen spannend und deswegen zielen seine Interventionen nicht darauf ab, die Schilder etwa unleserlich zu machen oder sie gar zu zerstören, sondern er macht aus ihnen kleine Comics. Er fügt mit Aufklebern kleine Details zu bestehenden Strassenschildern wie Halteverbote oder Stoppschilder hinzu und macht sie zur Bühne für Mini-Geschichten. Aus dem Balken eines Einbahnstrasse-Schilds wird ein Pranger, im Rund des Stoppschilds versteckt sich ein Mannli. So sollen, wie der Künstler meint, die Weisungen sogar noch besser gesehen werden, was die Konzentration fördere und Unfälle verhindere! Wie nett von ihm.

Beispiel aus Abrahams Wohnsitz Florenz: Aus Pfeil wird Fisch! Bild: Wikipedia Commons/LivornoDP

Ein Vandalist möchte er auch nicht sein, er verwendet für die Kleber eine leicht abziehbare Folie, falls die Stadtverwaltung den Spass nicht teilen sollte. Der Künstler, der vorausdenkt! Trotzdem hat ihm der Amtsschimmel in der Vergangenheit mancherorts schon hohe Bussgelder angedroht, doch bisher ging es gut. So hoffentlich auch in unserer Stadt. Die Kunstwelt mag Abraham und Basel mag Kunst. Manche mögen die lustigen Aufkleber schon in London, Paris, Mailand oder Berlin gesehen haben, nun sind sie auch in der Freien Strasse und Umgebung aufgetaucht. Besonders hat es der in Florenz wohnhafte Künstler auf die Einbahnstrassenschilder abgesehen, von denen es in Basel weiss Gott nicht zu wenige gibt. Wer sich auf die Suche macht, entdeckt schnell das eine oder andere Kunstwerk. Doch wie lange?

 

Angriff der Verbote: Clet Abraham findet's langweilig und will die Sache auflockern. Bild: barfi.ch

Ob die hiesige Allmendverwaltung den Spass und die Unterschiede zu Schmierereien versteht, wird sich zeigen. Bis zur Veröffentlichung dieser Zeilen wollte sich jedenfalls niemand zu einem Statement durchringen. Man könnte dies als gutes Zeichen werten, die Kunstaktion ist offensichtlich nicht sofort auf der Abschussliste gelandet. Wir sind jedenfalls froh um die Auflockerung und in der Freien Strasse ist die Verkehrsregelung ohnehin ein Chaos, obschon in diesem Ausmass längst überflüssig. Schlimmer wird’s kaum werden.

Klares Statement: Es stinkt in Florenz! Bild: Wikipedia Commons/LivornoDP

Abraham sagt, wo's lang geht. Beispiel aus Paris. Bild: Flickr.com/Julian Mason

Und Wunder geschehen. Am 24. August vergangenen Jahres wollte das Baudepartement mit Einschreiben den Schöpfer der stadtbekannten Musikgraffitis in der Gerbergasse per amtlicher Weisung die sofortige Entfernung erzwingen. Nach dem barfi.ch die öffentlich gemacht und eine Unterschriftenaktion initiierte, ruderte der Vorsteher des BVD Hans-Peter Wessels persönlich zurück und nahm als offizieller Vertretung an der Einweihung der renovierten Wandmalerei teil. Sie gehört mittlerweile zur obligatorischen Station der Stadtführungen. Wie frei also, ist nun die Freie Strasse?

Der Schlüsser zu einem schöneren Stadtbild? Bild: barfi.ch

Doch auch die echten Schilder sind manchmal ganz kunstvoll. Bild: barfi.ch

UPDATE: Die Antwort der Allmendsverwaltung fiel leider wie erwartet aus: Gesetz ist Gesetz und Strassenschilder sind keine Leinwände, basta. Die Schilder müssen also von der Kunst befreit werden, so will es die Verwaltung. Wann dies geschieht, ist indes unklar. Daniel Hofer, der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt, meint schlicht: “Wenn die Stadtreinigung das nächste mal durchgeht.” Er fügt aber hinzu, dass diese Säuberung nicht gerade zuoberst auf der To-Do-Liste steht. “Wir senden nicht extra dafür einen Trupp in die Freie Strasse,” so Hofer. Auch der nicht so aufmerksame Bebbi wird festgestellt haben, dass viele Schilder mit Aufklebern so verdreckt sind, dass man sie kaum mehr lesen kann. Oft wird diese Reinigung –in diesem Fall glücklicherweise– also nicht stattfinden. Trotzdem, wer Clet Abrahams Kunst noch sehen will, wird dies bald tun müssen. Der Schimmel hat gesprochen.

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