Der Brunnmeister hat die Leitung im Griff: Ruedi Kämpf von den IWB kennt jeden Wasserspender der Stadt. Bild A. Schwald
Der Brunnmeister hat die Leitung im Griff: Ruedi Kämpf von den IWB kennt jeden Wasserspender der Stadt. Bild A. Schwald
  • Andreas Schwald
  • Aktualisiert am

Der Basler Brunnenmeister und weshalb wir ihm und seinen Leuten zu danken haben

Ruedi Kämpf ist in Basel der Mann fürs Nasse. Seit 17 Jahren kümmern er und sein Team sich um die Brunnen von Basel-Stadt. Davon gibt es ziemlich viele: Über 200 grosse, kleine, wuchtige, verspielte, imposante. öffentliche Spender von  kristallklarem Trinkwasser. Gespiesen mit einer Million frischen Litern – pro Tag.

Sein Amt trägt traditionellen stolzen Namen Brunnmeister, und in der Tat ist Ruedi Kämpf ein Meister seines Fachs. Keiner kennt die Basler Wasserspeier und was an Leitungsrohren, Ab- und Zuflüssen dahinter steckt, so gut wie er und sein fünfköpfiges Team der Industriellen Werke Basel (IWB). Im Gegensatz zum Brunnmeister einer Gemeinde kann sich Kämpf in Basel auch voll und ganz auf den ehrwürdigen Titel seines Amtes konzentrieren. Um die Trinkwasserproduktion kümmern sich bei den IWB andere. 
 
Die öffentlichen Brunnen dienen als Indikator für die Wasserqualität in ganz Basel. Aktuellste Ergebnisse des Kantonslabors bestätigen: Das Basler Brunnenwasser ist praktisch «lupenrein». Regelmässige Kontrollen bescheinigen Kämpfs flüssiger Arbeitsmaterie eine Sauberkeit, die selbst diejenige von in Flaschen abgefüllter Wässerchen übersteigt.

Wo ein Hahn ist, kommt auch Trinkwasser

Arbeitsort unter Tag: Wie man dem Brunnen das Wasser abdreht.

Das hat historische Gründe. Denn im 19. Jahrhundert, als noch kaum ein Haus in Basel einen eigenen Trinkwasseranschluss hatte, stellte die Stadt Basel eine Vielzahl an Brunnen auf, von denen die Einheimischen Wasser bezogen. Heute geht zwar keiner mehr mit dem Krug zum Brunnen, um sein Bad zu füllen. Aber gerade an Hitzetagen machen es die Leute wie vor 100 Jahren: Sie bedienen sich mit Gefässen an Brunnen. Nicht alle Brunnen sind allerdings zum Trinken und Baden geeignet: Im Fasnachts-Brunnen am Theaterplatz ist Baden verboten, Trinken empfiehlt sich dort auch nicht, doch wer will das schon.

Die Qualität ist zum einen der Wasseraufbereitung der IWB zu verdanken, zum andern der Arbeit Kämpfs. Jeden Tag sind die Brunnenputz-Equipen unterwegs, diese Wartung ist ein ständiges Geschäft. Hier ein Rohr, dort eine Installation: Die Handwerker sind rasch parat. In den eigenen Werkstätten fertigen sie Teile, welche eingepasst werden können. Das hat auch ganz praktische Gründe: Braucht man Ersatz, kann man es auch mal selbst zurechtmachen, unabhängig von einem Hersteller.

Hunde: Trinken ja, baden nein

Der Basiliskenbrunnen von innen, unten links die Trinkschale für Hunde. ©Schema IWB

Basel ist zu Recht sehr stolz auf seine Brunnen. Das sieht man gerade im Sommer, wenn die Leute in den Quartierbrunnen hüpfen, um ein Bad zu nehmen. Was der Brunnmeister dazu sagt? «Kein Problem, alles erlaubt. So lange nicht auf dem Brunnen und an den Rohren herumgeklettert wird.» Ah, und Mobiliar, das gehöre zudem auch nicht in den Brunnen, genau wie Hunde: «So verlangt es der Gesetzgeber.» Das stösst nicht bei allen Hundehaltern auf Verständnis, aber Kämpf machte da schon so seine Erfahrungen. Gerade beim Zierbrunnen auf dem Messeplatz kämen immer mal wieder Fäkalien im Wasser vor. Das gehört einfach nicht in einen Brunnen – weder in einen öffentlichen noch in einen privaten.

Dafür dürfen die Hunde trinken. Die Sudelbecken sind bei einigen Brunnen sogar derart gestaltet, dass sie als Hundetränke dienen und bei den Basiliskenbrunnen wurden extra Fifi-Tränken angebracht. Überhaupt die Basiliskenbrunnen: Wahrzeichen der Stadt, aber komplexe Installationen, wie Kämpf sagt. Die Formen zur Herstellung der Brunnen sind alle bei den IWB eingelagert; frei erhältlich sind die Wahrzeichen nicht. Einzig die Basler Regierung kann sie als Aufmerksamkeit verschenken. So stehen Basilisken unter anderem in Zürich, in Anwil im Baselbiet, im grenznahen Frankreich, sogar in Schanghai – allerdings nicht immer so gut gepflegt wie in ihrem Stammland.

Eine Million Liter Wasser pro Tag

Das Sudelbecken als Hundetränke: Tierfreundlicher Brunnen am Münsterplatz.

Rund 1’000 Kubikmeter Wasser lassen die Basler Brunnen in 24 Stunden durch. Das sind rund eine Million Liter Wasser pro Tag. Ob das keine Verschwendung sei? «Überhaupt nicht», sagt Kämpf: Denn das Wasser sorgt dafür, dass konstant ein Durchlauf in den Leitungen stattfindet. Und das wiederum hält das Wasser sauber. Zumal das Brunnenwasser nicht einfach in die Kanalisation läuft, sondern weitgehend direkt versickert. Einige Brunnen laufen sogar noch in den alten Birsigfluss ab, zum Beispiel am Barfi und am Marktplatz.

Somit ist Ruedi Kämpf, Brunnmeister der Stadt Basel, nicht nur bester Kunde der Trinkwasserproduktion unserer IWB, sondern auch der Mann, welcher das Erbe der frühen Basler Wasserversorgung hoch und in Form hält. Was denn sein Lieblingsbrunnen sei? Er kenne ja alle ganz intim, da müsse doch einer besonders hervorstechen. Kämpf lacht, kernig: Der Brunnen an der Ecke Mühlberg/St.Alban-Vorstadt. «Einer der schönsten überhaupt. Die Architektur und schliesslich die Lage, einfach prächtig.» Damit steht der Brunnmeister nicht allein: Genau dieses historische Prachtstück ist auch einer der beliebtesten zum Baden. Und das wiederum passt nicht nur zum Prüfresultat der Wasserqualität, sondern auch perfekt zur Sommersaison im heissen Basel.

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Lust auf ein Bad im Brunnen? Die Redaktion von Barfi.ch stellte in einem Artikel die fünf Lieblingsbrunnen der Innenstadt vor. Und die IWB haben zusätzlich hier alle ihre Bade-Brunnen auf einer Karte erfasst.

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Der Lieblingsbrunnen vieler Basler in dr St. Alban-Vorstadt. Bild N. Leuenberger